MSG Große Frage bei Politik-Slam: Wer rettet die Welt?

Moderator Julian Eberhardt (ganz rechts) stellte das Politikpodium vor, mit (von links) Matthias Gastel (Bündnis 90/Grüne), Karl-Heinz Brunner (SPD), Gökay Akbulut (Linke), Roderich Kiesewetter (CDU), Roland Süß (Attac).
Moderator Julian Eberhardt (ganz rechts) stellte das Politikpodium vor, mit (von links) Matthias Gastel (Bündnis 90/Grüne), Karl-Heinz Brunner (SPD), Gökay Akbulut (Linke), Roderich Kiesewetter (CDU), Roland Süß (Attac). © Foto: Dieter Reichl
Dieter Reichl 28.07.2015
Einen Poetry Slam gibt's schon länger. Dabei werden Gedichte unter Zeitdruck öffentlich vorgetragen. Ähnliches, also fast einen „Politik-Slam“, veranstaltete jetzt die Politik-AG des Margarete-Steiff-Gymnasiums, nicht mit Dichtern, sondern mit Politikern in einem verbalen Schlagabtausch zu G7, TTIP und der Flüchtlingsdebatte.

Poetisch ging's natürlich nicht zu am Dienstagabend in der mit Schülern, Lehrern, Stadträten und etlichen sonstigen Politik-Interessierten gut gefüllten Schranne. An wortgewandten und zugespitzt formulierten politischen Meinungsäußerungen mangelte es jedoch keinesfalls.

Die Politik AG des Gymnasiums, rund 20 Schüler, hatte diesen politischen Abend akribisch vorbereitet und zeigte sich auch tadellos informiert zu den von ihnen ausgewählten Themen, nämlich dem G7-Gipfel, dem Handelsabkommen TTIP sowie der Flüchtlingsdebatte.

Julian Eberhardt stellte das politische Podium vor, das mit Kommunal- und Bundespolitikern der im Bundestag vertretenen Parteien prominent besetzt war: Matthias Gastel (Bündnis 90/Grüne) Karl-Heinz Brunner (SPD), Gökay Akbulut (Linke), Roderich Kiesewetter (CDU) sowie Roland Süß von der globalisierungskritischen Organisation Attac stellten sich den Fragen der Schüler.

Die Regeln waren streng. Die drei Moderatorenpaare für die drei Themenbereiche scheuten sich nicht, nach der vereinbarten knappen Redezeit („Sie haben eine Minute!“), die man den Politikern zugestand, die rote Karte zu zeigen oder sie rigoros zu unterbrechen. Was einerseits für Munterkeit und einen hohen Unterhaltungswert sorgte, dann aber doch die fünf auf dem Podium zu mancher Floskel oder einer stark verkürzten Darstellung ihrer Ansichten zwang.

Die Politiker zeigten sich insgesamt der schulischen Herausforderung gut gewachsen und hatten, so schien es, doch auch sichtlichen Spaß am verbalen Schlagabtausch, der ihnen immerhin zweieinhalb Stunden volle Konzentration abverlangte. Die Meinungen und Ansichten, die sie vertraten, überraschten nicht und waren insgesamt auf Parteilinie. Dass seitens der Linken-Vertreterin Gökay Akbulut die Großkonzerne und das Kapital als Bösewichter angeprangert werden, war zu erwarten, ebenso, dass der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter anmahnt, dass das Asylrecht nicht missbraucht werden dürfe.

Langeweile kam nicht auf im Bürgerhaus Schranne, was nicht selbstverständlich war, denn dass sich Jugendliche für die derzeit brisante Flüchtlingsproblematik interessieren, erstaunt nicht, aber sicherlich besteht dieses Interesse nicht im selben Maße für das Thema G7 oder das zwar folgenreiche, aber dann doch spröde transatlantische Handelsabkommen TTIP.

Einen gewissen Charme hat es natürlich auch, wenn sich Politiker in kürzester Zeit zu einer so sympathischen wie bewusst simpel gehaltenen Frage äußern sollen, wie sie zum Abschluss des Abend gestellt wurde: „Wie würden Sie die Welt retten?“ Einige Antworten hierzu, nicht nach Parteien sortiert: Erst mal ein gerechtes und soziales Europa schaffen, zuhören auch auf kommunaler Ebene, öfters mal die Bürger befragen, eine solidarische und soziale Wirtschaftspolitik schaffen, Rassismus und Faschismus bekämpfen, mehr nachdenken und reflektieren und dann die beste Lösung finden, aufrecht eine Meinung vertreten und auch mal gegen den Wind spucken.

An Ideen mangelt es also in der Politik nicht. Hoffentlich auch nicht bei der Politik-AG des Gymnasiums, nach der kommunalpolitischen Runde im vergangenen Jahr und jetzt dem weltpolitischen Podium auch in Zukunft Themen zu finden, um Politik gleichermaßen informativ wie unterhaltsam öffentlich zu präsentieren.