Giengen / Dieter Reichl Ein Baustellenfest wurde jetzt in der Memminger Wanne gefeiert. Das neue Wohnheim der Lebenshilfe schreitet plangemäß voran. Die Einweihung ist im Sommer vorgesehen.

Elf Monate ist es her, dass der erste Spatenstich für das neue Wohnheim der Lebenshilfe in der Memminger Wanne erfolgte. Jetzt wurde nach Fertigstellung des Rohbaus ein Baustellenfest gefeiert. Ein zu diesem Zeitpunkt gewöhnlich anstehendes Richtfest konnte es nicht sein, weil der Flachbau keinen Dachstuhl besitzt. Also: Baustellenfest.

Die Stimmung war dennoch gut, Vertreter der Lebenshilfe, des Landkreises, der Stadt Giengen der Handwerkerschaft und der Kirchengemeinden freuten sich über den Fortschritt der Bauarbeiten jetzt vor dem Beginn des Innenausbaus.

Kooperative Zusammenarbeit

Peter Welsch, Vorsitzender der Lebenshilfe Heidenheim, dankte den Handwerkern für ihre zügige, pünktliche und gewissenhafte Arbeit und die gute Koordination. Die Baustelle sei bislang gut und bis auf kleinere Vorfälle unfallfrei gelaufen. Dank ging an die Giengener Stadtverwaltung für die gute Zusammenarbeit und die Unterstützung für die Belange der Lebenshilfe. Bislang führe das Projekt den Arbeitstitel Wohnanlage Dresdner Straße, aber Welsch versprach, dass man sich bis zur Einweihung etwas anderes ausdenken werde. Die Einweihung soll im Rahmen des Jahresfestes der Lebenshilfe im Juli erfolgen. Anfang September, so die Planung, sollen die ersten Bewohner einziehen, erste Vereinbarungen gebe es bereits. Es werde, so Welsch, keine Probleme geben, die Apartments voll zu bekommen.

Selbstbestimmt leben

Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle sagte, der beim Spatenstich herrschende Optimismus vor elf Monaten habe sich bewahrheitet. Das Projekt habe sich bislang sehr gut entwickelt. Die vier Gebäudeeinheiten seien von außen fertig, der Innenausbau stehe an. Unterdessen könne man sich sehr gut vorstellen, wie sich die vier Wohneinheiten mit ihren 26 Zimmern auf den insgesamt 3300 Quadratmetern Grund ins Wohngebiet Memminger Wanne eingliedern werden. Henle betonte, dass es in diesen Zimmern möglich sein werde, zum einen in engem Bezug zur Gruppe zu leben, aber auch, ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen. Damit entspreche die Wohnanlage nicht nur den gesetzlichen Vorgaben, sondern eben auch den Bedürfnissen zahlreicher Menschen mit Behinderung. Wie eine Serviceinstitution wolle die Lebenshilfe hier individuell angepasste Unterstützung und damit großen Freiraum zur persönlichen Entwicklung bieten. Hierfür eigne sich der Standort ideal. Die Busanbindung sei gut, der Weg zu den Werkstätten im Ried nicht zu weit, und es gebe viele Nachbarn. Er hoffe, so Henle, dass es gelingen wird, die nachbarschaftlichen Beziehungen so zu fördern, dass für die Bewohner in dieser Hinsicht ein normales Leben möglich ist. Er sei schon gespannt auf den Namen für das Haus.

Mit diesem Bauprojekt der Lebenshilfe, so Henle abschließend, erhalte aktive Teilhabe in Giengen weiteres Gewicht. Den am Bau Beteiligten bescheinigte er, dass in der Memminger Wanne ein Stück Gemeinschaft, ein Stück Zukunft im gesellschaftlichen Miteinander gebaut werden. „Nutzen wir diese Chance“, so Henle.

Bedarfsgerechte Versorgung

Für den Landkreis betonte Sozialdezernent Matthias Schauz, dass diese „ganz besondere Einrichtung“ der Lebenshilfe für Personen mit höherem Hilfebedarf „nicht nur gewünscht, sondern dringend notwendig“ sei. Dort könne eine bedarfsgerechte Versorgung gemäß den Teilhabeplänen des Landkreises ermöglicht werden, wohnortnah in der Nähe von Freunden und Bekannten, der Landkreis müsse nicht verlassen werden. Das neue Wohnheim sei auch in Richtung Zukunft gebaut, wenn das Bundesteilhabegesetz Neuerungen und Änderungen vorsehe. „Differenzierte Wohnangebote werden an Bedeutung gewinnen“, sagte Schauz. Man habe den Wunsch, die Gesellschaft ein Stück weit sozialer werden zu lassen.

Ein geistlicher Segen für das Gebäude rundete die Baustellenfeier ab, gemeinsam gespendet von Pastoralreferent Thomas Haselbauer seitens der katholischen sowie Pfarrer Johannes Weißenstein von Seiten der evangelischen Kirchengemeinde. Nicht zu vergessen gab’s auch Musik: die Veh-Harfen erfreuten mit zwei Einlagen.