Wandel Jugend und Kirche: Kaplanei wird zum Jugendzentrum umgebaut

Giengen / Dieter Reichl 11.03.2015
Für 180000 Euro wird die Kaplanei bei der Marienkirche umgebaut – ein jugendspirituelles Zentrum soll dort entstehen. Im Juli soll bereits die Einweihung stattfinden. Zuletzt war das Gebäude wegen mangelnden Brandschutzes nur noch eingeschränkt genutzt worden.

Der Grund für die derzeit laufenden Umbaumaßnahmen hat einen einfachen Grund: Das markante Gebäude bei der Marienkirche, von den Nutzern seit Jahr und Tag „Kapla“ genannt, war mit seinen fünf Gruppenräumen wegen des nicht mehr genügenden Brandschutzes zuletzt nur noch eingeschränkt nutzbar. Wegen fehlender Fluchtwege durften der große Gruppenraum im Obergeschoss wie auch ein Kellerraum bereits seit längerem nicht mehr für die Gruppen- und Jugendarbeit genutzt werden.

Weil das seit 35 Jahren genutzte Gebäude als Jugendhaus der Kirchengemeinde als ein unverzichtbarer Bestandteil der Kirchengemeinde angesehen wird, wird jetzt Nägel mit Köpfen gemacht, das Haus mit einer Rettungstreppe versehen und auch im Innern renoviert.

Genutzt wird die Kaplanei von mehreren Gruppierungen. Zum einen von den Ministranten, die derzeit eine Gruppe von rund 50 Jungen und Mädchen bilden; dann auch von der Kolpingfamilie mit rund 15 Personen; als größte Gruppe von den St. Georgs-Pfadfindern mit im Moment rund 60 Kindern, Jugendlichen und Leitern; darüber hinaus proben dort auch Musikgruppen.

Die baulichen Veränderungen sind auch Anlass für eine inhaltlichen Neuorientierung der Jugendarbeit in Giengen. Die Gruppenarbeit durch die verbände soll in bewährter Weise weiter möglich sein: die Pfadfinder, die Kolpingjugend wie auch die Ministranten benötigen Gruppenräume. Neu entstehen soll ein jugendspirituelles Zentrum unter dem Motto „Himmel berührt Erde“ für die Stadt Giengen, aber auch für die gesamte Seelsorgeeinheit. Ein raum soll eingerichtet werden zum feiern von Gottesdiensten, für Bibelarbeit, zur Stille oder zum Musik machen und hören. An ein Jugendcafé wird zudem gedacht, einen Raum zur Begegnung, für Gespräche und gemeinsame Aktionen. Benötigt werden dazu Menschen, die Zeit für die Jugendlichen haben, weshalb für das Projekt die Stelle von Jugendreferent Robert Werner von bislang 30 Prozent auf eine 50-Prozent-Stelle angehoben wird, und zwar für die Dauer von drei Jahren. Eine finanzielle Förderung durch die Bischof-Moser-Stiftung ermöglicht dies.

Unterdessen sind in der Kaplanei die Arbeiten auf Basis von Eigenleistungen so gut wie absolviert. Die Jugendlichen, die das Gebäude ja auch in erster Linie nutzen, beteiligten sich dabei mit fast 30 Personen an zwei Bausamstagen. Pfadfinder, Ministranten und die Kolpingjugend engagierten sich beim Baggern, beim Abziehen der alten Tapeten und mit der neuen Küche. Unterdessen können Gruppenräume bereits wieder genutzt werden.

Bis zum Sommer sollen die brandschutztechnischen Umbauten und Sanierungen erledigt sein, die Handwerker werden in Bälde anrücken. Derzeit laufen die Ausschreibungen. Insgesamt wird mit Investitionskosten von rund 180 000 Euro gerechnet. Spenden sind gern gesehen, Informationen hierzu gibt es im Pfarrbüro.

Fest steht laut Jugendreferent Robert Werner auch bereits der Einweihungstermin: am 19. Juli soll gefeiert werden. Ab September soll dann die Idee des jugendspirituellen Zentrums mit Inhalt gefüllt werden. Bereits 2013 wurde ein Konzept erstellt, wie die Kinder- und Jugendarbeit in der katholischen Kirchengemeinde aussehen soll. Ziel ist es, bei den Jugendlichen die Entwicklung der Persönlichkeit zu stärken. Das persönliche Glaubensleben sowie die persönlichen und sozialen Kompetenzen sollen sich entfalten können. Die Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden sollen Jugendarbeit aber nicht nur konsumieren, sondern selbstständig handeln. Die Gemeinde und die Kirche wollen hierbei Unterstützung bieten. Dabei blickt man über den katholischen Tellerrand hinaus - nur bei den Ministranten gibt es eine konfessionelle Bindung, alle anderen Gruppen sind überkonfessionell.

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