Giengen / Von Nadine Rau Maria Hofmann lebt mehr für andere, als für sich selbst. Seit vielen Jahren unterstützt sie Kinder, Flüchtlinge und Obdachlose – selbst dann, wenn diese sich gar nicht helfen lassen wollen.

Maria Hofmann hat stets ein Lächeln auf den Lippen. Ganz gleich, worüber sie spricht. Dabei kann sie bei weitem nicht nur von positiven Ereignissen in ihrem Leben erzählen. „Im Ehrenamt funktionieren die meisten Dinge nicht“, weiß sie aus Erfahrung.

Appelle an Mitbürger in Not, so schildert sie es, verpuffen oft im Nichts, die ewige Rennerei zu diversen Ämtern bescheren ihr meistens nicht das gewünschte Ergebnis, und kleine Erfolge lösen sich manchmal nur Tage später wieder in Luft auf. Etwa dann, wenn sie einen hilfsbedürftigen Menschen gerade erst in einem Heim unterbringen konnte, der aber bei der nächsten Gelegenheit abhaut.

„Ich kann niemanden umkrempeln“, sieht es Hofmann aber gelassen. Ganz egal, wie dickköpfig jemand sein mag: Die 78-Jährige gibt niemanden einfach auf, möchte ihren Mitmenschen zumindest Wertschätzung entgegenbringen. Wertschätzung, das ist letztlich ihre Motivation für ihr Handeln.

Gelernte Krankenschwester

Maria Hofmann wurde 1940 in Biatorbágy in Ungarn, der Partnerstadt Herbrechtingens, geboren. Es bietet sich ihr daher oft die Möglichkeit, mit einer Delegation in ihre Geburtsstadt zu reisen. Wohnhaft aber ist die Seniorin schon seit 1956 in Giengen. Zehn Jahre zuvor war sie mit ihrer Familie als Heimatvertriebene in den Kreis Heidenheim gekommen und in Niederstotzingen zur Schule gegangen.

„In Giengen besuchte ich eine Nähschule und habe ein paar Jahre bei Steiff gearbeitet“, erklärt Hofmann. Später erlernte sie, passend zu ihren Naturell, den Beruf der Krankenschwester und war erst im Giengener Krankenhaus bei Dr. Ferdinand Reinhardt und nach der Erziehungszeit ihrer beiden Töchter als Werkschwester bei Bosch beschäftigt.

Der Weg zum Ehrenamt, so klingt es, war für Hofmann ein ganz selbstverständlicher. „Ich habe als Kind gelernt, was es bedeutet, anderen zu helfen. Die Ämter haben sich später einfach so ergeben“, beschreibt sie es. Seit mehr als 20 Jahren ergänzt ihre Arbeit bei der katholischen Kirche diese Einstellung. Die Giengenerin bereitete Kinder und Jugendliche auf die Kommunion und die Firmung vor, war zudem lange im Kirchengemeinderat und unterstützte die caritative Arbeit.

Besonders gern denkt Hofmann an den Beginn der 90er Jahre zurück, als einige Russlanddeutsche nach Deutschland gekommen waren. In einem Übergangswohnheim war sie stets Ansprechpartnerin und spielte regelmäßig mit den Kindern. Es war die Zeit, in der auch die Memminger Wanne aus dem Boden gestampft worden war. In dem dort errichteten Wernerhaus als Ort der Begegnung engagierte sich Hofmann ebenfalls.

Noch heute stattet sie vielen Bewohnern der Memminger Wanne Besuche ab. „Oder ich unterhalte mich auf der Straße mit ein paar Leuten“, so Hofmann. Ihre Familie bezeichnet sie daher auch gerne als Streetworkerin. „Manchmal sprechen mich dort Erwachsene an, die ich damals als Kinder betreut habe“, freut sich Hofmann. Das sei die positive Seite ihres Engagements. Den Pommernweg, in dem für einige Zeit eine Anschlussunterbringung für Flüchtlinge zu finden war, bezeichnet sie scherzhaft gar als ihre „Fanmeile“. Den Bewohnern dort versucht sie mit Einkäufen und Besuchen ihre Wertschätzung zu zeigen.

Im Integrationsbüro aktiv

Sich neben vielen anderen um Flüchtlinge zu kümmern, empfindet Hofmann als sehr wichtig. „Ich habe mich schon in den 90er Jahren gefragt, warum es in Giengen kein Integrationsbüro gibt“, erinnert sich die Ehrenamtliche. Bekanntlich gibt es heute eines – und Maria Hofmann wäre nicht Maria Hofmann, würde sie dort nicht helfen: Einmal pro Woche unterstützt sie dort Kinder bei den Hausaufgaben.

Bei so viel Aufwand stellt sich fast schon automatisch die Frage, wie Hofmanns Ehemann das alles findet. Doch sie hatte Glück: „Mein Mann gibt mir dafür ganz viel Freiraum“, sagt sie. Den nötigen Rückhalt also hat sie, das nötige Rückgrat auch: „Wenn ich nicht so ein dickes Fell und Humor hätte, könnte ich das nicht machen.“