Brandstiftung Nach dem Feuer: Wie es für Schäfer und Tiere in Hürben weitergehen soll

Giengen / Silja Kummer 03.01.2018
Weil sich die Entsorgung von verseuchtem Brandschutt länger hinzieht als gedacht, muss der Hürbener Schäfer Andreas Hopfenziz seine Tiere diesen Winter im Freien halten.

Der Schäfer kniet im Stall neben einem gebärenden Schaf. Das erste Lamm liegt schon nass und blutig im Stroh, aber sein Geschwisterchen fehlt noch. „Das liegt verkehrt“, sagt Andreas Hopfenziz, während er versucht, ihm zur Welt zu helfen.

Derweil rührt sich das neugeborene Lamm nicht. Einmal hat es das Köpfchen gehoben, aber jetzt liegt es ganz still im Stroh. Dem Beobachter legt sich eine Schwere auf die Brust und sinkt langsam Richtung Magen. Die Grenze zwischen Leben und Tod ist so dünn in diesem Stall. Da geht ein Zucken durch das kleine Tier. Und Schäfer Hopfenziz zieht das zweite Lamm aus dem Bauch seiner Mutter. Wenig später leckt das Mutterschaf seine beiden Lämmer ins Leben. Die Schwere verfliegt.

Binnen weniger Augenblicke hat alles gebrannt

Fünf Monate zuvor war die Grenze zwischen Leben und Tod auf diesem Schafhof bei Hürben schon einmal dünn. Ein Streichholz, trockenes Stroh und altes Holz – in wenigen Augenblicken stand der benachbarte Stall in Flammen, angezündet von einem psychisch kranken 24-jährigen Brandstifter, der mittlerweile verurteilt wurde.

Die Bilder sind immer noch da im Kopf von Andreas Hopfenziz: Tote Schafe, zusammengedrängt in einer Ecke des Stalls. Der Geruch von verbranntem Fleisch. Die wenigen geretteten Tiere, die kurz darauf an ihrer Rauchvergiftung verenden. 65 Schafe und Lämmer hat der 47-Jährige verloren – und die Gewissheit, dass seine Tiere nachts im Stall in Sicherheit sind.

Noch immer eine Ruine

Noch immer ist der Stall am Rand des Dorfes in Richtung Hermaringen eine Ruine, verbrannte Balken und Schutt liegen darin. Der zweite, neuere Stall, den die vielen Feuerwehrleute durch ihren schnellen Einsatz am frühen Morgen des 22. Juli retten konnten, ist voller Mutterschafe und neugeborener Lämmer. Der Großteil der rund 300 Tiere umfassenden Herde von Andreas Hopfenziz muss in diesem Jahr draußen überwintern.

Verteilt auf verschiedene Weiden werden die Tiere nachts eingepfercht. Wenn die Wiesen kein Futter mehr hergeben, wird er dort draußen zufüttern müssen. Dafür werden mobile Futterkrippen angeschafft, das Geld dafür hat die evangelische Kirchengemeinde in Hürben gesammelt. Das ganze Dorf habe gespendet, sagt Hopfenziz, dafür ist er sehr dankbar. „Die Anteilnahme hat mir geholfen“, meint der Schäfer.

Kontakt zur Täter-Familie

Neben den Geldspenden und der praktischen Hilfe einiger Hürbener Landwirte, die ihm Futterwiesen überlassen haben, war auch das Gespräch mit der Familie des Täters für Hopfenziz sehr wichtig. „Die Familie hat über den Pfarrer Kontakt aufgenommen“, erzählt er. Die ehrliche Bestürzung über die Tat des Sohnes sei für ihn eine Erleichterung gewesen, sagt der Schäfer.

Neben den Bemühungen um die Überwinterung seiner Tiere kämpft Hopfenziz auch mit deutscher Bürokratie, mit Genehmigungen, Bescheinigungen und Vorschriften. Sein Stall liegt im Landschaftsschutzgebiet, der Bau muss mit mehreren Behörden abgestimmt werden.

Größstes Problem: der Asbest

„Das größte Problem der Baustelle ist aber der Asbest“, so der Schäfer. Das asbesthaltige Dach des 1974 erbauten Stalls ist in der Hitze des Brandes zerborsten und ins Innere des Gebäudes gestürzt. Dort haben sich die Dachreste im Heu und Mist verteilt. 45 000 Euro hat allein die Entsorgung des Sondermülls gekostet.

Hopfenziz musste auf die erste Zahlung der Versicherung warten, bis er die Entsorgung endlich beauftragen konnte. „In Vorleistung gehen kann man bei solchen Summen nicht“, sagt er.

Mittlerweile ist auch die nächste Rate der Versicherung da, jetzt soll der Rest des abgebrannten Gebäudes entsorgt werden. Zuvor muss auch noch die Südseite des bestehenden Stalls repariert werden, die durch den Brand beschädigt wurde. Aber das wiederum muss warten, bis die Geburten im Stall vorbei sind.

Der laufende Betrieb geht vor, und der ist ohnehin schwierig geworden seit dem 22. Juli. „Mein erster Gedanke nach dem Brand war, dass der Stall bis zum Winter wieder aufgebaut werden soll“, erzählt Hopfenziz. Aber dass dies nicht so schnell gehen wird, habe ihm die Versicherung gleich gesagt. Jetzt hat er ein neues Ziel: Vor dem Winter 2018 will er wieder einen neuen Stall haben.

Die Situation, das gibt der sonst so pragmatische Schäfer zu, sei manchmal überfordernd. Nicht nur die viele Arbeit belastet ihn, auch emotional hat er den Brand noch nicht verarbeitet. Ein neuer Schafstall an der Stelle, an der seine Tiere im Feuer umkamen? Dieser Gedanke ist ihm noch fremd.

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