Giengen Kindergärten: Stadt und kirchliche Träger finden neue Basis

Harmonisch, wie hier bei der Einweihungsfeier des katholischen Kindergarten St. Martin, soll es künftig zwischen der Stadtverwaltung und den freien und kirchlichen Trägern der Kindertageseinrichtungen zugehen. Die Weichen dafür sind gestellt.
Harmonisch, wie hier bei der Einweihungsfeier des katholischen Kindergarten St. Martin, soll es künftig zwischen der Stadtverwaltung und den freien und kirchlichen Trägern der Kindertageseinrichtungen zugehen. Die Weichen dafür sind gestellt. © Foto: Archiv
Giengen / Nadine Rau 25.07.2018
Die Stadtverwaltung hat mit den kirchlichen und freien Trägern der Kindertageseinrichtungen Änderungen vereinbart, die im Gemeinderat beschlossen wurden. Eine Frage aber bleibt offen.

Wer in Giengen sein Kind betreuen lassen will, hat gleich mehrere Möglichkeiten: Neben den vier städtischen Kindertageseinrichtungen gibt es fünf Einrichtungen der evangelischen Kirche, zwei Einrichtungen der katholischen Kirche sowie eine Einrichtung des Vereins für freie Waldorfpädagogik. Diese Vielfalt an Trägern findet grundsätzlich bei allen Stadträten Gefallen und wird als sehr wichtig empfunden.

Wichtig ist aber auch, dass die Stadtverwaltung und die freien Träger eine gute Basis für diese Art der Zusammenarbeit finden.

Lange herrschte Eiszeit

Nachdem lange Eiszeit zwischen beiden Seiten geherrscht und es gar keine Vereinbarungen gegeben hat, wurden jetzt nach intensiven Gesprächen neue Vereinbarungen zusammengetragen, die der Gemeinderat bei zwei Enthaltungen beschlossen hat. Sie sollen dazu dienen, den verwaltungstechnischen Aufwand möglichst gering zu halten, den Trägern Planungssicherheit zu gewährleisten und eine einheitliche „Fördersystematik“ zu erreichen.

Zum Verständnis: Die Gemeinden sind gesetzlich dazu verpflichtet, für die Träger einen Zuschuss von mindestens 63 Prozent der Betriebsausgaben zu gewähren.

In der Vergangenheit hatten die Träger nach Änderungen gefragt, die etwa die Gruppenformen oder die Finanzierung betreffen. Diese Änderungen gilt es jetzt umzusetzen, außerdem sollten die Vereinbarungen daran angepasst werden, wie viele Kindergartenplätzen zukünftig gebraucht werden.

Die Betreuung: Im Vorfeld hat es eine Elternumfrage gegeben, nach deren Wünschen wurden die Betreuungszeiten und die Gruppenformen geändert. Ab September zum Beispiel gibt es im Kinder- und Familienzentrum Salztröge statt drei nur noch zwei Krippengruppen und stattdessen Plätze für Kinder über drei Jahren.

Das Personal: Hier orientiert man sich an der Kindertagesstättenverordnung, die besagt, wann wie viele Fachkräfte auf die Kinder aufpassen sollen. Eine Änderung ergab sich im Hinblick auf die Auszubildenden, deren Arbeitszeit künftig vom ersten bis zum dritten Lehrjahr mit in den Personalschlüssel eingerechnet wird, statt wie bisher nur im dritten.

Die Kindergartenleitung einer Einrichtung mit mehr als vier Gruppen verfügt zudem über eine halbe Stunde mehr freigestellte Zeit und die Erzieher haben zehn Stunden pro Woche, in denen sie nicht mit den Kindern arbeiten, sondern etwa Elterngespräche führen oder etwas vorbereiten.

Die Schließtage: In den Änderungen berücksichtigt sind auch die Schließtage: Ab 2020 sollen die Einrichtungen maximal zwischen 20 bis 25 Tage schließen.

