Giengen Thomas Schneider aus Burgberg sägt mit bei der WM

Thomas Schneider aus Burgberg tritt mit der Deutschen Nationamannschaft bei der Waldarbeiter-WM in Norwegen an.
Thomas Schneider aus Burgberg tritt mit der Deutschen Nationamannschaft bei der Waldarbeiter-WM in Norwegen an. © Foto: Jens Eber
Giengen / Jens Eber 27.07.2018
Wenn sich Anfang August in Norwegen die Nationalmannschaften um die Wette sägen werden, ist auch der 23 Jahre alte Thomas Schneider aus Burgberg mit von der Partie.

Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat sich zwar sang- und klanglos von der Weltmeisterschaft verabschiedet, eine andere, hoffnungsvolle Mannschaft macht sich dagegen morgen auf den Weg, um am ersten Augustwochenende Weltmeister zu werden.

Das Team besteht aus vier großgewachsenen Männern, die sich als Waldarbeiter-Nationalmannschaft bei der WM in Norwegen mit so viel Krach und Kraft wie Feingefühl den Titel ersägen wollen.

Amtierender deutscher Meister

Einer von ihnen ist Thomas Schneider aus Burgberg, der nach nach der WM 2016 in Polen zum zweiten Mal als deutscher U24-Starter antreten wird. Für den 23-Jährigen, der als Forstwirt bei der Firma Biber-Team arbeitet, sind Meisterschaften nichts Neues mehr: Schneider ist unter anderem amtierender Deutscher Meister und Junioren-Vizeweltmeister im Kettenwechsel.

An einem Sonntagmorgen Ende im Juni bereitet er sich in Ochsenberg auf die nächste Trainingseinheit vor und erzählt selbstkritisch: „Es haben sich ein paar Leichtsinnsfehler eingeschlichen.“ Das will er an diesem Morgen ändern. Forstwirtschaftsmeister Wolfgang Junglas aus Gerstetten, Technischer Leiter der Nationalmannschaft, schaut ihm kurz darauf beim so genannten Kombinationsschnitt – einer von fünf Wettkampfdisziplinen – genau auf die Finger.

Kreischend frisst sich die Motorsäge in den Baumstamm, die Späne fliegen meterweit umher. Ein Schnitt von oben bis zur Hälfte, dann ein Schnitt von unten – und sie treffen sich genau in der Mitte. Der Lärm verhallt, Thomas Schneider klappt das Visier seines Schutzhelms hoch, betrachtet und vermisst die Schnittflächen. Junglas nickt anerkennend. Wäre es ein Wettkampf, wäre Schneider nur knapp haarscharf an der Höchstpunktzahl vorbeigeschrammt.

Paradedisziplin Kettenwechsel

Nächste Station: Kettenwechsel. Eigentlich eine Paradedisziplin für Schneider. Es geht darum, so schnell wie möglich eine neue Kette auf die Motorsäge zu ziehen. Im ersten Versuch braucht er 9,44 Sekunden, danach zwei Sekunden mehr.

Ihn und seine Teamkollegen fordert die Tatsache heraus, dass sie vom Teamsponsor Stihl im Mai hochmoderne neue Sägen erhalten haben, die beim Schneiden Vorteile versprechen, aber die Gehäusedeckel der Kette sind anders geformt, und jetzt müssen sich die Forstsportler erst daran gewöhnen.

Und ein paar Wochen später ist klar, dass das geklappt hat. Bei den bayerischen Waldarbeitsmeisterschaften sicherte sich Schneider am vergangenen Wochenende nicht nur den ersten Platz in der U24-Wertung, er stellte mit 8,18 Sekunden einen neuen deutschen Rekord im Kettenwechsel auf.

Das Team der Ü24-Kollegen hat sich 2017 weitgehend neu zusammengesetzt, und Schneider findet, dass die Kommunikation untereinander dieses Mal noch besser ist als vor zwei Jahren, als „alte Hasen“ die Mannschaft prägten.

Immerhin liegen große Erwartungen auf den Waldarbeitern: 2014 wurde die Mannschaft in der Schweiz Weltmeister, vor zwei Jahren sägten sie sich mit hauchdünnem Rückstand auf Platz zwei hinter Weißrussland. Dabei war es zunächst nicht selbstverständlich, dass Thomas Schneider trotz starker Leistungen in Polen wieder zur WM fahren würde. Letztes Jahr erkrankte er langwierig, beim offiziellen Kaderausscheid im Juli war er noch nicht vollständig fit. Für Teamchef Markus Wick aus Gerstetten war klar, dass Schneider ob seiner Leistungen gesetzt ist, der Profi wollte sich aber einem offiziellen Ausscheid stellen – und schaffte den Sprung ins Team.

„Medaille wäre toll“

Seine Ziele für Norwegen hat sich Thomas Schneider gesteckt: „Eine Medaille in der Einzelwertung wäre toll, und in der Gesamtwertung will ich unter die besten zehn kommen.“

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