Giengen Nur 84 cm hoch: Kleine Shetlandponys ganz groß

Giengen / Nadine Rau 17.09.2018
Nicole Bendele besitzt zwei bloß 84 Zentimeter große Tiere. Die Stute unter den beiden spielt derzeit Ersatzmama.

Wer von Giengen über den Oggenhauser Keller nach Heidenheim fährt, hat den kleinen Epos vielleicht schon gesehen. Mit seinen stolzen 84 Zentimetern trappelt er oft auf der großen Weide nahe der Straße herum, meist alleine. „Er wird noch kastriert, dass er mit den anderen hinaus kann“, erklärt seine Besitzerin Nicole Bendele.

Die gelernte Pferdewirtin hat viele eigene Pferde auf ihrem Hof im Brunnenfeld, beherbergt aber auch Pensionspferde. 13 Stück von klein bis groß seien es an der Zahl.

Vergangenes Jahr musste sie ihr geliebtes Shetlandpony, das über 40 Jahre gelebt hat, altersbedingt einschläfern lassen. Zur Einordnung: „Bei großen Pferden sind 30 Jahre schon viel“, erklärt Bendele. Danach war für sie klar, dass sie gerne wieder eines möchte – und hat es einem Händler in der Nähe von Ulm abgekauft.

„Den habe ich gesehen und gesagt, den möchte ich“, sagt sie über den Hengst Epos, der sechs Jahre alt und in Holland geboren ist.

Wo sind Lücken im Zaun?

Einen Unterschied zu ihrem verstorbenen Shetlandpony stellte sie sehr schnell fest: „Der wäre nie abgehauen, er war so brav“, sagt sie. 18 Jahre hatte sie das Pony, das einst auf dem Weg zum Schlachter bei ihr gelandet und geblieben war. Epos hingegen haut gerne ab. Überall sucht er Lücken im Zaun und büxt auf die nächste Weide aus. Da müsse man noch einen extra Zaun bauen, so die Besitzerin.

Die kleinen Shetlandponys kommen ursprünglich, wie der Name schon sagt, von den Shetlandinseln. Weil sie so klein sind, dienen sie höchstens für Kinder als erste Reitpferde oder können, wie Bendele sagt, ein bisschen Kutsche fahren. Während der industriellen Revolution waren sie auf dem britischen Festland im Bergbau unter Tage als Grubenponys im Einsatz.

Bendele hat ihren Epos noch für etwas anderes ihm Sinn, nämlich als Beistellpferd, wie sie es nennt. Denn Epos sei zwar selbstbewusst, strahle aber auf andere Tiere auch Ruhe aus. Ihr zweites Shetlandpony, die Stute Tiffy, die sie auch erst seit vergangenem Jahr besitzt, hat derzeit indes eine noch viel wichtigere Aufgabe: Das ein Jahr alte Pony spielt Mama für ein Fohlen, das kürzlich auf dem Hof geboren worden ist.

Fohlen ist doppelt so groß

„Es ist jetzt vier Monate alt und normal bleiben die Tiere bei ihrer Mama, bis sie ein halbes Jahr alt sind“, erzählt die Pferdewirtin. Die Mama musste aber eingeschläfert werden, weshalb jetzt die kleine Tiffy im Stall neben dem Fohlen steht. Es ist ein nett anzusehendes Duo, zumal selbst das junge Fohlen bereits doppelt so groß wie seine Ziehmutter ist. Aber Größe heißt in diesem Fall nichts: Sobald Tiffy nicht mehr im Stall ist, wird das junge Fohlen schon unruhig.

Was die beiden kleinen Ponys gemeinsam haben: Sie lassen sich kein bisschen von den Großen um sie herum beeindrucken.

Shetlandponys sind nicht besonders oft gesehen, in Giengen kennt Bendele kein weiteres mehr. Tierarzt Dr. Ulrich Moeferdt, der viel auf den Höfen in Giengen unterwegs ist, weiß noch eines, das in einem Hürbener Stall steht. „Die Tiere sind sicher selten, aber man weiß nie, wer noch welche Tiere im Stall stehen haben könnte“, so der Tierarzt.

Nicole Bendele passt gut auf ihre zwei Ponys auf. Sie werden, so erklärt sie, am besten nur mit Heu und nicht mit Kraftfutter gefüttert, weil sie zu Hufrehe neigen – eine Krankheit, bei der sich die Klauenlederhaut entzündet. Dem würde entgegenwirken, dass sich die kleinen Ponys so viel bewegen. Epos wird also weiterhin seine Runden drehen – und vielleicht noch dem ein oder anderen Autofahrer auffallen.

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