Waldsee Rotfedern und Goldfische haben Amphibien vertrieben

Mitglieder der Agendagruppe Biotope und Umwelt machten beim Waldsee Schmaudersgrube klar Schiff – und entdeckten dabei unerwartete Bewohner.
Mitglieder der Agendagruppe Biotope und Umwelt machten beim Waldsee Schmaudersgrube klar Schiff – und entdeckten dabei unerwartete Bewohner.
Giengen / Carolin Wöhrle 02.09.2014
Eigentlich wollten die Mitglieder der Agendagruppe Biotope und Umwelt den Waldsee Schmaudersgrube nur von Unrat befreien. Dabei stellten sie allerdings fest, dass in der Zwischenzeit ungebetene Gäste ins Biotop eingezogen sind: Rotfedern und Goldfische. Und die haben offenbar die Amphibien vertrieben.

Vor vier Jahren war das Naturdenkmal Schmaudersgrube umfassend saniert worden. Am vergangenen Wochenende hatten sich erstmals seitdem Mitglieder der Agendagruppe Biotope und Umwelt in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Forst ans Großreinemachen gemacht: Von zwei kleinen Booten aus entfernten sie fünf Kubikmeter Krebsscheren.

Das sind Wasserpflanzen, die in der Zwischenzeit vor allem im West- und Nordteil der Schmaudersgrube mächtig gewuchert haben. Was an Flora zu viel war, gb es an Fauna zu wenig: Es fehlten nämlich auffallend viele Vertreter der Wirbellosen: Außer einigen Spitzschlamm- und Posthornschnecken hatten diese offenbar geschlossen die Grube verlassen. Gleiches gilt für die zuletzt häufigen kleinen Kugelmuscheln. Und auch Kröten, Molche und Teichfrösche, früher vor allem bei Kindern beliebte Bewohner der Schmaudersgrube, haben sich augenscheinlich ein anderes Zuhause gesucht. Unbewohnt ist das Biotop deshalb aber noch lange nicht – im Gegenteil: Es wurden stattdessen tierische Gäste entdeckt, die man in einem Waldsee so gar nicht erwarten würde: Goldfische.

Wie die dahin gekommen sind? Offenbar haben es Goldfisch-Halter etwas zu gut gemeint, und wollten ihren kleinen Lieblingen die Freiheit schenken. Das Problem: Auf dem Speiseplan der Goldfische stehen Wirbellose und Amphibien-Laich ganz oben. Aus der guten Nachbarschaft wird deshalb nichts. Das kulinarische Angebot im See teilen sich die Goldfische zudem mit Rotfedern aus der Familie der Karpfenfische. Die wurden allerdings nicht von Menschenhand ausgesetzt. Ihr Laich haftet am Gefieder von Wasservögeln an und wurde so in die Schmaudersgrube transportiert – per Anhalter quasi.

Bei der Naturschutzbehörde überlegt man nun, wie man das Problem lösen kann. Es sieht aber ganz danach aus, als müssten die Goldfische und Rotfedern ihr neues Quartier auf lange Sicht wieder räumen.