Giengen / Hans-Peter Leitenberger Stephan Ronkov brillierte auf der Link-Orgel in der Giengener Stadtkirche mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Liszt.

Ein ebenso bewegendes wie vielseitig geprägtes Orgelkonzert konnten etwa 70 Besucher am Sonntagvormittag in der Gienger Stadtkirche erleben. Stephan Ronkov, seit dem Jahr 2015 Münsterorganist am Marienmünster in Dießen am Ammersee, verstand es bei dieser Gelegenheit, die Klangmöglichkeiten der romantisch gefärbten Link-Orgel der Stadtkirche effizient hervorzuheben.

Flüssig und lebendig gestaltete Ronkov die Sätze bei Johann Sebastian Bachs Concerto d-Moll BWV 596, bei dem Antonio Vivaldi deutlich herauszuhören war. Dezent registriert kamen die Ecksätze mit einem durchgehenden pulsierenden Orgelpunkt. Der fugierte Teil erklang unter den Händen von Ronkov mit fast stürmischem Charakter, bei welchem der Organist die Kontraste deutlich hervorheben konnte.

Phantasie und Respekt

Die dynamischen Möglichkeiten zwischen Forte und Piano beim Largo e spiccato schöpfte Ronkov druckvoll und präzise aus, was bei den satztechnischen Raffinessen keine leichte Aufgabe war. Ein Stück, das die musikalische Phantasie Bachs und gleichzeitig dessen Respekt vor seinem italienischen Kollegen eindrucksvoll zur Geltung brachte.

Wolfgang Amadeus Mozarts Adagio und Allegro f-Moll nannte dieser „ein Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr“. Kräftig und zupackend spielte Stephan Ronkov den Lamento-Bass im Adagio mit seinen oft sprunghaften chromatischen Wendungen.

Die fanfarenartigen Sequenzen im Mittelteil hatten etwas Hymnisches und kontrastierten zu den Seufzerfiguren des Adagio. Wolfgang Amadeus Mozarts unverkennbarer Tonfall wurde hier gegenwärtig. Stephan Ronkov gelang es zudem, Sensibilität und Schwung in seinem Spiel miteinander zu verbinden.

Die Fantasie in f-Moll KV 608 von Mozart, ebenfalls ein „Orgelstück für eine Uhr“ beeindruckte durch die sensible Spielweise Ronkovs, der den ernsthaften Charakter der punktierten Rhythmen im Spiel deutlich werden ließ und die kontrapunktischen Elemente mit markanter Registrierung hervorhob.

Klangprächtig folgte der liedhafte Mittelteil mit einem lebhaften Variationensatz. Temperamentvoll gespielt kam der dritte Teil mit ouvertürenhaften Akkorden und eine vom Organisten souverän gestaltete Doppelfuge mit durchgehenden Sechzehntelbewegungen, die doch stark an Bach erinnerten. Transparent und klangmächtig zugleich kamen die Akkordschläge und Themenengführungen am Schluss.

Eleganz und Virtuosität

Franz Liszts Präludium und Fuge über B-A-C-H ist eines seiner meistgespielten Orgelwerke, das aber seine Tücken hat. Stephan Ronkov verstand es ausgezeichnet, den romantischen Überschwang mit eleganter Virtuosität darzustellen.

Das abwechslungsreich gestaltete Präludium und die anschließende Fuge kamen mit heller Registrierung. Klar und bewegend kamen die Passagen, Läufe und Triller und ein hymnisch geprägter Schluss.

Giengens Kantor Christian Barthen war von diesem temperamentvoll geführten und spieltechnisch brillanten Konzert ebenso begeistert wie die Konzertbesucher, die ein weiteres „Highlight“ in der ganz besonderen Reihe der Giengener Orgelmatinéen genießen konnten.

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Hier ist unsere Reportage über die Link-Orgel in Giengen:

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Münchener Organist

Das nächste Konzert im Rahmen der Giengener Orgelmatinéen bestreitet am Sonntag, 14. April, ab 11 Uhr in der Stadtkirche Prof. Bernhard Haas aus München.