Forschung Ist die Charlottenhöhle länger als bisher bekannt?

Die Geophysiker der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität bei ihren geologischen Untersuchungen im Hürbener Wald über der Charlottenhöhle, beobachtet seitens des Höhlen- und Heimatvereins von (links) Susanne Prechtel und Günther Häberle.
Die Geophysiker der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität bei ihren geologischen Untersuchungen im Hürbener Wald über der Charlottenhöhle, beobachtet seitens des Höhlen- und Heimatvereins von (links) Susanne Prechtel und Günther Häberle. © Foto: Fotos: Dieter Reichl
Hürben / Dieter Reichl 15.05.2015
Die Charlottenhöhle ist in ihrem begehbaren Schaubereich 532 Meter lang. Dies der Stand von heute. Wissenschaftler von der Ludwig-Maximilians-Universität untersuchen derzeit, ob es womöglich hinter dem Einsturz beim jetzigen Höhlenende weiter geht.

Zwei Wissenschaftler der Fakultät für Geowissenschaften der Münchner Hochschule, Professor Valerian Bachtadse und Dr. Joachim Wassermann sind in diesen tagen mit insgesamt 13 Studenten der Geophysik im Hürbener Wald tätig. Die Untersuchungen laufen im Rahmen eines Geländepraktikums, das die Studenten im 6. Semester ihres Geophysik-Studiums absolvieren.

Die Aufgabenstellung dieses mehrtägigen Praktikums ist ganz und gar handfest: Ist die Höhle tatsächlich dort an der Einsturzstelle zu Ende, 532 Meter vom Höhleneingang entfernt, wo die Höhlenführer ihre Führung beenden und die Besucher umdrehen und zurück zum Eingang streben. Oder geht sie nach der Einsturzstelle womöglich weiter?

Über einen Kollegen an der Universität, der vor zwei Jahren durch privaten Kontakte in Hürben war, haben die Münchner Geowissenschaftler Kenntnis von der Charlottenhöhle, und auch von der Fragestellung, wie groß sie den wirklich ist. Dass sie sich weiter fortsetzt, darüber wird schon immer gern spekuliert. Mehr oder weniger profunde Untersuchungen, ob dies der Fall ist, haben dies allerdings bislang nicht bestätigt.

Jetzt rückt man der Frage hochwissenschaftlich mit entsprechend aufwendiger und sensibler Gerätschaft zu Leibe, im Wald oberhalb des heutigen Höhlenendes. Dieser Standort ist bekannt und – unweit der Hürbener Sportanlagen – im Wald auch mit einem Stein gekennzeichnet. Er befindet sich etwa 20 bis 24 Meter oberhalb des Höhlenendes. Im Umfeld dieses Standorts findet jetzt die Untersuchungen statt, und zwar mit zwei verschiedenen Methoden. Zum einen kommt ein geophysikalisches Standardverfahren zur Anwendung, mit der das Schwerefeld der Erde vermessen wird. Was für die Erde insgesamt gilt, lässt sich aber auch sich für den Fall der Charlottenhöhle anwenden, weil bei dieser Methode, die abhängig ist von der Beschaffenheit des Untergrunds, Hohlräume erkennbar werden. Also genau das, was man sich erwartet oder erhofft. Es kommt eine unscheinbare, aber hochsensible und sündhaft teure Gerätschaft zum Einsatz, ein so genanntes Gravimeter. Die zweite Methode ist geoelektrisch. Dabei handelt es sich um Widerstandsmessungen im Untergrund. Auf 400 Meter Länge werden Leitungen geradeaus in den Wald verlegt, wobei alle fünf Meter Elektroden wie kleine Spieße in den Untergrund gesteckt werden. Einige Meter parallel dazu werden diese Messungen dann wiederholt. Dabei wird Strom eingespeist und der Widerstand im Untergrund gemessen. Luft, so erklärt es Professor Bachtadse, hat einen hohen Widerstand, sollte ein solcher gemessen werden, lässt dies wiederum Rückschlüsse darauf zu, ob sich Unterhalb der Messanlage Hohlräume befinden, was dann wiederum den denkbaren Schluss zulässt, dass es sich bei diesem Hohlraum um eine Verlängerung der Höhle handelt. „Kann sein, muss aber nicht“, relativiert der Münchner Wissenschaftler. „Im Karst gibt es viele Hohlräume. Und so darf nicht nur der Hürbener Höhlen- und Heimatverein auf die Ergebnisse der Untersuchungen gespannt sein. Sollten Hohlräume erkennbar werden, wollen die Wissenschaftler im kommenden Jahr wieder kommen und ihre Untersuchungen fortsetzen.

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