Giengen Sachsenhausen baut Vereinshaus für 2,3 Millionen

So sieht ein erster Entwurf der Architekten für das Dorfgemeinschaftshaus inklusive Feuerwehrhaus aus.
So sieht ein erster Entwurf der Architekten für das Dorfgemeinschaftshaus inklusive Feuerwehrhaus aus. © Foto: Maier+Linder Architekten
Giengen / Nadine Rau 02.08.2018
In Sachsenhausen entsteht ein Gebäude für 2,3 Millionen Euro, in dem künftig Vereine und die Feuerwehr unterkommen. Die Kostenfrage war eine umstrittene.

Die Sachsenhausener Dorfgemeinschaft dürfte nach dieser Gemeinderatssitzung einmal richtig tief Luft geholt haben. Seit etlichen Jahren schon ist ein Haus für die Vereine und die Feuerwehr Thema im Ratssaal, klappen wollte es mit der Umsetzung bislang nie. Jetzt hat der Gemeinderat den Neubau in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen – verbunden mit der Bedingung, nicht mehr als 2,3 Millionen Euro auszugeben.

Das Dorfgemeinschaftshaus soll am Ortsausgang in Richtung Viehhof auf der rechten Seite entstehen, wo bisher nur Wiese zu sehen ist. Die Stadt hat das Grundstück bereits erworben.

Wegen der Finanzierung des Gebäudes musste es auf einmal ganz schnell gehen, denn die Anträge auf Fördergeld für den Neubau müssen bis zum 30. September beim Land eingegangen sein. Die Stadt spekuliert auf 750 000 Euro aus dem Entwicklungsprogramm ländlicher Raum und auf weitere 60 000 Euro in Form von Zuwendungen für das Feuerwehrwesen. Schon 2008 hatte die Stadt einen positiven Förderbescheid vom Land erhalten, musste damals aber verzichten, weil das Dorfhaus noch nicht zustandekam.

Die Finanzierung sorgte jetzt im Gemeinderat bis zum Schluss für rege Diskussionen. Eigentlich waren im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Gebäudemanagement für den Neubau bis 2020 ursprünglich eineinhalb Millionen Euro vorgesehen.

Von eineinhalb auf zweieinhalb Millionen Euro

Oberbürgermeister Dieter Henle plädierte aber dafür, auf zweieinhalb Millionen Euro hinauf zu gehen. Die Mittel hätte man deshalb, weil sich etwa der Bau des Kindergartens an der Lederstraße verzögere. „Was die Dorfgemeinschaft auf die Beine stellt, ist aller Ehren wert, und wir stellen deswegen nichts hintenan“, so Henle.

Sein Vorschlag: 2,5 Millionen für das Haus mit angrenzendem Dorfstadel. Falls es teurer würde, falle der Dorfstadel wieder weg. Die CDU-Fraktion ging mit diesem Vorschlag mit, Dorfgemeinschaftssprecher in Sachsenhausen und Stadtrat Werner Bader sagte, dass „diese Entscheidung für die Dorfgemeinschaft fallen sollte“.

SPD für Grenze bei 1,8 Millionen

Die SPD hingegen lehnte den Vorschlag ab und setzte 1,8 Millionen Euro als oberste Grenze. „Sachsenhausen hat eine rührige Dorfgemeinschaft, aber das Raumprogramm, an dem der Gemeinderat nicht beteiligt war, ist ambitioniert“, so Fraktionsvorsitzende Gaby Streicher. Es gebe keine Verhältnismäßigkeit zur Anzahl der Nutzer. Die SPD bezeichnete es in ihrem Vorschlag als „nur die halbe Wahrheit“, dass es zu keiner Neuverschuldung komme, weil man „andere Maßnahmen verschiebe“.

Unabhängige/Grüne für 2,3 Millionen Euro-Grenze

Rubens Link, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen/Grünen, stellte letztlich den Antrag, sich auf 2,3 Millionen Euro für das Dorfgemeinschaftshaus zu einigen. „Sachsenhausen hat einen Hingucker verdient. 2,3 Millionen sind okay, die Dorfgemeinschaft muss dann eben noch stärker in Eigenleistung arbeiten“, so Link.

Wegen der aufgeheizten Stimmung forderte Rudolf Boemer (CDU) eine Auszeit. Anschließend wurde zunächst darüber abgestimmt, welches der beiden Architektenbüros, die vorneweg ihre Pläne vorgestellt hatten, für die Arbeiten engagiert werden soll. Das Rennen machte hier das Büro Maier und Linder Architekten aus Gerstetten, 4000 Euro wurde den Planern für ihre Leistungen bezahlt.

Mehr Eigenleistung der Dorfgemeinschaft

Solange sich die Eigenleistungen der Dorfgemeinschaft auf den Außenbereich beziehen, ginge das für das Büro in Ordnung, versicherte Stefan Linder. Er stelle dem Gremium seine Vorstellung des neuen Gebäudes vor:

Das Dorfgemeinschaftshaus wird eingeschossig, daneben könnte ein Dorfstadel als Lager- und Wirtschaftsgebäude entstehen. Den Planern war es wichtig, die Struktur des Dorfes aufzufangen. Wie an einer Perlenschnur, so heißt es in der Beschreibung, wechseln sich gassenartige Straßenzüge mit Gebäuden mit Satteldach mit landwirtschaftlichen Gehöften in Sachsenhausen ab. Das Haus soll wie die Silhouette des Dorfes aussehen.

Übungsräume und Dorfstube

Wer von der Straße aus auf das Haus zuläuft, sieht zuerst die Feuerwehr. Zwischen der Fahrzeughalle und dem Dorfgemeinschaftshaus gibt es einen „Veranstaltungsboulevard“, über den auch der Stadel erreicht werden könnte. Es gibt eine Dorfstube, die nach außen hin geöffnet werden kann, eine Cateringküche, Proben- und Übungsräume. Das Haus wird an das lokale Nahwärmenetz angeschlossen, durch einen direkten Anschluss an die Nahwäremeleitung an der Viehhofstraße kann Bioenergie genutzt werden.

Bis 2020 soll es fertig sein

Fertig sein soll der reine Bau ohne Stadel im Sommer 2020. Gut 800 Quadratmeter Fläche sind derzeit in der Planung vorgesehen, für den Dorfstadel kämen weitere 615 Quadratmeter dazu. Mit 16 Stimmen dafür und zwölf dagegen hat der Gemeinderat letztlich knapp für Rubens Links Vorschlag gestimmt. „Das ist ein klares Signal, jetzt können wir weiterplanen“, so OB Henle.

Bisher ist die Dorfgemeinschaft verteilt

Sachsenhausen hat zwar nur 215 Einwohner, darunter aber viele sehr aktive, die Platz für ihre Hobbys brauchen. Es gibt den Sportverein TTC, den Gesangverein Liederlust und die Feuerwehr mit rund 20 Mitgliedern.

Momentan nutzt die Dorfgemeinschaft verschieden Räume: das Alte Rathaus, das Gebäude der ehemaligen Gefriergemeinschaft an der Sachsenstraße und den Turnraum der Neuen Schule im Ebersbach.

Die drei Gebäude sind allerdings dringend sanierungsbedürftig, weshalb man sich nun für einen Neubau entschieden hat.

Was den Raumbedarf angeht, hat die Stadtverwaltung im Februar dieses Jahres ein Gespräch mit der Dorfgemeinschaft geführt, die daraufhin für die Architekten detailliert ausgearbeitet hat, was gebraucht wird.

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