Mathias Ostertag  Uhr
Seit das Giengener DRK seine Rettungswache mit einem Notarztteam ausgestattet hat, sind die Retter nur noch in den Stadtkreisen Stuttgart und Karlsruhe schneller vor Ort. Das Gebäude ist jedoch in die Jahre gekommen, ein neues muss her.

„Im Moment leben wir in einem Provisorium“, sagt Albert Tränkle. „Wir sind in Giengen im Moment noch nicht dafür eingerichtet, ein eigenständiger Rettungsstandort zu sein.“ Das hat seine Gründe: Die alte Wache ist in die Jahre gekommen, Umkleidekabinen und sanitäre Bereiche sind rund 30 Jahre alt: „Früher hieß es: Rettung, das sind Männer. Dementsprechend waren die Räume eingerichtet.“ Das habe sich heute geändert, der Anteil der Frauen im Rettungswesen sei mancherorts sogar höher, so Tränkle, der vor kürzlich Tagen in seinem Amt als Präsident des DRK-Kreisverbandes bestätigt wurde.

Beim Personal wurde die kleine Rettungswache bereits zu einem eigenen Rettungsstandort aufgestockt – und ist vor allem für den Bereich des unteren Brenztals und als Ergänzung zum Heidenheimer Standort zuständig: Bei der Infrakstruktur muss deshalb nun dringend nachgezogen werden: „Wir brauchen am Standort neben Räumen für den Notarzt auch Rettungswägen, eine Desinfektionsmöglichkeit, Lager- und sonstige Aufenthaltsräume.“

Für den Umbau standen zwei Möglichkeiten im Raum, am Ende entschied sich der Vorstand des Kreisverbandes für die Lösung eines Anbaus: „Die Alternative wäre gewesen, das bestehende Gebäude umzubauen, was etwa 100 000 Euro billiger gewesen wäre.“ Was aber wiederum erhebliche Nachteile mit sich gebracht hätte, wie Tränkle weiter erklärt: Vieles hätte sich auf unterschiedlichen Ebenen abgespielt, viel Zeit wäre im Haus verloren gegangen.

So wird nun mit einem größeren Anbau geplant – inklusive sechs Garagenplätzen – bei einem kalkulierten Kostenpunkt von rund einer Million Euro. Das Land Baden-Württemberg hat einen Förderzuschuss von 320 000 Euro bewilligt, die höchste Förderungssumme im Bereich Rettung für das Jahr 2012. Damit fehlen aber immer noch mehr als 600 000 Euro, die bisher nur durch Eigenfinanzierung gedeckt werden. Tränkle: „Im Moment haben wir es eben so organisiert, dass wir auf jeden Fall bauen werden und die fehlende Summe durch Kredite finanzieren.“ Ein Geldgeber wie der Landkreis aber, der zumindest einen Teil der Gesamtkosten – also rund 200 000 Euro – übernähme, wäre eine wertvolle Stütze. „Dann hätten wir diese Geschichte mit Sicherheit gestemmt.“

Die Stadt Giengen stellt das angrenzende Grundstück zur Verfügung. Im Moment befindet sich dort noch eine unbewirtschaftete Wiese und ein kleiner Wanderweg der zur Brenz hinführt. Parallel zum Umbau der DRK-Wache soll die Straße entlang des Gebäudes verlängert werden. Am Straßenrand entstehen dann Mitarbeiter- und Besucherparkplätze.

Dass ein Ausbau notwendig sei, daran gebe es keinerlei Zweifel. „Die Menschenrettung ist ja auch eine öffentliche Aufgabe. Es ist wichtig, dass wir in einem Flächenkreis wie dem unsrigen, die Hilfe zusammenkriegen.“ Dazu trage seit einem Jahr auch die Hochstufung Giengens als zweite größere Rettungswache im Landkreis bei. „Giengen ist der ideale Standort. Wir haben deshalb seit dem vergangenen Jahr personaltechnisch ausgebaut. Jetzt müssen wir das auch bei den Räumlichkeiten machen.“ Denn wer A sage, müsse auch B sagen, so Tränkle. „Und um B geht es jetzt. Und das kostet eben eine Million.“ Noch in diesem Jahr soll mit den Bauarbeiten begonnen werden, Mitte 2013 soll der Neubau bezugsfertig sein, so Tränkle.