Giengen / Dieter Reichl  Uhr
Das eindrückliche Logo auf dem Dach passt haargenau: Bosch ist wieder ganz bei Bosch. Die im Herbst öffentlich gewordene geplante Übernahme des Siemens-Anteils an der Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH durch die Bosch-Gruppe ist jetzt erfolgt. Im Giengener Werk ändert sich dadurch zunächst nichts.

Wie im Wirtschaftsteil unserer Zeitung bereits kurz berichtet, hat die Bosch-Gruppe die Übernahme des 50-Prozent-Anteils von Siemens an der BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH am 5. Januar vollzogen. Zuvor hatten die Kartellbehörden der vollständigen Übernahme zugestimmt. Damit ist der Weg frei für die Weiterführung des ehemals paritätischen Gemeinschaftsunternehmens von Bosch und Siemens als 100-prozentiges Tochterunternehmen von Bosch. Der Hausgerätehersteller mit rund 10,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2013 und rund 50 000 Mitarbeitern wird nach der Eintragung im Handelsregister künftig unter dem Namen BSH Hausgeräte GmbH firmieren. Die Rede war von einem Kaufpreis in Höhe von drei Milliarden Euro.

Für das Giengener Werk und die Mitarbeiter dort hat die Übernahme aktuell keinerlei Folgen, wie eine Sprecherin des Unternehmens bestätigte. „Produktion und Entwicklung laufen ganz normal weiter.“ Das Unternehmen BSH Hausgeräte GmbH werde innerhalb der Bosch-Gruppe weitestgehend eigenständig agieren, heißt es in der Pressemeldung. Ziel der BSH – als einem der weltweit führenden Unternehmen der Hausgeräte-Branche – bleibe es, die Position im Weltmarkt weiter auszubauen und insbesondere auch außerhalb Europas Marktanteile zu gewinnen. Der Umsatz der BSH soll sich bis 2025 verdoppeln. Dazu soll verstärkt in Forschung und Entwicklung sowie in die BSH-Marken investiert werden. Mit der vollständige Übernahme der BSH will Bosch das Geschäft im Bereich der vernetzten Gebäude und Geräte ausbauen. Im Rahmen von Smart Home-Konzepten sollen sich Haushaltsgeräte künftig noch komfortabler, energieeffizienter und bedienerfreundlicher einsetzen lassen. So können mit der App „Home Connect“ Nutzer über WLAN vernetzte Hausgeräte vom Smartphone oder Tablet aus steuern. Als erste Geräte mit Home Connect hat die BSH Backöfen und Geschirrspüler auf den Markt gebracht – weitere Hausgeräte werden folgen.

In Giengen arbeitet man jetzt also, wie es im Volksmund immer schon hieß, wieder ganz „beim Bosch“. Mit der Übernahme des Siemens-Anteils endet eine Zusammenarbeit, die 1967 begann: Seinerzeit führten Bosch und Siemens ihre Aktivitäten auf dem Gebiet der Hausgeräte zusammen, das Gemeinschaftsunternehmen BSH entstand. Seitdem entwickelte es sich zum größten Hausgerätehersteller in Europa und zu einem weltweit führenden Unternehmen der Branche.

Das Ende der Partnerschaft mit Siemens nach mehr als viereinhalb Jahrzehnten kann für den Standort Giengen als Schritt zurück zu den Ursprüngen gesehen werden: Weithin ist das solitäre Bosch-Logo auf dem Dach des Werkes sichtbar. Die Geschichte des Werkes an der Brenz reicht bis 1944 zurück. Als im September jenes Jahres die Verlagerung der Sundgau-Maschinenbau GmbH, Tochtergesellschaft der Robert Bosch GmbH, aus dem Elsass begann, wurde das Unternehmen in Räumlichkeiten der früheren Maschinenfabrik Giengen angesiedelt.

Die Aufbauarbeit begann jedoch erst nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Zunächst erstreckte sich die Fertigung vor allem auf Rohrverschraubungen, Lastwagen-Bremsventile und Kraftstoff-Förderpumpen. Nach Erwerb der Fabrikgebäude durch Bosch im Jahr 1947 konnte das Produktionsprogramm allmählich systematisch erweitert werden.

Seit 1949 werden in Giengen Kühlschränke gefertigt. Im Anfangsjahr waren es lediglich 14 Exemplare. Gut zehn Jahre später wurde dann bereits schon der zweimillionste Kühlschrank produziert. Heute werden in Giengen rund 1,6 Millionen Kühlgeräte jährlich hergestellt, rund 7000 laufen jeden Tag von den Bändern. Beschäftigt sind im Werk etwa 2500 Mitarbeiter, davon rund 1600 in der Produktion.