Giengen Kinderfest: Premiere im Tanzkreis für OB Henle

Giengen / Kathrin Schuler 22.05.2018
Jede Menge Trubel gab es beim Kinderfest am Dienstag auf dem Schießberg. Für OB Dieter Henle war es das erste Kinderfest in Giengen überhaupt.

Ein regelmäßiger Zigarren-Raucher sei er nicht, doch auf Anhieb merkte man das dem Oberbürgermeister nicht an: Zwei, drei Mal zog Dieter Henle am Glimmstängel und pustete den Rauch aus. Gelernt ist gelernt, auch wenn es Zigarren sonst nur an ganz besonderen Anlässen bei ihm gebe. „So macht OB sein Spaß“, scherzte er.

Nur zum Spaß war er am Kinderfesttag jedoch nicht auf den Schießberg gekommen. 14 Zunderstückchen waren an einer Schnur aufgehängt: Die galt es, mit der Zigarre anzuzünden, eines nach dem anderen. Sobald der Zunder abgebrannt war, stoppte die Musik. Für die Kinder beim Preistanzen der alles entscheidende Moment: Wer in diesem Augenblick einen der 20 Stecken in der Hand hält, bekommt eines der heiß begehrten Geschenke, die sich in der Mitte stapelten.

Jubel um die Geschenke

Kaum war die Lunte abgebrannt, ließ der große Jubel deshalb auch nicht lange auf sich warten. Unter großem Geschrei stürmten die Kinder die Mitte des Tanzkreises, wo bereits blaue, rote und gelbe Taschen mit Geschenken auf sie warteten: Blau für die Jungen, rot für die Mädchen und in den gelben Taschen die Geschenke, über die sich beide freuen konnten. Wer ein Geschenk abstauben konnte, durfte bei der nächsten Runde im Tanzkreis nicht mehr mitmachen – die Geschenke sollten schließlich für so viele Kinder wie möglich reichen. „Nicht jedes Kind kann beim Preistanzen gewinnen“, erklärte Gisela Deißler vom Kulturamt der Stadt Giengen. Rund 200 Geschenke für die 285 gemeldeten Tanzpaare habe die Stadt besorgt. So sei zwar die Enttäuschung bei denen, die leer ausgingen, zwar nicht ohne, doch auch die Freude über die gewonnenen Preise umso größer.

Eine Premiere für den OB

„Ich finde es schön, dass unsere Stadt diese alte Tradition aufrechterhält“, meinte Henle, der noch einmal an der Zigarre paffte, bevor er das nächste Zunderstück ansteckte und damit eine neue Runde im Tanzkreis einläutete. Schon im Vorfeld sei es aufregend gewesen zu sehen, wie sich die ganze Stadt auf diesen Festtag vorbereite, der schließlich auch nicht umsonst als Nationalfeiertag bezeichnet werde.

Für Henle, der zwar in Giengen geboren, jedoch in Heidenheim aufgewachsen ist, war das Kinderfest eine Premiere: Er war zum ersten Mal Teil der mehr als 350 Jahre alten Tradition. „Da ist man schon ein bisschen nervös, auch wenn ich keine tragende Funktion habe – außer dienstlich Zigarre zu rauchen“, so der Oberbürgermeister. „Heute sind es die Kinder, die im Mittelpunkt stehen, und das sollte eigentlich öfter so sein.“

Nicht nur ein Fest für Kinder

Die kamen beim Kinderfest ganz auf ihre Kosten. Nicht nur beim Preistanzen gab es zahlreiche Geschenke abzustauben. Wer dabei leer ausging und mit einer Brezel zum Trost Vorlieb nehmen musste, konnte sich am Nachmittag am Kletterbaum versuchen: Jedes Kind, das oben ankam, durfte sich seinen Gewinn selbst aussuchen. Für die Kleinsten, die Kindergartenkinder, gab es eine süße Palmbrezel für die Vorführungen im Tanzkreis. Bei den Wettspielen am Nachmittag konnten sich die Kinder außerdem in unterschiedlichen Disziplinen wie Eierlaufen oder Sackhüpfen nach alter Tradition Papier und Stifte erkämpfen. Für jede Menge Spaß und Trubel sorgten zudem nicht nur die Fahrgeschäfte und Buden, sondern auch das Theaterstück „Prinzessin Piparella und die 24 Ritter“ sowie das Ponyreiten und ein Clown, der auf der Wiese seine Possen riss.

Auch das Wetter spielt

Doch nicht nur für die Kinder war das Fest ein ganz besonderer Tag: Während die Stadt fast wie ausgestorben war, zahlreiche Geschäfte und das Rathaus geschlossen hatte, feierten oben auf dem Schießberg auch die zahlreichen Jahrgänge ihr alljährliches Wiedersehen – allen voran die 40er, die am Nachmittag im Anschluss an die Polonaise der Schüler ebenfalls im Tanzkreis tanzten.

Das berühmte Giengener Kinderfestwetter kam am Pfingstdienstag zudem wie bestellt: 23 Grad und ein blauer Himmel luden zum Essen, Trinken und gemütlichem Beisammensein geradezu ein. Dass das Wetter eigentlich immer mitspiele, war auch dem neuen Rathauschef nicht unbekannt. „Aber dass es gleich bei meinem ersten Kinderfest so schön wird, ist wirklich Glück. Petrus muss ein Giengener sein.“

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