Giengen / Marc Hosinner Nachdem zwei Ulmer Investoren das Gebäude von der Stadt erworben haben, muss die Verwaltung Lösungen für die bisherigen Nutzer wie Bibliothek und Archiv finden.

Oberbürgermeister Dieter Henle hat Wort gehalten: Nachfragen zur Zukunft der Grabenschule blockte das Stadtoberhaupt in den vergangenen Monaten ab mit dem Verweis, er könne erst im Frühjahr Genaueres sagen. Das hat er jetzt auch getan: Mit der Bekanntgabe, dass die Stadt das Gebäude an die beiden Ulmer Investoren Eberhard Riedmüller und Volker Munk verkauft hat, die auch im Lamm-Areal groß in Giengen einsteigen.

Man könne die Kooperation der Stadtspitze mit dem Investoren-Duo als „Schulbeispiel im besten Sinne“ bezeichnen, so der OB bei der Bekanntgabe der Veräußerung.

Munk und Riedmüller wollen das denkmalgeschützte Gebäude sanieren. Wie genau, ist sei noch nicht klar. „Der Denkmalschutz gibt hier viel vor. Wichtig wird sein, Barrierefreiheit herzustellen. Wir sehen die Möglichkeit, die Etagen über einen Aufzug an der Ostseite zu erschließen“, so Munk. Sicher sei, dass es keine Nutzung durch den Umbau zu Wohnungen geben werde.

Schule soll wieder zum Schmuckstück werden

Als „sehr gute Nachricht für unsere Stadt“ kommentierte OB Henle die Kauf-Entscheidung. Seit vielen Jahren sei immer wieder über die Grabenschule debattiert worden. Ein Verkauf habe aufgrund der denkmalrechtlichen Bedingungen bisher nie realisiert werden können, auch zu einem Abbruch habe man sich nicht entscheiden können. „Und wir als Stadt selbst wären finanziell nicht in der Lage gewesen, die Sanierung parallel zu den anderen Investitionen im Sinne einer schöneren Innenstadt zu stemmen“, so der Rathaus-Chef

Nun stünden die Chancen gut, dass die am Kirchplatz gelegene Grabenschule wieder ein Schmuckstück werde. Auch der Gemeinderat habe sich in seiner Klausurtagung im September vergangenen Jahres für den Verkauf ausgesprochen.

Durch den Verkauf entstehe jetzt ein „positiver Zeitdruck“ bezüglich der Verlegung von Bibliothek und Archiv. Letztlich soll die Bibliothek einmal im geplanten Haus der Bildung und Begegnung an der Marktstraße untergebracht werden. „Hier brauchen wir aber sicher noch einige Jahre“, so Henle.

Im Sinne einer zentrumsnahen Interimslösung befinde sich die Verwaltung in guten Verhandlungen mit Eignern entsprechender Gebäude – auch hinsichtlich des Archivs. Ziel sei es, auch in der Übergangsphase bis zur Fertigstellung des Hauses der Bildung und Begegnung eine Bibliothek in direkter Lauflage zur Innenstadt zu ermöglichen. Ergänzend stehe bereits der Kontakt mit der TSG, deren Geschäftsstelle sich in der Grabenschule befindet. Die Stadt möchte den Verein bei der Suche nach einem neuen Quartier aktiv unterstützen.

Ein Hotel, Wohnungen und ein Brauhaus: Auf dem Lamm-Areal steht ein fundamentaler Umbau bevor. Die Pläne sind vielversprechend. Und: Bis zu 20 Millionen sollen investiert werden.

Neues Schulhaus 1865 gebaut und eröffnet

Bei der Grabenschule handelt es sich zwar um ein altes, aber keineswegs uraltes Gebäude der Stadt: Das Neue Schulhaus, wie es damals hieß, wurde 1865 gebaut und eröffnet.

Errichtet wurde die Grabenschule direkt dort, wo einst die äußere Stadtmauer verlief. Auf einem Plan von 1830 sieht man noch die doppelte Mauer, die in den Jahren danach abschnittsweise abgetragen und in den sechs Meter tiefen und zwölf Meter breiten Stadtgraben gekippt wurde. Lediglich ein kleinerer Teil der inneren Stadtmauer steht bis heute.

In der Volksschule selbst gab es vier Klassenräume im Erdgeschoss, im ersten und zweiten Stock waren Wohnungen für Lehrer eingerichtet. Nicht nur die Volksschule, sondern zeitweise auch eine Sonderschule und eine Frauenarbeitsschule waren im Gebäude untergebracht. 1943 wurde der nordwestliche Raum von der NS-Volkswohlfahrt als Kindergarten eingerichtet. 1980 schloss die Schule und die städtische Bücherei zog ein. Mitte der 1980er-Jahre wurden Archivunterlagen eingelagert. Als 1993 mit der letzten städtischen Putzfrau auch die letzte Bewohnerin auszog, standen die oberen Räume leer. Bis 2002 hatte die Volkshochschule dort ihr Domizil, die Geschäftsstelle der TSG Giengen ist bis heute dort zu finden.