Porträt Herbert Staffen und sein Traum vom Hausmeister-Dasein

Herbert Staffen vor seinem alten Arbeitsplatz, der Robert-Bosch-Realschule. Knapp 35 Jahre arbeitete er dort als Hausmeister. Wenn noch Zeit blieb, schlüpfte er für die Stadt zum Beispiel in die Rolle des Nachtwächters.
Herbert Staffen vor seinem alten Arbeitsplatz, der Robert-Bosch-Realschule. Knapp 35 Jahre arbeitete er dort als Hausmeister. Wenn noch Zeit blieb, schlüpfte er für die Stadt zum Beispiel in die Rolle des Nachtwächters. © Foto: Nadine Rau
Giengen / nadine rau 12.02.2016
Einfach mal gar nichts tun, kam für den heute 73-jährigen Herbert Staffen nie in Frage: Er war fast 35 Jahre lang Hausmeister der Robert-Bosch-Realschule und für viele Schüler Anlaufstelle Nummer eins. Für die Stadt schlüpfte er indes in die verschiedensten Rollen.

Als die Stadt 1969 einen neuen Hausmeister für die Realschule suchte, erfüllte sich für Herbert Staffen ein Traum: „Ich hab mir schon ganz jung vorgestellt, später mal Hausmeister zu sein“, erinnert er sich. Und genauso kam es schließlich auch: Er arbeitete fast 35 Jahre lang an der Robert-Bosch-Realschule und diente den Schülern nicht nur als Hausmeister, der mal eben den Tisch repariert und verlorene Vesperdosen einsammelt.

Vielmehr galt er für die Schüler auch als Kummerkasten und guter Freund und war bei jeder erdenklichen Feier, den Abschlussfahrten oder auch im Schullandheim mit dabei. Und wenn er mal nicht entbehrlich war, erledigte seine Frau, Sieglinde Staffen, das für ihn und war als Begleitperson bei den Ausfahrten dabei.

Staffen kam viel rum

Staffen ist geborener Sudete aus Hennersdorf und aufgewachsen in Franken. Nach Giengen kam er erst mit zwanzig Jahren. Er erlernte den Beruf des Gas- und Wasserinstallateurs, arbeitete danach aber für Bosch und landete dadurch in Stuttgart-Feuerbach. Dort lernte er seine Frau kennen, die aus Giengen kam und kurzzeitig in Stuttgart angestellt war. Er entschied sich dazu, mit ihr zu gehen und arbeitete hier zunächst als Auswahlprüfer bei Bosch am Band.

Allerdings nur solange, bis ihm die Ausschreibung der Stadt für einen neuen Hausmeister in die Hände fiel. Für Staffen ein Glücksfall und der Beginn einer herrlichen Zeit. „Die Schule war zu meiner Zeit so familiär, da waren alle ein Herz und eine Seele“, erzählt er. Ein ganzes Buch über ihn bekam er 2004 zu seinem Abschied geschenkt. Kein Wunder, half er den Kids sogar bei den größten Streichen, selbst wenn es darum ging, die ganze Schule mit Tüchern zu verhüllen. Noch heute rufen ehemalige Schüler von ihm an und laden ihn zu Klassentreffen ein.

Genauso facettenreich wie sein Job war auch alles, was er nebenher anpackte. Zwischen 1995 und 2010 schlüpfte er für die Stadt in die verschiedensten Rollen. Dazu zählte anfangs, als Stadtbüttel mit Spitzhelm, blauer Uniform und Schelle wichtige Botschaften unters Volk zu bringen. Dann tauschte er dieses Kostüm irgendwann gegen einen schwarzen Umhang, Schlapphut und Laterne ein.

Nachtwächter, Nikolaus oder nach Berchtesgaden

Als Nachtwächter verkleidet lief er dann in der Kulturnacht von einer Veranstaltung zur Nächsten. „Hört ihr Leute, lasst euch sagen, die Uhr hat neun geschlagen, wir können jetzt in die Volkshochschule gehen“, lautete etwa seine Ansprache. Und wenn er statt dem schwarzen den roten Mantel auspackte, dann ging es auf den Adventsmarkt, in die Realschule oder den Hürbener Kindergarten, um den Kindern als Nikolaus eine Freude zu machen.

Es gab lediglich vier Monate, in denen er fernab von Giengen arbeitete. Kurz nach seiner Verabschiedung an der Realschule flog er nämlich mit dem Helikopter auf eine Almhütte mitten im Naturpark des Berchtesgadener Lands.

Dort arbeitete er täglich mit und genoss seinen Aufenthalt in den Bergen. Denn die Berge und das Wandern sind seine große Leidenschaft. Doch selbst hier wagte er einmal den Abstieg, denn er wollte auch im Ruhestand einer neunten Klasse noch als Begleiter für eine Wanderwoche zur Verfügung stehen. Als das Schuften auf der Alm vorbei war, griff er für drei Jahre dem Team des Höhlenhauses unter die Arme. „Ich war da einfach Mädchen für alles“, scherzt er. Wegen einer Operation am Fuß gehe das aber mittlerweile nicht mehr.

Sich in seine Wohnung zu verziehen, ist aber trotzdem ausgeschlossen. Staffen ist weiterhin für seine Vereine tätig. Dazu zählen der Oldtimer-Club, die Sudetendeutsche Landsmannschaft, der Sportclub und zu guter Letzt natürlich die Wanderfreunde. „Ich will einfach immer noch unter den Leuten sein“, sagt der Ex-Hausmeister.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel