Rathaus Giengen sucht den Kümmerer

Wer wird der neue Kümmerer der Stadt? Die Stelle für den Wirtschaftsförderer ist ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist läuft bis 19. Januar. Zum Aufgabengebiet gehört unter anderem die Pflege und Weiterentwicklung vorhandener Betriebe.
Wer wird der neue Kümmerer der Stadt? Die Stelle für den Wirtschaftsförderer ist ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist läuft bis 19. Januar. Zum Aufgabengebiet gehört unter anderem die Pflege und Weiterentwicklung vorhandener Betriebe. © Foto: Marc Hosinner/Archiv
Giengen / Marc Hosinner 04.01.2018
Die Stadt hat jetzt die Stelle für den persönlichen Referenten des Oberbürgermeisters ausgeschrieben. Der neue Mitarbeiter soll zugleich Ansprechpartner und Entwickler sein.

Wer ein abgeschlossenes Hochschulstudium im Bereich Wirtschaft – vorzugsweise mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsförderung – vorzuweisen hat, kann sich nun bei der Stadt Giengen bewerben: Die sucht, in einer Stelle vereint, einen Wirtschaftsförderer beziehungsweise persönlichen Referenten für Oberbürgermeister Henle.

Schon im Wahlkampf hatte Henle betont, dass die Wirtschaftsförderung in seinen Vorstellungen, wie die Stadt voran gebracht werden kann, einen hohen Stellenwert einnimmt. An dieser Meinung hat sich nichts geändert. Im Gegenteil: Mit der Stellenausschreibung wird das Vorhaben ganz konkret.

Klar ist: Es wird ein Fachmann fürs Rathaus gesucht, der von außen kommt. „Im Grunde bin ich schon dafür, Stellen durch interne Lösungen zu besetzen. Aber in diesem Fall möchte ich Bernd Kocian nicht als Leiter des Hauptamtes verlieren“, so Henle. Kocian deckte zuletzt den Bereich Wirtschaftsförderung ab – und konnte dabei maximal 25 Prozent seiner Arbeitszeit dafür aufwenden. „Zu wenig für das breite Aufgabenspektrum“, sagt Kocian rückblickend.

Die Stelle, die neu geschaffen wird, ist eine Vollzeitstelle, die zu einem gewissen Teil – Summen werden nicht genannt – von Firmen getragen werden soll. Offenbar ist auch dort erkannt worden, dass ein Wirtschaftsförderer nötig ist.

Zusätzliche Wohngebiete

„Effektive Wirtschaftsförderung stimuliert alle Faktoren, die in Giengen Identität stiften. Für einen lebendigen Wirtschafts- und Wohnstandort benötigen wir zusätzliche attraktive Arbeitsplätze und Wohngebiete“, so die Vorstellung des Stadtoberhauptes, das eine entsprechende Infrastruktur – auch in den Teilorten – fordert. „Außerdem kümmern wir uns auch um sogenannte weiche Standortfaktoren wie etwa Kinderbetreuungsplätze, Schulen, das kulturelle Angebot, das gesellschaftliche Leben und nicht zuletzt das schlichte Wohlfühlen“, sagt Henle mit Blick auf das Aufgabenspektrum der Wirtschaftsförderung.

Als klassisches Feld in diesem Bereich verortet der Rathauschef die Neuansiedlungspolitik, die es zu bestellen gelte – durch weitere attraktive Gewerbeflächen und spezifische Anreize etwa für Start-ups, sowie die Pflege und Weiterentwicklung der vorhandenen Betriebe durch einen verantwortlichen Ansprechpartner, der sich um die Anliegen der Unternehmen kümmert.

Sein Wissen und Können einbringen soll der Wirtschaftsförderer in einzelnen Bereichen, die für die Zukunft der Stadt und der Teilorte besonders wichtig sind. „Dazu zählt unter anderem die Verbesserung der medizinischen und pflegerischen Versorgung und deren Sicherung“, sagt Henle.

Rat mit Forderungen

Von der Notwendigkeit, eine neue Stelle im Rathaus in direkter Nähe zum Oberbürgermeister zu schaffen, zeigen sich auch die Fraktionen im Gemeinderat überzeugt. Wenngleich sie damit konkrete Forderungen verbinden. Rudolf Boemer (CDU) meinte kürzlich dazu: „Die Ausweisung einer Planstelle können wir mittragen, da dieser Bereich den gestellten Aufgaben entsprechend nicht gerecht wurde. Der Wirtschaftsförderer sollte jedoch unabhängig agieren können und hauptsächlich städtische Interessen vertreten. Eine wie immer geartete Einflussnahme Dritter sehen wir sehr skeptisch und sollte kritisch begleitet werden.“

Die Fraktionsvorsitzende der SPD, Gaby Streicher, bemerkte in ihrer Stellungnahme zum Haushalt in Bezug auf die Stelle des Wirtschaftsförderers: „Die Aufgaben, die auf ihn zukommen, sind nicht gerade klein. Was die Neuansiedlung angeht, geht es nicht nur um den Industriepark an der Autobahn und dessen zu begrüßende Erweiterung. Wir setzen auch große Hoffnungen in das Gebiet Sundgaustraße. Im Zusammenhang mit der Stadtrandstraße erwarten wir auch ein Konzept, wie die Vermarktung des Rieds und dessen weitere Erschließung zeitlich und räumlich einzutakten ist.“

Rubens Link (Unabhängige/Grüne) sieht die Schaffung der Stelle eines Wirtschaftsförderers positiv: „Wir müssen alles daran setzen, die Voraussetzungen zu schaffen, dass neue Arbeitsplätze in Giengen angesiedelt werden. Mit diesem Hintergrund wäre auch der vom OB gewünschte Kümmerer als persönlicher Referent zu sehen“, so der Fraktionsvorsitzende, der anmerkt: „Muss es allerdings eine Beamtenstelle sein, oder gibt es hier auch eine andere Anstellungsmöglichkeit? Ob und wie hier eine Unterstützung von Dritten möglich ist, wollen wir im Gremium besprechen.“

Die Erwartungen an den oder die, auf den/die die Wahl fällt, sind nicht klein. Zunächst bleibt abzuwarten, wieviele Bewerbungen bei der Stadt eingehen. Noch bis Freitag, 19. Januar können Menschen, die ihr Know-how und Engagement in die Tätigkeit einbringen möchten, ihre Unterlagen im Rathaus einreichen oder dorthin senden.

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