Tier Giengen will Storch aufs Rathaus locken

Silja Kummer 15.03.2015
Der Storch ist schon da, jetzt muss er nur noch am richtigen Platz landen: Weil der als Glücksbringer bezeichnete Vogel an der falschen Stelle versucht, ein Nest zu bauen, stellt ihm die Stadt Giengen jetzt einen prominenten Nistplatz zur Verfügung: auf dem Rathausdach.

Ein nistendes Storchenpaar mitten in der Stadt der Vogelmutter Lina Hähnle, das wäre eine feine Sache. „Das würde dem Naturschutz dienen und gleichzeitig eine Attraktion darstellen“, schwärmt Claudius-Michael Klatt vom Tiefbauamt der Stadt. Er ist in den letzten Wochen zum Storchenvater geworden, indem er den Nestbau für Adebar vorangetrieben hat. Seit zweieinhalb Wochen, so berichtet der städtische Mitarbeiter, werde ein Storch im Bereich der Giengener Innenstadt gesehen, und er hat auch schon selbst damit begonnen, ein Nest zu bauen – allerdings auf dem Kamin eines Gebäudes an der Marktstraße. Weil er dort den Abzug der Heizungsluft verhindern würde, bestand Handlungsbedarf.

Nest ist aus Eichenholz und hat 1,5 Meter Durchmesser

Klatt hat sich schlau gemacht, im Internet und im Gespräch mit anderen Gemeinden, bei denen der Storch schon siedelt. Von der Giengener Zimmerei Schlumpberger ließ er ein Storchennest mit etwa 1,5 Meter Durchmesser aus Eichenholz und eine passende Bodenplatte aus wetterfestem Tropenholz anfertigen. Das Nest hat eine Umrandung aus Weidengeflecht und kann vom Storch mit Ästen und Zweigen ausgekleidet werden. Um dem Vogel einen Hinweis zu geben, dass der Nistplatz für ihn geeigenet ist, stiftete die Stadtgärtnerei einen kleinen Storch aus Plüsch, der jetzt hoch über den Dächern der Innenstadt auf seinen echten großen Bruder wartet.

Am Samstagvormittag wurde das Storchennest auf dem nördlichen Giebel des Rathauses in 27 Meter Höhe angebracht, was am Ende einige Stunden länger dauerte als ursprünglich geplant. Aber die Konstruktion muss sicher sein: „Der Storch baut jedes Jahr weiter an seinem Nest, da kann über die Jahre eine tonnenschwere Last zusammenkommen“, weiß Klatt. Zimmermeister Klaus Schlumpberger leitete die Bauarbeiten, bei denen zwei seiner Mitarbeiter mit einem Kran aufs Dach gebracht wurden und dort zunächst Halterungen anbrachten, wie sie für Solaranlagen verwendet werden. Daran wurde die Unterkonstruktion des Storchennestes befestigt. Schlumpberger stellte der Stadt den Maschineneinsatz und seine eigene Arbeitszeit kostenlos zur Verfügung. Hilfestellung leistete auch die Freiwillige Feuerwehr mit ihrer erst vor wenigen Monaten in Betrieb genommenen Drehleiter.

Höher als auf dem Rathaus geht es kaum

Klatt hofft nun, dass der Storch sein neues Zuhause findet und in Besitz nimmt. „Normalerweise bevorzugen Störche höherliegende Nester“, weiß er. Höher als auf dem Rathaus geht es in der Innenstadt kaum – bis auf die Türme der Stadtkirche. Dort aber leben im Glockenturm bereits die Wanderfalken.

Zuletzt soll es ein Storchennest auf der Filzfabrik am Ende der Marktstraße gegeben haben, in den letzten Jahrzenten war Giengen aber storchenfreie Zone. Das könnte sich jetzt ändern.