Giengen / Philipp Hruschka  Uhr
Am 8. Mai 1949 wurde die Kolpingsfamilie Giengen gegründet. Seitdem hat sich einiges verändert, doch die Ideale der Gründungszeit wollen die Mitglieder auch heute leben.

Es war der namensgebende katholische Priester Adolph Kolping, in dessen Geist Pfarrer Emil Haid die Kolpingsfamilie Giengen am 8. Mai 1949 gründete. Zunächst ein reiner Männerverein, fanden bei Kolping vor allem junge Handwerkergesellen ab 18 Jahren Gemeinschaft und Orientierung. Zum 70-jährigen Bestehen will der Verein bei sieben Veranstaltungen auf verschiedene Weise diese Gemeinschaft feiern. „70 Feste zum 70. Geburtstag fanden wir etwas übertrieben, also machen wir jetzt zumindest sieben“, so der Vorsitzende Peter Jerger.

Den Auftakt bildet dabei das Jubiläumsfest am Samstag, 11. Mai, unter anderem folgen ein Begegnungsfest mit Migranten, ein Weißwurstfrühstück für Zugezogene sowie ein Fair-Trade-Abend. Kolpings Ziel war es, jeden Menschen zur Entwicklung seiner Fähigkeiten zu befähigen. So gehe es bei den Jubiläumsfesten nicht nur um Geselligkeit, wie es Rita Rumpf, ebenfalls Teil des Vorstands, ausdrückt: „Es geht um Inhalte, mit denen wir die Gemeinschaft füllen, und darum, sich für sein gesamtes Umfeld einsetzen.“

Dem Gründer Emil Haid war seinerzeit auch wichtig, mit Kolping ein generationenübergreifendes Angebot zu schaffen. Die Beziehung zur katholischen Kirchengemeinde war dabei von Anfang an sehr eng. So wurde auf den Bau eines eigenen Vereinsheims verzichtet und das gesparte Geld in den Umbau der Marienkirche gesteckt. Für das Wachstum des jungen Vereins spielten schließlich unter anderem auch die vielen katholischen Vertriebenen, die sich in Giengen angesiedelt hatten, eine Rolle.

Natürlich hat sich in den vergangenen 70 Jahren auch einiges geändert: So dürfen seit 1974 beispielsweise auch Frauen offiziell Mitglied werden. Dies habe damals jedoch viele gar nicht mehr interessiert, wie sich Peter Jerger erinnert. „Als sie dann durften, wollten viele aus Prinzip nicht mehr eintreten.“ So seien viele Frauen teils jahrzehntelang ohnehin in der Kolpingsfamilie aktiv gewesen, ohne je formell Mitglied zu sein.

So sei man teils erst Jahre später durch Zufall darauf gekommen, dass einige der besonders Aktiven gar keine Mitglieder waren. Doch dies passe wiederum ebenfalls zum Selbstverständnis der Kolpingsfamilie, wie Kati Walentin erklärt. „Man kann sich bei uns ohne Weiteres engagieren, ohne Mitglied zu sein.“ Und das gelte ganz besonders für die kommenden Jubiläumsfeste in diesem Jahr. Nichtmitglieder und Nichtkatholiken seien ausdrücklich eingeladen.

Das komplette Programm zum Jubiläum der Kolpingsfamilie Giengen findet sich auch hier: www.kolping-giengen.de

Die Mitgliederentwicklung in 70 Jahren

21 Gründungsmitglieder hatte die Kolpingsfamilie 1949, von denen zwei, Franz Seeger und Johann Kaszoni, auch heute mitfeiern. 1960 waren es knapp 60 Mitglieder, Ende der 1970er-Jahre gab es einen großen Schub, als mehrere Jugendgruppen aufgenommen wurden.

Etwa 140 Mitglieder hat die Kolpingsfamilie Giengen heute, darunter rund 80 Aktive. Zur Kolpingjugend, also alle Mitglieder unter 30, gehören heute 31 Personen. hru