Giengen Verärgerte Fahrgäste: Brenzbahn-Ersatzverkehr läuft nicht rund

Giengen / Patrick Vetter 07.03.2018
Gleisarbeiten bei Giengen wirbeln den Fahrplan erneut durcheinander. Der Einsatz von Ersatzbussen nach Langenau ist teilweise mäßig koordiniert.

Zischend öffnen sich die Türen des Zuges am Giengener Bahnhof. Aus Heidenheim kommend ist hier Endstation. Zwischen Giengen und Rammingen werden gebrochene Betonschwellen ausgetauscht. Die Strecke ist gesperrt.

Die Zuggäste steigen in Giengen aus, hasten durch die Unterführung und zum Bus, dem so genannten Schienenersatzverkehr. Einige sind unvorbereitet, bleiben verwirrt vor dem Zeitplan für die Busse stehen, verpassen schließlich die Abfahrt mit dem Bus nach Langenau. Das bedeutet: Warten bis zum nächsten Zug. Oft bis zu einer Stunde.

Busse warten nicht auf den Zug

Für jeden ankommenden Zug steht theoretisch ein Bus bereit. Dadurch verlängert sich die Bahnfahrt ohnehin. Wer sich beispielsweise von Heidenheim um 8 Uhr auf den Weg Richtung Ulm macht, kommt statt um 8.44 erst um 9.27 Uhr in Ulm an. Zumindest schreibt das die Bahn so ihn ihrem Ersatzfahrplan. Das Problem gestern: Die Busse warteten teils nicht, wenn die Bahn Verspätung hatte. Die Folge: Die Reisenden standen in Giengen ohne Anschluss da.

Cosima Kammel wohnt in Heidenheim und pendelt nach Ulm für ihr Studium. Am Montagmorgen kam sie in Giengen an, musste dort in den Bus umsteigen. Die geplante Verspätung wäre aber zu groß gewesen, um noch rechtzeitig zu der anstehenden Klausur zu kommen. Das Ergebnis: Die Eltern mussten fahren.

Am Dienstag auf dem Heimweg musste die 20-Jährige 45 Minuten in Giengen auf den Zug nach Heidenheim warten. „Man sitzt hier einfach fest und kann nichts machen“, beschwert sich Kammel. „Das Problem ist, dass es niemanden gibt, den man ansprechen kann“, sagt die Studentin. Ähnlich ergeht es Robert Martin. Er stand am Montagabend ohne Anschluss am Giengener Bahnhof. Ein Ansprechpartner seitens der Bahn? Fehlanzeige.

Diese Ansprechperson gibt es aber. Am Bahnhof ist von 6.45 bis 17.30 Uhr ein sogenannter Reisendenlenker dafür zuständig, dass die Fahrgäste vom Zug in den Bus kommen und umgekehrt. Er kümmert sich um Lautsprecheransagen und redet mit den Busfahrern, falls Züge verspätet ankommen.

Am Dienstag war Kevin Bruder im Dienst: „Am Montag gab es noch Schwierigkeiten. Die Busse sind teilweise pünktlich und ohne die Fahrgäste aus der Bahn abgefahren. Jetzt passiert das nicht mehr. Ich spreche mit den Busfahrern bei Verspätungen oder wenn langsame Gäste länger brauchen.“

Lange Wartezeiten für die Fahrgäste

Einige Gäste bleiben trotzdem in Giengen auf der Strecke und müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. „Das ist eine Katastrophe mit der Bahn“, sagt Ilona Fischer, die vor dem Aushang mit den Abfahrtzeiten steht. „Manchmal glaubt man, die Leute können nicht lesen“, sagt Bruder dazu.

Für jede Zugverbindung stehe ein Bus bereit. Der Ärger über die Ersatzlösung allgemein bleibe an ihm hängen.

Auch Busfahrer Dimi Francesko muss sich einiges anhören. „Die Leute schimpfen alle. Manche müssen lange warten und das sagen sie mir dann.“ Sein Unternehmen kümmert sich um die Transfers von Bahnhof zu Bahnhof. Zu den Stoßzeiten sei es laut Francesko auch so, dass nicht alle Gäste in die Busse passen „Man bräuchte manchmal größere Busse“, sagt er.

Für viele Bahnfahrer funktioniert die Verbindung mit den Ersatzbussen aber auch. Uwe Donandt ist am Montag von Ulm Richtung Heidenheim gefahren – problemlos. Am Dienstag fuhr er aber mit dem Auto direkt nach Giengen, da er die Wartezeit umgehen wollte.

Zu all dem Ärger über die Ersatzbusse kam am Dienstag eine weitere Panne: 200 Menschen saßen in Ulm fest, weil sich die Türen des Zuges nicht öffnen ließen. Die Zugfahrt im morgendlichen Berufsverkehr fiel letztendlich aus.

Bahnsprecher räumt Fehler ein und verspricht Besserung

Die Behinderung: Wegen Bauarbeiten ist die Brenzbahn zwischen zwischen Giengen und Langenau gesperrt. Bis zum 16. März gilt ein Ersatzfahrplan mit Bussen mit längerer Reisezeit.

Die Pannen: Tatsächlich mussten Reisende auf der Brenzbahn mit viel größeren Verzögerungen klar kommen. „Es gibt nichts zu beschönigen, da is einiges schief gelaufen“, räumt ein Bahnsprecher in Stuttgart ein.

Nicht geklappt hat die Taktung zwischen Bus und Bahn. „Es nutzt nichts, wenn wir einen Ersatzfahrplan erstellen, Bus oder Zug aber leer losfahren.“ Die Busfahrer seien angewiesen worden, den Handykontakt zum Fahrdienstleiter herzustellen, um auf jeden Fall auf die Züge zu warten.

Was tun bei Pannen? Bei mehr als zweistündiger Verspätung stattet die Bahn 50 Prozent des Fahrpreises zurück. Das gilt erst für einen Betrag ab 5 Euro. Wer für 9,70 Euro eine Fahrkarte von Heidenheim nach Ulm gekauft hat, geht leer aus. Dennoch ermutigt der Bahnsprecher die Reisenden, sich an den Kundendialog der Bahn zu wenden.

Für Fernreisende gilt: Wer einen Anschluss verpasst, kann mit dem nächsten Zug weiterreisen, selbst wenn dieser höherklassig ist. Das heißt: Wer mit dem IC weiterreisen würde, kann in den nächsten ICE steigen ohne Zuschlag.

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