Giengen Alte Mühle soll Herberge für Pilger werden

Nicht nur diesen Raum will der Mühlenverein sanieren. Er soll Teil einer Herberge für Pilger werden.
Nicht nur diesen Raum will der Mühlenverein sanieren. Er soll Teil einer Herberge für Pilger werden. © Foto: Marc Hosinner
Giengen / Marc Hosinner 01.06.2018
Der Mühlenverein in Burgberg hat mit dem Umbau von Räumen begonnen. Es sind acht Betten und Gemeinschaftsräume geplant.

Ein Mahlraum, eine Küche aus der Jahrhundertwende, eine Ausstellung mit Künsten von der Endsockenproduktion bis hin zur Korbflechterei, ein der Gräfin Maria von Linden gewidmeter Raum, ein Vereinszimmer und eine Schau unterm Dach: All das gibt es schon in dem an der Hürbe gelegenen Gebäude, der alten Mahlmühle aus dem Jahr 1344.

Anfang 2019 soll es soweit sein, dann sollen der hintere Teil der Mühle umgebaut sein und zur Herberge werden. Die Räumlichkeiten im hinteren Teil der Mühle waren lange Zeit vermietet und bewohnt gewesen. Im vergangenen Jahr war der Mieter verstorben. Wie vertraglich zugesichert, erhielt der Mühlenverein die westlich gelegenen Räumlichkeiten dazu und kann sie zur Bewirtschaftung nutzen.

Herberge mit acht Betten

„Wir wollen den Großteil der Räume so umgestalten, dass sie von Pilgern, die auf dem Jakobsweg von Nürnberg nach Ulm unterwegs sind, genutzt werden können. Eine Erweiterung des Museums schien uns nicht angebracht, weil dadurch keine weiteren Einnahmen zu erwarten wären“, sagt Thomas Weiß, Vorsitzender des Mühlenvereins. Geplant sei, acht Betten bereit zu stellen. Zudem sind im Erdgeschoss Gemeinschaftsräume vorgesehen.

Wenn alles reibungslos vonstatten geht, soll der Umbau – der in Eigenregie vonstatten geht – Ende dieses/Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein. Die Räume sind bereits entkernt. Auch ein Gespräch mit dem Denkmalamt habe stattgefunden. Die Behörde, so Weiß, habe grünes Licht für den Umbau gegeben. Geklärt werden müssten allerdings noch Fragen des Brandschutzes. „Die Pläne liegen derzeit deswegen beim städtischen Bauamt“, so Weiß.

Zweiter Mahlgang zu sehen

Es wird also eine Menge Arbeit auf die Mitglieder des Vereins zukommen. Der war aber auch in den vergangenen Monaten nicht untätig: Über den Winter war das Museum erweitert worden. So gibt es jetzt einen zwei Tonnen schweren Walzenstuhl zu sehen. Auch ein zweiter Mahlgang und eine Getreides-Schälmaschine sind aufgebaut worden. Die Gerätschaften stammen aus Weilheim. Die dortige Mühle wurde abgerissen und zuvor „ausgeschlachtet“. Hier schritt auch der Mühlenverein Burgberg zur Tat und brachte so einige Raritäten nach Burgberg. „Der Traum wäre, den Walzenstuhl und die Schälmaschine zum Laufen zu bringen. Das prüfen wir noch“, sagt Manfred Staudenecker vom Mühlenverein, der auch sonst gut zu tun hat: Der Mühlenstadel laufe gut und werde regelmäßig für unterschiedliche Veranstaltungen gebucht.

Alte Mühle: Anfangs nur für das

Schloss und den Bauernhof

betrieben

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist die Mühle in Burgberg eine der ältesten im Brenztal. Anfangs, also im 14. Jahrhundert, wurde sie nur für das Schloss und den Mühlenhof betrieben, später wurde sie als Bauern- und Lohnmühle zugelassen. Um 1850 war sie für die Versorgung von 700 Menschen ausgelegt. Der Mahlbetrieb wurde 1953 eingestellt, das Wasserrad zerfiel allmählich.

Den weiteren Verfall stoppen: Das war das Ziel der Interessengemeinschaft historisches Burgberg, die 1999 ins Leben gerufen wurde. Die Mühle sollte zum lebendigen Kulturzentrum und zum Mosaik der touristischen Achse im Hürbetal werden. Die erste Etappe dahin war im November 2002 erreicht: Ein unter großen Anstrengungen restauriertes Rad wurde in Schwung gesetzt.

Ein noch größerer Akt war zweifellos die Sanierung der Mühle selbst: Im Mai 2007 konnte – schneller als gedacht – Einweihung des Kulturdenkmals gefeiert werden. Die Interessengemeinschaft war ein Jahr zuvor in den Mühlenverein umbenannt worden. Der steuerte Geld und Muskelkraft in die Sanierung. Fördermittel waren aus europäischen Töpfen geflossen.

Heute zählt der historische Mühlenverein 85 Mitglieder, die allein für die Bewirtschaftung und die Pflege des Areals und Museums pro Jahr mehr als 3000 ehrenamtliche Arbeitsstunden leisten. Neben der Mühle selbst gilt es auch Aufgaben im Mühlenstadel zu bewältigen. Der war im Oktober 2008 nach dem Umbau eingeweiht worden und bietet Platz für mehr als 100 Menschen.

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