Giengen Ansturm auf das Giengener Storchennest

Storcheneltern brüten ihren Nachwuchs abwechselnd aus: Während einer der beiden das Nest bewacht, kann der andere ausfliegen, um Futter zu suchen.
Storcheneltern brüten ihren Nachwuchs abwechselnd aus: Während einer der beiden das Nest bewacht, kann der andere ausfliegen, um Futter zu suchen. © Foto: Christian Thumm
Giengen / Kathrin Schuler 13.04.2018
Auch in diesem Jahr brütet im Nest auf dem Rathausdach ein Storchenpaar, außer ihm wurden noch etliche weitere Tiere gesichtet. Wo kommen sie her und bleiben sie in Giengen?

Seit ein paar Wochen klappern in Giengen nun wieder die Störche. 2017 sorgte das Storchenpaar Lina und Hans im Nest auf dem Rathausdach bereits für Nachwuchs: Zwei Storchenkinder zogen die beiden im vergangenen Frühjahr dort groß. In diesem Jahr gab es jetzt sogar Zank um den Nistplatz: Mehr als ein Pärchen wollte sich in dem 2015 installierten Nest niederlassen.

Zwei unberingte Störche

Doch ein Storchenpaar konnte sich gegenüber der Konkurrenz schließlich durchsetzen: „Vor wenigen Tagen haben die beiden angefangen zu brüten“, sagt Storchenexpertin Ute Reinhard von der Vogelwarte Radolfzell. Sie behält die Störche in Baden-Württemberg im Auge und hat erst diese Woche auch einen Blick auf das Nest in Giengen geworfen.

Handelt es sich bei dem Pärchen um die Storcheneltern vom vergangenen Jahr, also um ein Wiedersehen mit Hans und Lina? „Leider nicht“ – ist sich Claudius-Michael Klatt vom Tiefbauamt der Stadt sicher. Denn: Die Störche auf dem Rathausdach seien beide nicht beringt. „Unser Hans trug aber einen schwarzen Ring am rechten Bein“, erklärt Klatt, der säuberlich Buch führt über die Giengener Störche. Hans und Lina wird das Storchenpaar in diesem Jahr trotzdem heißen – seit der Benennung 2016 tragen die Giengener Störche stets dieselben Namen.

Klatt ist sich dennoch sicher, den letztjährigen Storchenvater in der Stadt gesehen zu haben. Dieser habe in diesem Jahr jedoch den Nistplatz betreffend den Kürzeren gezogen: Da er ohne Partnerin eingetroffen sei, habe das jetzige Pärchen ihn verjagt. Störche kehren zwar häufig zu ihrem Nistplatz aus dem vergangenen Jahr zurück, ist das Nest jedoch bereits besetzt, ziehen die Vögel einfach weiter.

Fünf Störche in der Stadt

Doch wer in letzter Zeit den Himmel im Blick hatte, dürfte bemerkt haben, dass zeitweise bis zu fünf der schwarz-weiß gefiederten Vögel über der Stadt ihre Kreise ziehen und sich auf dem Rathausdach tummeln. Ob sich also mehr als ein Pärchen auf Giengener Gemarkung niedergelassen hat?

Klatt bezweifelt das. „Wahrscheinlich kommen die von Sontheim herüber geflogen“, meint er. Dort gebe es mehr Nistplätze für die Störche.

In Giengen ein zweites Nest zu errichten, steht jedoch vorerst nicht zur Debatte. „Dafür ist das Nahrungsangebot für die Störche in Giengen zu knapp“, erklärt Reinhard. Würde sich trotzdem ein zweites Paar hier ansiedeln, käme es höchstwahrscheinlich zu Konkurrenzkämpfen ums Futter.

Das finden die Störche hauptsächlich in Feuchtgebieten wie dem Ried oder in den Seewiesen. Dabei stehen neben Fröschen vor allem Regenwürmern und Insekten, aber auch Mäuse und andere kleine Tiere auf dem Speiseplan. „Wäre das Nahrungsangebot hier groß genug für ein zweites Storchenpaar, würden sie sich einfach selbst ein Nest bauen“, sagt Reinhard. An möglichen Nistplätzen mangele es den Vögeln nicht.

Bis die Küken auf dem Rathausdach schlüpfen, dauert es laut Reinhard noch ein paar Wochen: Etwa 32 Tage beträgt die Brutzeit. Um den 10. Mai herum könne man mit dem Storchennachwuchs rechnen.

Bis dahin brüten die Eltern die Eier abwechselnd aus: Während einer der Partner das Nest bewacht, zieht der andere los und geht auf Futtersuche.

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