Pflege Heime setzen vermehrt auf Betreuungsassistenten

Wilhelm Meisloh arbeitet seit knapp neun Monaten im Paul-Gerhardt-Stift und ist damit einer von mittlerweile 19 Betreuungsassistenten in Giengen.
Wilhelm Meisloh arbeitet seit knapp neun Monaten im Paul-Gerhardt-Stift und ist damit einer von mittlerweile 19 Betreuungsassistenten in Giengen. © Foto: Carolin Wöhrle
Giengen / Carolin Wöhrle 22.09.2015
In den Pflegeheimen der Stadt werden insgesamt 19 Betreuungsassistenten beschäftigt. In den meisten Fällen sind das Quereinsteiger, die das Pflegepersonal bei der Betreuung der Bewohner unterstützen sollen. Ihrem Einsatz sind aber enge, rechtliche Grenzen gesetzt.

Für Wilhelm Meisloh war es zunächst der Ausweg aus der Arbeitslosigkeit: Nachdem sein Arbeitgeber insolvent gegangen war, verlor der heute 58-Jährige seinen Job als Drucker – nach 41 Jahren. Für jeden ein Horrorszenario. Doch Meisloh ergriff die Chance und sattelte um: Innerhalb von vier Monaten ließ er sich bei der Awo zum Betreuungsassistenten ausbilden. Seit Beginn des Jahres arbeitet er als solcher im Giengener Paul-Gerhardt-Stift. Was dahinter steckt, verrät schon der Name: Betreuungsassistenten unterstützen die regulären Pflegekräfte, die im stressigen Berufsalltag oft nicht die nötige Zeit haben, um sich intensiv um jeden einzelnen Heimbewohner zu kümmern.

Als die Stellen 2008 geschaffen wurden, waren die Assistenten nur für die Betreuung Demenzkranker vorgesehen. Mit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes I Anfang dieses Jahres haben sich ihre Aufgaben auf alle pflegebedürftigen Heimbewohner erweitert. Die Grenzen sind dabei dennoch eng gesteckt: Laut Gesetz dürfen die Betreuungsassistenten keine Aufgaben der Pflege übernehmen. Diese sind dem ausgebildeten Fachpersonal vorbehalten. Soweit die Theorie.

In Zeiten des Fachkräftemangels speziell im Bereich der Altenpflege besteht allerdings die Gefahr, dass sich nicht alle Pflegeheime daran halten – zumal die Einhaltung dieser Kompetenzgrenzen nicht kontrolliert werden. „In erster Linie wird das hausintern kontrolliert“, bestätigt Beate Brankatschk, Leiterin des Paul-Gerhardt-Stiftes. In der Praxis liegt es also im Ermessen der einzelnen Häuser, wie sie die Betreuungsassistenten tatsächlich einsetzen.

Das Pflegestärkungsgesetz brachte nicht nur eine Erweiterung der Kompetenzen der Betreuungsassistenten mit sich, sondern auch eine Erhöhung des Personalschlüssels: Die Pflegeheime konnten so neue Assistenten einstellen. Im Paul-Gerhardt-Stift hat sich ihre Anzahl sogar von vier auf acht verdoppelt. Für die Einrichtungen macht es auch in finanzieller Hinsicht Sinn, auf die Quereinsteiger zu setzen: Ihr Stellen werden vollumfänglich von der Pflegeversicherung finanziert.

Wilhelm Meisloh hat seinen Platz im Team des Paul-Gerhardt-Stiftes gefunden. Der gebürtige Giengener kümmert sich hauptsächlich um Demenzkranke: „Diese Menschen brauchen eine ganz spezielle Betreuung und mehr Unterstützung“, erzählt er. „Ich helfe ihnen beim Essen oder begleite sie zum Frisör, in die Kirche oder zur Therapie.“ Meisloh kann sich viel Zeit für jeden einzelnen Bewohner nehmen, ihnen vorlesen, sich mit ihnen unterhalten. Eine solch intensive Betreuung können die regulären Pflegekräfte kaum leisten – schon gar nicht täglich aufs Neue.

Für Heimleiterin Beate Brankatschk geht die Rechnung deshalb auf: „Im Endeffekt profitieren alle davon“, erklärt sie: Die restlichen Pflegekräfte – insgesamt 65 - haben mehr Zeit und den Demenzkranken kommt die benötigte, intensive Zusatzbetreuung durch die Betreuungsassistenten zugute.

Anita Maier, Leiterin des ASB-Wohnheims an der Planiestraße, kann diesen Eindruck nur bestätigen. Sie beschäftigt derzeit sechs Assistenten, wobei drei bereits eine Qualifikation als Krankenschwester im Altenpflegebereich vorweisen können. Momentan läuft laut Maier ein weiteres Einstellungsverfahren. „Wir würden sehr gerne noch zusätzliche Kräfte beschäftigen“, sagt Maier. „Allerdings ist es derzeit gar nicht so einfach, welche zu finden.“ Durch die Erhöhung des Personalschlüssels übersteige die Nachfrage mittlerweile das Angebot.

Auch im Johanneshaus wurde laut Heimleiterin Heike Steffens in diesem Jahr aufgestockt. Hier arbeiten mittlerweile fünf Betreuungsassistenten. „Wir haben sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt sie. „Die Assistenten sind eine Entlastung für die Pflegekräfte und eine Bereicherung für die Heimbewohner.“

Wilhelm Meisloh sieht seine Rolle ganz ähnlich. Er ist überzeugt davon, die richtige Entscheidung für sich getroffen zu haben: „Ich vermisse meinen alten Beruf in keiner Sekunde. Und wenn möglich, würde ich das hier gerne noch bis zur Rente machen.“

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