Giengen Mehr Klarheit über den Zustand der Straßen

Aufschluss über den aktuellen Zustand des Giengener Straßennetzes soll eine neue digitale Untersuchung ergeben.
Aufschluss über den aktuellen Zustand des Giengener Straßennetzes soll eine neue digitale Untersuchung ergeben. © Foto: Markus Brandhuber
Giengen / Dieter Reichl 28.08.2018
Zwölf Jahre nach dem ersten Straßenkataster soll eine aktuelle Erfassung Aufschluss geben, wie es um die Giengener Verkehrswege bestellt ist.

Für die örtlichen Giengener Straßen steht nach einer jetzt im Sommer erfolgten Befahrung bis Jahresende eine neue Bewertung an. Damit soll das Straßenkataster auf aktuellen Stand gebracht werden, das im Jahr 2006 erstellt wurde.

Damals wurden sämtliche Straßen in Giengen und den Teilorten manuell erfasst, die Schäden aufgenommen und das gesamte Straßennetz in Zustandsklassen eingeteilt. Auf dieser Basis erfolgen seither die jährlichen Straßensanierungen. Zustandsklasse eins gilt für Straßen, die tadellos in Ordnung sind, Klasse fünf für diejenigen, die einen sehr schlechten Zustand aufweisen.

Jetzt digitale Erfassung

Jetzt nach zwölf Jahren soll dieses Kataster überarbeitet werden. Fortgeschrieben wurde es nämlich nur für die sanierten Straßenabschnitte der Zustandsklassen vier und fünf – dort liegt der Schwerpunkt der Sanierungen – eine Zustandsbewertung und Fortschreibung der anderen Straßenzustandsklassen erfolgte nicht. Laut Stadtverwaltung ist dieser Datenbestand veraltet.

Außer der Aktualisierung des Zustands des Straßennetzes steht auch die Umstellung der Kameralistik auf die so genannte Doppik im Raum, die ab dem Jahr 2020 die seitherige Haushaltsplanung ablösen wird, und für die auch eine Bewertung des städtischen Vermögens zwingend notwendig ist. Dazu gehören auch die Straßen mit ihren Bauwerken und Brücken. In diese Bewertung fließen dann Faktoren wie Alter und Baujahr der Verkehrswege ein, Abschreibungen, Herstellungskosten und der Bodenrichtwert.

Weiter fünf Zustandsklassen

Die Straßenerfassung im Jahr 2018 erfolgt nicht mehr wie damals manuell, sondern mit digitaler Aufnahme. Dazu rollte ein Vermessungsfahrzeug durch die Straßen und erfasste diese. Der Fachmann spricht von einer kinematischen Erfassung mit einer Multisensorenplattform. Ins Visier genommen wurden im Straßennetz rund 100 Kilometer Gemeindestraßen, rund vier Kilometer Ortsverbindungsstraßen, 20 Kilometer Wirtschaftswege und zwölf Kilometer klassifizierte Straßen. Dazu war ein Fahrzeug mit sechs Kameras auf dem Dach auf den Straßen unterwegs. Die Aufnahmen dauerten mit einer zweitägigen Nacharbeit lediglich eine gute Woche.

Nach dieser Zustandserfassung erfolgt auf Grundlage der erfassten Flächendaten die Bewertung der Straßen. Je nach Art und Umfang der Straßen werden sie in einzelne Abschnitte eingeteilt, die Bewertung erfolgt sehr detailliert in acht Zustandsklassen. Die Stadt selbst bleibt aber in ihrem Schema mit den fünf Klassen. Anhand der vorgenommenen Bewertung können dann durch das Tiefbauamt Prioritäten für die bauliche Unterhaltung gesetzt werden. Diese Prioritätenliste soll in die Kategorien unmittelbar, vordringlich und kurzfristig eingeteilt, mit einer Umsetzungszeit zwischen einem und fünf Jahren.

Zu Jahresbeginn hatte Helmut Schönberger seitens des städtischen Tiefbauamts im Gemeinderat dargestellt, dass immerhin rund ein Viertel der städtischen Straßen in einem schlechten (Klasse vier) und sehr schlechtem Zustand ist (Klasse fünf). In Prozent ausgedrückt gehören rund 23 Prozent der Klasse vier und 2,3 Prozent der Klasse fünf an. Städtisches Ziel ist es, bis zum Jahr 2022 diese hohen Schadensklassen auf 20 Prozent bzw. ein Prozent zu senken.

Seit 2007 Budgetierung

Um das langfristige Projekt der Straßensanierungen finanziell auf solide Beine zu stellen, wurde 2007 durch den Gemeinderat ein über zehn Jahre laufendes fixes Straßensanierungsbudget beschlossen, mit jährlich 450 000 Euro. Die Untersuchung, die vom Gemeinderat einstimmig befürwortet wurde, wurde für rund 46 000 Euro an eine Fachfirma aus Esslingen vergeben. Dies mache Sinn einerseits hinsichtlich der Doppik, sagte Stadträtin Gaby Streicher (SPD), aber es helfe natürlich auch bei der Fortschreibung des Sanierungsprogramms, weil es eine objektive Betrachtung des Straßenzustands ermöglicht.

Stadtrat Wilhelm Oszfolk (SPD) sagte, nach zwölf Jahren sei eine Neubewertung der Straßen dringend anzuraten. Und Oberbürgermeister Dieter Henle stimmte ihm zu, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für eine Neuerfassung des Straßennetzes sei.

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