Giengen Neun Kandidaten wollten OB in Giengen werden

Viele Kandidaten wollten OB von Giengen werden, vor einem Jahr wurde Dieter Henle gewählt

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Viele Kandidaten wollten OB von Giengen werden, vor einem Jahr wurde Dieter Henle gewählt V © Foto: Foto: Markus Brandhuber
Giengen / Marc Hosinner 31.07.2018
Vor einem Jahr wurde Dieter Henle zum neuen Stadtoberhaupt gewählt. Die Wochen davor waren geprägt von einem sich immer schneller drehenden Kandidaten-Karussell. Ein Rückblick.

Ob Gerrit Elser wusste, was er da lostreten wird, als er am 22. Januar im Rahmen des Neujahrsempfangs 2017 ankündigte, nach einer Periode als Oberbürgermeister nicht mehr antreten zu wollen? Wohl kaum. Dass der Chefsessel im Rathaus so begehrt sein sollte, war im Winter des vergangenen Jahres eher nicht vorstellbar. Vielmehr war befürchtet worden, dass es an Kandidaten mangeln würde.

Es kam – wie man heute weiß – ganz anders. Als Dieter Henle am 30. Juli im zweiten Wahlgang mit großer Mehrheit zum neuen Oberbürgermeister gewählt wurde, lagen ereignisreiche Wochen hinter der Stadt.

Aber der Reihe nach: Schon vor dem Start der Bewerbungsfrist Ende April 2017 wurde natürlich spekuliert, wer alles seinen Hut in den Ring werfen würde. Es wagten sich bereits die ersten potenziellen Kandidaten aus der Deckung: Zunächst im weltweiten Netz war vom 27-jährigen Maxim Fertich zu lesen, der sich mit dem Slogan „Die Zukunft ist Fertich – Giengen 2017“ in Stellung brachte.

Etwa zur selben Zeit kündigte Stefan Briel an, Oberbürgermeister werden zu wollen. Der damals 39-Jährige wurde dann als erster offizieller Bewerber auch auf Platz eins der Kandidatenliste geführt, trat aber ohne die Unterstützung der CDU-Fraktion an, deren Mitglied er im Gemeinderat war. Kurz nach Briel hatte ein Heidenheimer seine Unterlagen in den Briefkasten des Rathauses eingeworfen: der 63-jährige Mehmet Toykan. Er hatte früher schon für den Bundestag kandidiert und sprach von einer „bewussten Entscheidung“, in Giengen anzutreten.

Kandidat vier, der nach Maxim Fertich auf der Liste geführt wurde, war der 31-jährige Felix Fetzer aus Hohweiher, der die Kochschürze gegen die Amtskette des Oberbürgermeisters tauschen wollte. Fünfter auf der Liste war Reiner Steiff. Der 60-jährige Lebensmittelhändler peilte den Wechsel vom Stand auf dem Wochenmarkt in den Chefsessel im Rathaus ebenso an wie der der zu der Zeit 53-jährige gebürtige Däne Henrik Vej-Nielsen aus München, der in Hürben aufgewachsen war. „Ich könnte aus dem Stand als Oberbürgermeister arbeiten“, so sein Statement.

Nach Platz sechs auf der Kandidatenliste war bekanntlich noch nicht Schluss. Es folgten: Der 42-jährige Dieter Henle, damals noch Sozialdezernent im Landratsamt Heidenheim, der mit seinem Programm nach den Sternen greifen wollte, und Rouven Klook, ein 32-Jähriger Verwaltungswissenschaftler mit Heidenheimer Wurzeln, der von der SPD unterstützt wurde.

Ebenfalls auf der Liste geführt wurde ein Giengener Student in Ulm: Der 25-jährige Dominik Reihle allerdings war – zumindest offiziell – in den Wochen vor der Wahl nie sichtbar.

Alle anderen Bewerber jedoch schon. Wer aus welchen Gründen auch immer Lust auf Unterhaltung hatte, musste sich über Wochen hinweg nur auf den Wochenmarkt, und vor Supermärkte stellen oder „Halb 8“ besuchen. Mindestens einer der OB-Bewerber war da und zu einem Gespräch bereit.

Langeweile kam so keine auf, auch nicht beim offiziellen Kandidaten-Casting in der propevollen Walter-Schmid-Halle, wenngleich nicht alle acht anwesenden Sprecher soviel zu sagen hatten, um die 15-minütige Redezeit auszufüllen.

Fast die Hälfte der Urnengänger entschied sich für Dieter Henle. Zur absoluten Mehrheit fehlten nicht mal 100 Stimmen – was einen zweiten Wahlgang nötig machte. Vier Bewerber traten erneut an, zu ihnen gesellte sich der Berliner Sven Stabl, der seine Kandidatur eigentlich zurück ziehen wollte, aber mit dem eigenen Rückzieher wohl zu spät kam.

Es war also ein heißer Sommer – und das nicht wegen der Temperaturen.

Im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit

knapp verpasst

Für den Urnengang am 16. Juli standen neun Kandidaten auf der Liste: Dieter Henle verpasste mit 48,7 Prozent die absolute Mehrheit knapp. Rouven Klook (19,8), Stefan Briel (12,9), Henrik Vej-Nielsen (10,5), Maxim Fertich 5,5), Felix Fetzer (0,9), Reiner Steiff (0,9), Mehmet Toykan (0,6) und Dominik Reihle (0,2) folgten auf den weiteren Plätzen.

Die Beteiligung betrug 50,6 Prozent. Zwei Wochen später sackte sie auf 43,4 Prozent. Am 30. Juli konnte Henle 59,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Es folgten Klook (34,2), Vej-Nielsen (5,3), Steiff (1,1) und Sven Stabl (0,1).

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