Giengen / Marc Hosinner  Uhr
Der Herbrechtinger Gemeinderat hat den Plänen eines eigenen Industriegebiets an der Autobahn die Zustimmung verweigert. Giengens Oberbürgermeister Dieter Henle zeigt sich darüber „erstaunt und überrascht“.

Kritik, Kritik und noch mal Kritik: Das Ansinnen der Stadt Giengen, an der Autobahn einen eigenen Industriepark zu etablieren, war von Anfang an von Protesten begleitet worden: Vor allem Landwirte waren es, die unter anderem mittels Plakaten den Flächenverbrauch anprangerten. „Gier frisst Hirn“ war beispielsweise zu lesen.

Im Laufe des umfangreichen Verfahrens hin zu einem Gewerbegebiet an der Autobahn werden auch die Nachbarstädte gehört. So etwa die Gemeinde Hermaringen. Die Räte des Orts zeigten sich nicht alle begeistert und äußerten Kritik, gaben letztlich aber ihre Zustimmung zum Giengener Mammut-Vorhaben.

Keine Zustimmung aus Herbrechtingen

Jetzt waren die Herbrechtinger dran, ihre Meinung kund zu tun. Mit der Nachbarkommune betreibt Giengen bekanntlich seit 1997 den Zweckverband Industriepark an der Autobahn. Dort sind noch etwa acht der insgesamt 40 Hektar zu haben. Für den Rest gebe es, so versichert es der kaufmännische Geschäftsführer Thomas Diem, Interessenten.

Zustimmung zu den Giengener Plänen für deren Industriepark gab es, wie gestern berichtet, jedoch nicht. Die Vorwürfe: Man fühle sich von Giengen abgespeist, ein Stadtrat sprach gar von einem „schändlichen Verhalten“ der Giengener, selbst der Name „Giengener Industriepark“ sorgte für Ablehnung und obendrein wurde die Überlegung angestellt, ob die Zusammenarbeit im Zweckverband, die nach Ansicht von Diem „immer gut funktioniert hat“ überhaupt weiter geführt werden könne.

OB Henle: Von Ablehnung überrascht

Aus Giengener Sicht ist das sicher schwere Kost. Oberbürgermeister Dieter Henle war denn auch „tatsächlich sehr überrascht und erstaunt“. „Nicht nur, dass die Verwaltungsspitze von Herbrechtingen vom ersten Moment an – also seit März 2018 – über die Idee GIP A7 und die daraus entstehende Planung informiert war, auch darüber hinaus haben wir ja die ganze Zeit völlig offen agiert. Bisher hat sich der Gemeinderat der Stadt Herbrechtingen zu keinem Zeitpunkt entsprechend geäußert“, so Henle.

Natürlich habe er Verständnis für das Interesse Herbrechtingens, eine Erweiterung mit Giengen gemeinsam vorzunehmen, so der Oberbürgermeister. Auch dass der gemeinsame Industriepark an der A7 nicht vollständig verkauft sei, sei richtig. Allerdings sei die Sachlage klar: „Die im gemeinsamen Industriepark A7 noch verfügbaren Flächen sind kleinteilig. Für großflächiges Gewerbe ist hier kein Platz mehr.“ Aktuell seien aber insbesondere große, zusammenhängende Flächen gefragt.

Henle setzt auf Zusammenarbeit mit Herbrechtingen

Für Henle stehe die gute Kooperation im Mittelpunkt. Die Entwicklung eigener Gebiete sei üblich, zudem werbe man Herbrechtingen keine Interessenten ab. Auch Herbrechtingen entwickle Gewerbeflächen wie im Vohenstein, nahe der Grenze zu Giengen. Dabei sei Giengen nicht gefragt worden, so OB Dieter Henle. „Warum auch? Die Fläche liegt komplett auf Herbrechtinger Gemarkung.“

Vergleichbar damit befindet sich der geplante Gewerbepark ausschließlich auf Giengener Gemarkung. Zudem mache der größte Flächeneigentümer – er besitze fast 50 Prozent der Gesamtfläche – den Verkauf davon abhängig, dass allein die Stadt Giengen das Gebiet entwickelt.

Er sei froh, so OB Dieter Henle, dass trotz vieler Negativ-Äußerungen wohl nicht alle Herbrechtinger Räte an einer Spaltung interessiert seien: „Da sind die Wellen vielleicht etwas hochgekocht. Wir in Giengen haben keinerlei Interesse, die gute Zusammenarbeit mit Herbrechtingen zu beenden.“

Schändliches Verhalten? Die harschen Vorwürfe des Herbrechtinger Gemeinderats bezüglich des Giengener Gewerbegebiets an der A 7 sind nicht nachvollziehbar. Ein Kommentar von Marc Hosinner.

Die Herbrechtinger Stadträte verweigern geschlossen dem von Giengen an der A7 geplanten Gewerbegebiet die Zustimmung. Sie sehen darin einen falschen Alleingang der Nachbarstadt.