Die Kosten: Ebenfalls Neuerungen gab es in Bezug auf die Kostenpauschale, die die Stadt den Trägern für die Verwaltung bezahlt. Künftig wird diese Pauschale nicht mehr prozentual, sondern als Festbetrag ausbezahlt. Pro Kindergartengruppe sind das 4000 Euro und pro Kleingruppe 2000 Euro im Jahr.

Für Krippengruppen gewährt die Stadt einen Festbetrag von 5500 Euro pro Jahr. Auf der anderen Seite beteiligen sich die kirchlichen und freien Träger je nach Größe mit mindestens zehn Prozent an den Kosten des Betriebs. Bei Krippengruppen sind es mindestens fünf Prozent.

Die Zahlen: Alle Kosten zusammengenommen, zahlt die Stadt Giengen künftig statt rund 5 360 000 Euro pro Jahr 5 740 000 Euro. Die Einnahmen werden sich auf rund drei Millionen Euro belaufen. Der zu zahlende Anteil für die katholische Kirchengemeinde wird sich in Zukunft auf rund 40 000 Euro, für die evangelische Kirchengemeinde auf rund 64 000 Euro und für den Waldorfverein auf rund 10 000 Euro belaufen.

Großer Unmut bei evangelischer Kirchengemeinde

Was derzeit für großen Unmut bei der evangelischen Kirchengemeinde sorgt, ist eben dieser zu zahlende Anteil aus dem Jahr 2016. (siehe auch Infokasten). Vor der Gemeinderatssitzung am vergangenen Donnerstag hat die Stadtverwaltung Zahlen im Internet veröffentlicht, die nicht nur den Stadträten, sondern erstmals allen öffentlich zugänglich waren.

Das Problem: Die Beträge der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinde gehen weit auseinander. Während für die katholische Kirchengemeinde rund 4400 Euro Anteil verzeichnet sind, betragen die Kosten bei der evangelischen Kirchengemeinde 98 600 Euro. Vonseiten der Stadt wurde allerdings immer eine „Gleichbehandlung der Träger“ versichert.

OB Henle will Transparenz schaffen

Oberbürgermeister Dieter Henle erklärte, dass die Unterschiede „durch verschiedene Gruppenformen und ähnliches“ komme und versicherte, die Entstehung der Kosten aufzuarbeiten und nachzureichen. Der Zustimmung der neuen Vereinbarungen stand diese offene Frage nicht im Wege, die Stadträte forderten jedoch, dass die Zahlen offengelegt werden müssen.

Diskussion im Gemeinderat

Bei der Bürgerfragestunde in der jüngsten Gemeinderatssitzung meldete sich Renate Hermann, die Vorsitzende der evangelischen Gesamtkirchengemeinde, zu Wort. Nachdem die Zahlen veröffentlicht worden waren, wollte sie wissen, warum der Anteil der evangelischen Kirchengemeinde für die Kindertageseinrichtungen mit mehr als 98 000 Euro im Gegensatz zu den 4 400 Euro der katholischen Kirchengemeinde so enorm hoch sei. „Ich weiß, dass ich darauf heute keine Antwort bekomme, aber wir wollen das wissen.“

Auch Stadträte der SPD und der Unabhängigen/Grünen meldeten sich zu Wort, ehe sie den neuen Vereinbarungen zwischen der Stadt und den freien Trägern zustimmen. „Es gibt hier schon seit vielen Jahren Handlungsbedarf und jetzt finden wir hoffentlich eine einvernehmliche Lösung. Die Beiträge für die einzelnen Träger müssen aber transparent sein“, sagte etwa Rubens Link (Unabhängige/Grüne).

„Wo kommt der Differenzbetrag her?“, wollte auch Bernd Kluge (SPD) wissen.

Jetzt liegt es bei der Verwaltung, den Stadträten und den freien Trägern die Differenz zu erklären.

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