Kunst Regina: Kinofassade wird Graffiti-Leinwand

Auch so wird ein Kino zum Kunstwerk: die Graffiti-Sprayer Seko und Satur sind an den Außenwänden des ehemaligen Regina aktiv.
Auch so wird ein Kino zum Kunstwerk: die Graffiti-Sprayer Seko und Satur sind an den Außenwänden des ehemaligen Regina aktiv.
Giengen / Dieter Reichl 04.07.2016
Die Fassade des ehemaligen Kinos Regina hat sich – legal und mit Erlaubnis – übers Wochenende in ein Graffiti-Kunstwerk verwandelt.

Verantwortlich für das bunter Werk an der Fassade des seit Jahren nicht mehr als solches genutzten Kinos Regina ist die Crew „KLS“. Als Crew bezeichnet sich eine lose zusammenhängende Gruppe von Graffiti-Künstlern, „KLS“ steht für „Koalas“.

In diesem Fall stehen hinter den neuerdings farbigen Kinomauern zwei Sprayer, beide Mitte 20, einer davon aus Giengen, der andere aus Stuttgart. Beide wollen nur mit ihrem Künstlernamen bezeichnet werden, also „Seko“ und „Satur“. Es sei so, sagt der Giengener, dass man als Sprayer oder Graffitikünstler immer noch beschimpft, angefeindet und verunglimpft wird, weil viele Menschen Graffitis nicht als künstlerischen Ausdruck wahrnehmen wollen, sondern als Vandalismus und Schmiererei.

Die beiden gestehen durchaus ein, dass es solcherlei Schmierer und Verunstalter durchaus gibt. Die echte Graffiti-Szene jedoch sei anders und habe einen künstlerischen Anspruch. Unterdessen sei es so, dass so manche Wandbesprühung als eigenständiges Kunstwerk angesehen wird und sogar Kultstatus genießt. Denn: jahrelang dauert es, bis eine echte Könnerschaft erzielt wird, handwerkliches und gestalterisches Können ist notwendig. „Viele hören damit auch schnell wieder auf“, sagt Seko.

In Giengen jedenfalls handelte es sich um keine Nacht-und-Nebel-Aktion, sondern um ein genehmigtes Projekt. Auf Verständnis und Offenheit trifft der Giengener Sprayer ganz offensichtlich bei der Kreisbau. Dort ist man offen für diese Kunstform und stellt Sprayern wie Seko oder Satur Fassadenflächen zur Verfügung, die dann besprüht werden dürfen. Das nämlich ist oftmals das Problem: legal freie Flächen zum Besprühen zu finden, berichtet der Giengener. Mit ausdrücklichem Lob für Kreisbau-Chef Wilfried Haut.

Seko war bereits am ehemaligen Müag-Gebäude an der Heidenheimer Straße mit seinen Sprühdosen aktiv, bevor es abgerissen und dort der neue Rewe-Markt gebaut wurde; ebenso auf dem AWG-Gelände vor dem Abbruch dort und dem Neubau der Wohnanlage.

Seit kurzem ist die Kreisbau auch Besitzer des Kinos Regina. Auch dies steht in näherer Zukunft zum Abbruch an, so dass man Sekos Anfrage, ob er sprühen dürfe, aufgeschlossen gegenüber stand.

Am Wochenende waren nun die beiden Crew-Mitglieder dort aktiv. Für das farbenfrohe Kunstwerk gab es lediglich eine grobe Vorplanung, es entsteht, unter Verwendung von klassischen Graffiti- und Grafikelementen im Werden. Mundschutz ist Pflicht, die Sprühfarben sind nicht ganz ohne, wenngleich auch längst nicht mehr so giftig wie früher. Und sie sind nicht ganz billig: rund 200 Euro versprühten die beiden an den Regina-Wänden. „Ein teures Hobby“, sagt Seko.

Ein Großteil der Sprayer-Szene spielt sich im Internet ab. Dort wird dann auch das neue Werk am Regina, nachdem es fotografiert wurde, veröffentlicht und diskutiert. Denn das echte Wandgemälde bleibt ja tatsächlich nur – irgendwann kommt der Abbruch – Kunst auf Zeit.

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