Giengen Rewe-Chef Jakob Nieß: Kein Hausverbot für Bühlschüler

Hausverbot für Bühlschüler oder nicht? Jakob Nieß, Betreiber des Rewe-Markts in der Giengener Südstadt, nimmt das durch die Bühlschule am Freitag kommunizierte pauschale Hausverbot für alle Schüler mit sofortiger Wirkung zurück.
Hausverbot für Bühlschüler oder nicht? Jakob Nieß, Betreiber des Rewe-Markts in der Giengener Südstadt, nimmt das durch die Bühlschule am Freitag kommunizierte pauschale Hausverbot für alle Schüler mit sofortiger Wirkung zurück. © Foto: Mathias Ostertag
Giengen / Mathias Ostertag 25.02.2018
Jakob Nieß, Inhaber des Rewe-Markts in der Südstadt, nimmt das am Freitag kommunizierte Hausverbot zurück. Ein pauschales Verbot sei zu keiner Zeit gewünscht gewesen.

Hausverbot, ja oder nein? Jakob Nieß hat darauf eine klare Antwort: „Nein!“ Ein pauschales Hausverbot für eine ganze Schule sei von seiner Seite zu keiner Zeit gewünscht gewesen.

Der selbstständige Kaufmann betreibt in der näheren Umgebung insgesamt sieben Rewe-Märkte, darunter die Märkte in der Heidenheimer Straße und jenen in der Giengener Südstadt, der seit Freitagnachmittag in der Stadt, vor allem aber in den sozialen Netzwerken für heftigen Wirbel gesorgt hat.

Ausgangspunkt war ein Schreiben der Rektorin der Bühlschule, Nicole Arndt, dessen Inhalt der HZ vorliegt und das auch bei Facebook schnell die Runde machte. Innerhalb kürzester Zeit entfachte ein wahrer „Shitstorm“ gegen Rewe, dessen Betreiber Nieß, aber auch gegen Arndt.

Denn in dem von der Schulleiterin aufgesetzten Schreiben wurden Eltern von Bühlschülern darüber in Kenntnis gesetzt, dass aufgrund „verschiedener und häufiger“ Vorfälle nun ein Hausverbot im nahen Rewe-Markt für alle Schüler ausgesprochen worden sei.

Noch am Freitagabend hatte eine Mitarbeiterin des Markts auf Nachfrage der HZ dieses pauschale Hausverbot für alle Schüler bestätigt, in einem Gespräch am Samstagvormittag dementierte der Marktleiter dies wieder: „Von einem generellen Hausverbot, den Markt zu betreten, kann keine Rede sein“, sagte er im Gespräch mit der HZ.

Zumal es auch gar nicht möglich sei, alle Schüler in Sippenhaft zu nehmen für das, was quasi ein paar wenige verursacht hätten.

Dieser Aussage stimmt auch Jakob Nieß zunächst einmal zu, schränkt aber ein: „Das Schreiben der Schule begründet sich bedauerlicherweise auf der eigenmächtigen Vorgehensweise eines Mitarbeiters und in Folge einiger Missverständnisse, die nicht in meinem Sinne waren“, so Nieß. Schon aus rechtlichen Gründen lasse sich ein pauschales Hausverbot nicht durchsetzen.

Wie Nieß und auch Arndt weiter ausführen, habe der Marktleiter in einem Telefongespräch mit der Schulleiterin angekündigt, am frühen Montagmorgen gemeinsam mit seinen Mitarbeitern persönlich dafür zu sorgen, dass keine Bühlschüler den Laden betreten.

Als Reaktion darauf verfasste die Bühlschul-Rektorin den Infobrief, in dem sie die Eltern darüber in Kenntnis setzte, dass diese alternative Verpflegungsmöglichkeiten für ihre Kinder in Erwägung ziehen müssten, da ein Zutritt zum Rewe-Markt nicht gestattet sei. „Ich habe die Eltern nicht um ihr Einverständnis gebeten, ob sie mit der von Rewe getroffenen Entscheidung einverstanden sind. Leider haben einige es aber exakt so verstanden“, so Arndt, die im Zuge des „Shitstorms“ teils auch persönlich beleidigt wurde.

Die Schulleiterin widerspricht auch dem mehrfach bei Facebook geäußerten Vorwurf, sie habe ein Rewe-Hausverbot erteilt, weil in der schuleigenen Mensa zu wenige Essen verkauft würden und man so nun dort mehr Schüler zum Essen bekäme. „Die Mensa läuft gut, ist komplett ausgelastet.“ Zumal Schüler der Sekundarstufe nicht verpflichtet seien, dort ein Essen zu kaufen. „Sie können sich auch etwas mitbringen“, so Arndt.

Erst geklaut, später eingekauft

Doch woran entzündete sich die Thematik überhaupt? Am vergangenen Freitag hatte eine Mitarbeiterin des Marktes Schüler beim Diebstahl gekühlter Kaffeegetränke beobachtet. Der Marktleiter stellte diese daraufhin zur Rede, diese räumten den Diebstahl auch ein, woraufhin er ihnen ein Hausverbot erteilte.

20 Minuten später tauchten diese wieder im Rewe-Markt auf, dieses Mal, um für den Hauswirtschaftsunterricht einzukaufen. Mit deutlichen Worten schickte der Marktleiter die beiden wieder weg und nahm Kontakt mit der Bühlschule auf, um eine Lösung für das Thema Diebstahl in dem Supermarkt zu finden. Denn diese haben in letzter Zeit offenbar überhand genommen.

Wie aus gut unterrichteten Kreisen und auch durch Nicole Arndt bestätigt wird, gibt es unter einem Teil der Bühlschüler einen regelrechten Wettbewerb darum, wer am meisten im Rewe-Markt klauen könne.

Am Freitag wurden wieder Schüler dabei erwischt – und der Marktleiter wusste sich nur noch mit einem pauschalen Hausverbot zu helfen. „Mit Sicherheit werden wir uns auch in Zukunft in Einzelfällen bei straffällig gewordenen Schülern ein Hausverbot vorbehalten“, so Jakob Nieß.

Zunächst einmal wollen der Rewe-Betreiber und die Bühlschulleiterin den Vorfall aber „detailliert aufarbeiten und gemeinsam Präventionsmaßnahmen initiieren“, um die Zahl der Diebstähle zu verringern. „Wir arbeiten gut miteinander zusammen und daran soll sich eigentlich nichts ändern“, sagt Nicole Arndt und verweist auf den Hauswirtschaftsunterricht, die Schülerfirma „TipTop“ sowie Betriebspraktika, die Bühlschüler regelmäßig bei Rewe absolvierten.

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