Giengen / Maximilian Haller Weil ihr Nachhauseweg von Glasscherben und Co. gepflastert ist, hat eine Familie beschlossen, den Unrat einfach selbst einzusammeln.

Der neue Müll-Detektiv, der sich künftig in Giengen um unrechtmäßig entsorgten Abfall kümmern soll, hat seinen Posten noch nicht einmal angetreten, da hat er auch schon Konkurrenz: Sofia (5), Josef (2) und Elisabeth (1) stehen als Müllsammler bereits in den Startlöchern.

Doch von Anfang an: Zusammen mit ihrer Mutter Stefanie Rehm gehen die drei Kinder regelmäßig die Strecke zwischen ihrem Zuhause und dem Rewe spazieren. Was sie dort täglich sehen, ist unschön. Glasscherben, Chipsverpackungen und sogar alte Sylvesterraketen pflastern ihren Weg. Und weil Familie Rehm den Müll auf ihrem Nachhauseweg irgendwann nicht mehr sehen konnte, entschloss sie sich kurzerhand, ihn einfach selbst einzusammeln.

„Sofia ist der Müll immer wieder aufgefallen“, berichtet Stefanie Rehm. „Da haben wir uns gedacht, jetzt müssen wir endlich was machen.“ Also hieß es Handschuhe an, Mülltüten raus und los. Sofia und Josef sind von der Aktion auch beim zweiten Mal noch begeistert: „Ich geh voraus!“ – „Nein, ich geh voraus!“ – „Wir gehen zusammen los.“ Schnell bemerkt Familie Rehm, dass auch dieses Mal alle drei Mülltüten innerhalb kürzester Zeit randvoll gefüllt sind.

Nicht mit erhobenem Zeigefinger

Dass es nicht einfach ist, gar keinen Abfall zu produzieren, weiß Stefanie Rehm: „Ich habe zwei Wickelkinder und in so einer großen Familie fällt einfach viel Müll an.“ Mit der Aktion will die dreifache Mutter einen bewussten Umgang mit der Umwelt bereits in der Kindheit anregen. „Das soll kein Vorwurf sein“, betont die Erzieherin, „sondern vielmehr ein Anstoß an die Bürger“. Kinder ahmen den Erwachsenen alles nach, daher sei es auch so wichtig, ihnen als gutes Beispiel voranzugehen. „Bei so einem wichtigen Thema müssen wir unseren Kindern ein Vorbild sein“, findet Rehm.

Dass die Stadt nun plant, einen Mülldetektiv einzusetzen, hält die 36-jährige für eine gute Idee. Auch die Schüler der Robert–Bosch-Realschule gehen laut Stefanie Rehm regelmäßig los, um Teile der Stadt von wildem Müll zu befreien. „Es ist gut, dass da auch schon in den Schulen etwas getan wird.“ Idealerweise sollen „kleine Müll-Detektive“ wie die Kinder der Familie Rehm irgendwann aber gar nicht mehr nötig sein.

„Echter“ Müll-Detektiv

Bei den Beratungen über den Haushaltsplan 2019 brachte die SPD-Fraktion im Gemeinderat den Antrag ein, die Stelle eines Müll-Detektivs zu schaffen, der sich künftig um wilden Abfall kümmern soll. Mit einer Gegenstimme wurde der Antrag beschlossen. Als Aufgabenbereich des Müll-Detektivs wurde „Müll aufspüren und auf Leute zugehen“ definiert.