Giengen / Marc Hosinner Ein Hotel, Wohnungen und ein Brauhaus: Auf dem Lamm-Areal steht ein fundamentaler Umbau bevor. Die Pläne sind vielversprechend. Und: Bis zu 20 Millionen sollen investiert werden.

Das könnte ein Meilenstein für Giengens Innenstadt werden: Jetzt wurde bekannt gegeben, was gerüchteweise schon seit einiger Zeit zu hören war. Eberhard Riedmüller, bekannt durch die Barfüßer Gastronomie und der Immobilienspezialist Volker Munk treten an, um ein Gelände mit etwa 2000 Quadratmetern Fläche neu zu entwickeln.

Konkret entstehen soll auf dem Areal einerseits eine Barfüßer Hausbrauerei mit 250 Sitzplätzen. Bei diesem Gastronomie-Konzept können die Gäste den Braumeistern bei der Arbeit über die Schulter schauen, dazu gibt es schwäbisch-bayerische Kulinarik. Derzeit ist die Barfüßer Hausbrauerei in Ulm, Neu-Ulm, Weißenhorn, Memmingen, Pfullendorf und Reutlingen vertreten.

Ein Hotel mit bis zu 60 Zimmern

Zudem soll ein Haus der Hotelkette Riku im Budget-Design gebaut werden. Derlei Übernachtungsmöglichkeiten finden sich bisher unter anderem, analog zu den Brauhäusern, in Ulm, Neu-Ulm, Weißenhorn, Memmingen und Pfullendorf. Geplant sei ein Haus mit 60 Zimmern und Tagungsräumen. Auch eine Tiefgarage soll realisiert werden.

Es wird seitens der Investoren davon ausgegangen, dass insgesamt bis zu 60 Arbeitsplätze geschaffen werden können.

In Ergänzung zur gastronomischen Nutzung sollen im Lamm-Quartier Stadtwohnungen (25 oder mehr) entstehen, die barrierefrei erreichbar seien.

„Ausgangspunkt für unser Engagement in Giengen war die Absicht von Lamm-Wirt Jürgen Honold, seinen Betrieb nicht mehr weiter zu führen“, so Riedmüller. Gemeinsam mit Munk habe er sich den Standort und das Volumen angeschaut. „Unser Eindruck war, dass wir uns hier einbringen wollen, wenn alle Rahmenbedingungen passen“, so Riedmüller, der betont, dass das Konzept von Brauhaus und angegliedertem Hotel an allen anderen Standorten sehr gut angenommen werde.

Spielwaren Wolff hätte man gerne im Boot gehabt

„Wir gehen davon aus, dass das auch hier der Fall sein wird und Giengen dadurch einen Frequenzbringer bekommt“, so der Ulmer Großgastronom.

„Wir verhandeln schon seit einem Jahr mit den Geschäftsinhabern. Manchmal ist es so, dass man auf Ressentiments trifft. Das war in Giengen nicht so. Wir sind zum Teil auf offene Ohren gestoßen“, so Munk, der nicht verhehlt, dass es auch Rückschläge gegeben habe. „Spielwaren Wolff hätten wir gerne im Boot gehabt, aber leider nicht überzeugen können. Somit war die angrenzende Apotheke auch hinfällig“, sagt Munk. Das Lamm sei die Initialzündung gewesen, vieles habe sich daraufhin „so ergeben“.

Ein „großer Tag“ für die Stadt

Sowohl der Immobilienexperte Munk als auch Gastronom Riedmüller zollen Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle „großen Respekt“ hinsichtlich dessen Hartnäckigkeit und dessen „Herzblut für das Vorhaben“.

Henle selbst spricht angesichts des Gangs an die Öffentlichkeit mit den Plänen von einem „großen Tag“ für die Stadt. „Seit Mai 2018 arbeiten wir konsequent daran, die Handlungsempfehlungen des Gemeinderats in Sachen Innenstadtentwicklung umzusetzen. Es freut mich außerordentlich, dass die Wahl des Barfüßer-Standortes auf Giengen gefallen ist. Damit erhalten wir in der Innenstadt einen Frequenzbringer, der derzeit vielfach gefragt ist. Ferner hat Riedmüller andernorts bewiesen, wie man unter Beachtung des Denkmalschutzes mitten im Herzen der Stadt rundum attraktive Bauprojekte verwirklichen kann“, so der Oberbürgermeister.

Im Quartier steht das Lamm-Gebäude unter Denkmalschutz. Mit Vertretern der Behörde habe schon eine Begehung stattgefunden. Falls möglich, haben die Investoren aber das Ziel, auch dieses Gebäude abzureißen und einen Neubau zu errichten.

Stolz hinsichtlich des Vorhabens zeigte sich jetzt auch Giengens Wirtschaftsförderer Sebastian Vetter: „Wir bekommen eine Ergänzung zum bestehenden Angebot, ohne jemand anderem etwas wegzunehmen.“

Vetter betonte zugleich, dass man bisherigen Mietern beziehungsweise Anbietern, die vom Abriss der Gebäude betroffen seien, zur Seite stehen wolle, wenn es darum gehe, neue Flächen zu finden.

So geht es nun weiter:

In seiner Sitzung am Donnerstag wird sich der Gemeinderat, der bei seiner Klausur 2018 in Weißenhorn den Anstoß zu Veränderungen im Lamm-Quartier gab, mit städtebaulichen Vorgaben für die weitere Entwicklung des Quartiers, das im Sanierungsgebiet liegt, beschäftigen und soll einen architektonischen Wettbewerb initiieren.

Der grobe Zeitplan für die Verwirklichung der Pläne sieht wie folgt aus: In diesem Jahr soll der Architektenwettbewerb laufen, 2020 der Abbruch starten. Der Baubeginn ist für Frühjahr/Sommer 2021 vorgesehen, die Fertigstellung für 2022.

Ein Kommentar von Marc Hosinner zum Bau eines Brauhauses, eines Hotels und Wohnungen im Zentrum.

Nicht nur auf dem Lamm-Areal, sondern auch bei der Grabenschule wollen die Ulmer Investoren Eberhard Riedmüller und Volker Munk aktiv werden.

Die Investoren Eberhard Riedmüller und Volker Munk

Eberhard Riedmüller ist ein Großgastronom aus Ulm. Seit mehr als 40 Jahren ist er in dem Bereich tätig und betreibt aktuell 18 gastronomische Konzepte und Hotels in der Region. Sein erstes Barfüßer-Brauhaus hat er 1990 in Ulm verwirklicht.

Riedmüllers Partner in Giengen, wie auch an anderen Standorten, ist Volker Munk. Munk ist ein Ulmer Immobilienunternehmer mit mehr als 20 Mitarbeitern. Munk tritt sowohl als Bauträger, Immobilienmakler als auch als Vermittlungsspezialist in Aktion. moh