Fair Trade Giengen erfüllt seit Freitag die Kriterien

Die Steuerungsgruppe ist schon fast am Ziel: (v.l.) Elisabeth Steffel, Stefan Heger, Ulrich Carle, Helga Eberhardt, Irmingard Satzger, Tabea Müller-Heger, Klaus Schlumpberger, OB Gerrit Elser und Fair-Trade-Botschafter Hendrik Meisel. Auf dem Bild fehlen Thomas Nock, Bernd Kocian und Franz Nerad.
Die Steuerungsgruppe ist schon fast am Ziel: (v.l.) Elisabeth Steffel, Stefan Heger, Ulrich Carle, Helga Eberhardt, Irmingard Satzger, Tabea Müller-Heger, Klaus Schlumpberger, OB Gerrit Elser und Fair-Trade-Botschafter Hendrik Meisel. Auf dem Bild fehlen Thomas Nock, Bernd Kocian und Franz Nerad. © Foto: Foto: je
Jens Eber 18.11.2012
Womöglich schon im Frühjahr 2013 wird Giengen den Titel„Fair-Trade-Stadt“ tragen können. Die wichtigsten Kriterien für diese Auszeichnung sind erfüllt– und das Interesse ist anhaltend hoch, wie der Info-Abend am vergangenen Freitag bewies.

Die Mitglieder der Steuerungsgruppe hatten im Saal des Heilig-Geist-Zentrums offensichtlich zaghaft bestuhlt, rasch mussten am frühen Freitagabend noch Sitzgelegenheiten herbeigeschafft werden, denn immerhin rund 70 Giengener wollten sich über das Vorhaben Fair-Trade-Stadt informieren.

Er sei begeistert gewesen, als die Giengener Pfadfinder vor einigen Monaten die Idee der Fair-Trade-Stadt in sein Büro trugen, bekannte Oberbürgermeister Gerrit Elser in seiner Begrüßung. Die Menschen in Deutschland lebten in Reichtum und Wohlstand, die Arbeits- und Lebensbedingungen in armen Ländern gerieten dagegen nicht oft genug in den Blickpunkt. Elser zeigte sich überzeugt, dass es über die Initiative Fair-Trade-Stadt gelingen könne, Sensibilität dafür zu schaffen, wie die Welt in kleinen Schritten gerechter werden könne.„Für uns sind das kleine Zeichen, die mit großer Wirkung in armen Ländern ankommen können“, so der OB. Sozialer Friede erfahreüber Fair Trade eine Chance.

Mit Hendrik Meisel hatten die Initiatoren einen„Fair-Trade-Botschafter“ eingeladen, der die Hintergründe und Anforderungen an eine Fair-Trade-Stadt kompakt zusammenfasste. Die Vision von Fair-Trade sei, allen Produzenten in den Ländern des Südens ein sicheres, gutes Leben zu ermöglichen. Der Weg dahin führt über stabile, existenzsichernde Mindestpreise, die den Erzeugern garantiert werden. Gezahlt werden zudem so genannte Fair-Trade-Prämien, die vor Ort in soziale Projekte wie Kindertagesstätten oder Brunnen fließen und der gesamten Bevölkerung zugute kommen. Ausbeuterische Kinderarbeit sei im Zusammenhang mit Fair-Trade-Produkten verboten, so Meisel. Gefördert würden zudem nachhaltige Produktionsweisen und nicht zuletzt der Bio-Anbau.

Aktuell seien in Deutschland 1900 Fair-Trade-Produkte in 33 000 Supermärkten und 18 000 gastronomischen Betrieben erhältlich. Dabei gibt es einen deutlichen Schwerpunkt: Rund 60 Prozent des Umsatzes wird mit fair gehandeltem Kaffee erzielt, deutlich geringer sind die Umsätze etwa von Kakao, Blumen oder Zucker.

Allein 2011 stieg der Umsatz von Fair-Trade-Produkten in Deutschland um 18 Prozent auf 400 Millionen Euro, rund 82 Millionen Euro davon seien bei den Erzeugern angekommen. Dieser Anteil von rund einem Fünftel des Umsatzes liege um ein Vielfaches höher als beim konventionellen Handel.

Als Vertreterin der Steuerungsgruppe konnte Elisabeth Steffel schließlich die Nachricht verkünden, dass Giengen die Kriterien einer Fair-Trade-Stadt (siehe Info) mittlerweile erfülle: Just am Freitag hätten sich zwei weitere Gastronomen zur Teilnahme bereiterklärt. Einzelhandelsgeschäfte, Schulen und Vereine sowie die beiden Kirchengemeinden waren bereits im Vorfeld der Aktion beigetreten. Um die Giengener noch intensiver zu informieren, soll in Kürze in den„Giengener Stadtnachrichten“ die Reihe„Giengen isst und trinkt fair“ starten.

„Wir können jetzt den Antrag stellen“, freute sich Elisabeth Steffel, eine„Zertifizierungsparty“ wollte sie für den April 2013 anpeilen.