Handwerk Nach 163 Jahren: Schluss mit Schuhhaus Brender

Ende nach 163 Jahren: Renate und Hermann Brender geben ihr traditionsreiches Schuhfachgeschäft in andere Hände. Ein Mitbewerber aus Donzdorf übernimmt das Geschäft im September.
Ende nach 163 Jahren: Renate und Hermann Brender geben ihr traditionsreiches Schuhfachgeschäft in andere Hände. Ein Mitbewerber aus Donzdorf übernimmt das Geschäft im September. © Foto: Mathias Ostertag
Giengen / Mathias Ostertag 08.06.2017
Die Marktstraße ohne das traditionsreiche Schuhgeschäft Brender? Ab September tatsächlich Realität. Inhaber Hermann Brender hat aber bereits einen Nachfolger gefunden.

Tradition. Auf kaum einen Betrieb in Giengen trifft dieser Begriff mehr zu als auf das Schuhfachgeschäft Brender in der Marktstraße. 163 Jahre, vier Generationen prägte der Fachhändler den Giengener Handel entscheidend mit, nach drei Generationen Schuhmachermeistern war zuletzt mit Hermann Brender ein Diplom-Kaufmann am Ruder, der zudem über viele Jahre als Vorsitzender des Giengener Gewerbe- und Handelsvereins (GHV) auch in verantwortungsvoller Position die wichtigste Stimme des örtlichen Gewerbes war.

Brender übergibt an Staudenmayer

Nun aber tritt Brender ab, gemeinsam mit seiner Frau Renate übergibt er in den kommenden Wochen sein Fachgeschäft an seinen Nachfolger. Das Schuhhaus Staudenmayer aus Donzdorf übernimmt ein in der Branche nicht ganz unbekannter Händler nun die Geschicke in der Marktstraße, vermutlich Anfang bis Mitte September wird in der Marktstraße 54 ein neues Firmenschild prangen.

„Wir starten in diesen Tagen mit dem Abverkauf, damit wir unserem Kollegen den Laden komplett leergeräumt übergeben können“, so Brender. Seinen Nachfolger hat er übrigens über das offenbar gut funktionierende Händlernetzwerk gefunden. Nachdem Brender gegenüber Vertretern der bei ihm verkauften Marken seinen Abschied angekündigt hatte, gerieten die Dinge zügig ins Rollen. „Die haben eben auch ein Interesse daran, dass ein Standort weiterbesteht.“

Im Juli und August werde das Geschäft vermutlich längere Zeit geschlossen sein, vermutet Brender, bevor dann das Schuhhaus Staudenmayer, das seine Ursprünge in Süßen hat und mittlerweile (Giengen noch ausgenommen) sechs Filialen betreibt, dann im September übernehme.

„Es wird auch im Inneren einiges passieren: es wird ein neuer Boden verlegt ebenso wie eine neue Elektrotechnik verlegt wird. „Dann werden auch die Wände weiß, es wird alles also schon anders aussehen als bei uns“, so Brender. „Wir freuen uns, dass mit Staudenmayer ein Nachfolger übernimmt, der ebenfalls auf eine lange Familientradition zurückblicken kann“, so Brender.

Nun ist ein guter Zeitpunkt

Den Zeitpunkt, sich gerade jetzt aus dem Geschäft zu verabschieden, empfindet Hermann Brender als den absolut richtigen. „Ich bin immer der Meinung gewesen, dass man arbeitet, so lange man kann.“ Deshalb habe er auch nicht mit 65 Jahren sofort aufgehört, sondern sei noch länger am Ball geblieben.

„Der Zeitpunkt ist nun gut gewählt, unser Nachfolger wird zwar ein anderes Präsentationskonzept verfolgen, jedoch ähnliche Marken im Angebot haben.“ Spezialsortimente und gute Beratung seien der Grund gewesen, warum viele Menschen nach Giengen gekommen seien. Das wünsche er auch seinem Nachfolger.

Die Geschichte der Brenders in der Marktstraße reicht weit zurück: Georg Friedrich Brender der Ältere hatte 1854 das Haus gekauft und darin eine Schuhmacherei gegründet. Damals war es noch üblich, Schuhe nach Maß zu fertigen und diese auch fachmännisch zu reparieren. Bald wurden dann im Voraus gefertigte Schuhe auf den Märkten der Umgebung verkauft.

So war das früher

Auch Giengener Geschäftsleute zogen mit Ständen und Waren von Marktort zu Marktort. In den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts hatte Brender einen eigenen Schuhladen angegliedert – damals eine hochmoderne Sache. Das Ganze wirkte mehr wie ein Arbeitszimmer, auch weil es damals noch keine Schaufenster gab. „Schuhe und Stiefel wurden außen an Haken der Fensterläden aufgehängt. Ende des 19. Jahrhunderts gab es nach und nach fabrikgefertigte Schuhe“, erzählt Hermann Brender.

Ab 1912 wurden die Brenders Alleinverkäufer der Marke „Salamander“ – ein einst moderner Vertriebsweg der damals führenden deutschen Schuhfabrik. Ab 1950 kamen andere gute Marken dazu.

Bauliche Erweiterungen und Modernisierungen des Gebäudes in der Marktstraße, in dessen oberen Geschossen die Brenders bis heute leben, gab es ab 1949 regelmäßig. 1969 wurde die Vorderfront neu gebaut, samt einer Passage, wie es die Stadt gefordert hatte. „Die Fußgänger sollten unter den Häusern bleiben, damit die schmale Marktstraße für den Verkehr frei blieb“, erinnert sich Hermann Brender.

Längst vergangene Zeiten. Die Marktstraße ist schon seit einer gefühlten Ewigkeit verkehrsberuhigt und auch im Hause Brender wird es demnächst leiser werden. Wobei das nicht heißt, dass sich Hermann und Renate Brender ganz zurückziehen. Ihren vielen Ehrenämtern und anderen Verpflichtungen werden sich die beiden auch künftig widmen. Ganz weg geht eben auch nicht.

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