Locations Jugendliche in Giengen: Warum die Stadt (noch) zu wenig bietet

Im Haus der Jugend an der Spitalstraße gibt es für Jugendliche immer wieder Angebote. Einige wünschen sich jedoch mehr. Die Stadt soll auch für junge Leute attraktiver werden.
Im Haus der Jugend an der Spitalstraße gibt es für Jugendliche immer wieder Angebote. Einige wünschen sich jedoch mehr. Die Stadt soll auch für junge Leute attraktiver werden. © Foto: Archiv
Patrick Vetter 12.01.2018
Giengen wartet teilweise mit neuen Plänen für die Generation unter 25 Jahren auf. Einige aus der Zielgruppe zieht es aber noch eher nach Heidenheim.

Im Giengener Rathaus weht zur Zeit mit einem noch neuen Oberbürgermeister auch ein frischer Wind, und so manches tut sich in der Stadt.

Wie sieht es mit der Jugendarbeit aus? Für Jugendliche gibt es das Haus der Jugend in der Spitalstraße und den Container in der Südstadt beim Wasserturm. Das Haus der Jugend habe täglich durchschnittlich 30 Besucher und der Container noch zumindest halb so viele, so der Mitarbeiter im Amt für Bildung und Soziales und Mitverantwortlicher im Haus der Jugend, Julian Findeis.

Im Winter wurde im Jugendhaus verschiedenes aus der Reihe angeboten, wie etwa die Weihnachtsparty oder Tischkickerturniere. Speziell in der kalten Jahreszeit seien die Räumlichkeiten gut besucht, so Findeis, über Weihnachten und zwischen den Jahren waren die Jugendtreffs allerdings geschlossen.

Wenn sehr viele Jugendliche gleichzeitig im Haus an der Spitalstraße sind, gibt es für die weiblichen Besucher einen Raum als Rückzugsort nur für Mädchen, mit Sofas, einem Tisch und einer Musikanlage. „Auf Anfrage wird dieser Raum für Mädchengruppen geöffnet“, erklärt Findeis.

Außerdem erzählt er von Zukunftsplänen: „Eine Erweiterung der Öffnungszeiten soll im Frühjahr testweise erfolgen. Es geht um einen Tag, an dem das Haus der Jugend für jüngeres Publikum früher geöffnet werden soll.“

Angebote für ältere Jugendliche

Das Angebot für die Jüngeren wird laut Findeis gern angenommen und auch weiter ausgebaut. Aber wie sieht es mit den jungen Erwachsenen zwischen 17 und 24 Jahren aus?

Die zieht es eher raus aus der Stadt. So das nicht repräsentative Bild, wenn man sich mit drei älteren Jugendlichen unterhält. Einen Raum, an dem sie sich am späteren Abend treffen und auch Musik noch nach 22 Uhr abspielen können, gibt es nicht. „Ich gehe so gut wie nie in Giengen weg, da ich in Heidenheim aber auch meine Freunde habe“, sagt zum Beispiel Alois Reinelt aus Giengen.

„Für Jugendliche gibt es in Giengen so gut wie gar nichts, vor allem im Winter“, erzählt der 19-Jährige. Im Sommer besucht er noch das Bergbad und spielt auch Minigolf in Giengen. Laut Reinelt besuchen Jugendliche abends - wenn überhaupt - eine Bar in der Innenstadt, in der als Besonderheit auch Shisha geraucht werden kann.

„Shoppen kann man leider nicht“

Florian Grässle hat die gleiche Meinung zum Thema Abendgestaltung in Giengen. Er fährt in seiner Freizeit und vor allem abends nach Heidenheim und gleich nach Ulm.

„Eine richtige Bar für jüngere Leute gibt es so in Giengen nicht, das fehlt auf jeden Fall“, sagt der 18-jährige. Auch zum Shoppen zieht es ihn aus der Stadt nach Stuttgart oder Ulm. Falls das Angebot für Jugendliche aufgestockt wird, würde Grässle, wie er glaubt, aus Gewohnheit weiter in umliegende Städte fahren. Aber: „16 bis 18-Jährige würden bei richtigem Marketing ein Angebot schon nutzen“, denkt der Giengener.

Seine Schwester Lisa ist auch selten in Giengen unterwegs. Shoppen ist in Giengen für sie schwierig. „Wirklich Klamotten-Shoppen kann man ja leider gar nicht“, sagt die 24-Jährige. Sie fährt deshalb auch dafür meistens in andere Städte.

Mit den Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs wird es den Jugendlichen leicht gemacht, Giengen zu verlassen. Mit Bus und Bahn kommt man zu jeder Tageszeit nach Heidenheim, auch abends. Nachtbusse oder Züge bringen Feierlustige problemlos zurück nach Giengen.

Oberbürgermeister Dieter Henle geht das Thema aus verschiedenen Richtungen an. „Wir sind ja insgesamt dabei, die Stadt attraktiver zu machen. Daraus wird eine Sogwirkung entstehen: In einer attraktiven Innenstadt hält man sich gerne auf“, sagt Henle und wo Menschen unterwegs seien, gebe es neue Angebote, dann auch für ältere Jugendliche.

Als eine neue Attraktion soll in Hohenmemmingen ein neues Beachvolleyballfeld die Jugend anziehen. Die Planung für die Sportstätte soll im Frühjahr in den Gemeinderat gehen. „Last but not least zählt die primäre Ansiedlung entsprechender Aufenthaltsorte zum Tätigkeitsbereich unseres neuen Wirtschaftsförderers“, erklärt Henle abschließend.

Der noch zu findende Wirtschaftsförderer soll helfen die Stadt auch für Unternehmen und Arbeitnehmern schmackhaft zu machen.

Jugend zieht erst später weiter

Laut Findeis nutzen theoretisch Leute bis 24 Jahre das Haus der Jugend. Jugendliche verbringen den Abend im Jugendtreff, bevor sie dann, „wenn das Haus um 22 Uhr schließt, nach Heidenheim weiterziehen“, sagt er. Ob die Jugend in Zukunft an die Stadt gebunden werden kann, bleibt zunächst offen. Pläne zumindest gibt es.