Giengen Gemeinsam Socken stricken im Hasenloch

Giengen / Nadine Rau 07.12.2018
Im Naturfreundehaus treffen sich jeden Samstag Frauen aus dem Kreis, um gemeinsam Socken, Schals oder mal ein Puppenkleidchen zu stricken und zu häkeln. Seit mehr als zwei Jahren wird das Angebot gut genutzt.

Anfangs hatte kaum einer im Ausschuss der Naturfreunde daran geglaubt, dass so etwas auf Dauer funktionieren kann: Ein Strickcafé für jeden, der Lust hat. Unverbindlich und wöchentlich. „Das haben wir doch schon vor 20Jahren versucht“ lautete der Tenor, als die Idee von Werner Gohle, einem der Vorsitzenden, auf den Tisch gebracht worden ist. Angestoßen hatte die ganze Geschichte seine heute 23-jährige Tochter Christina Gohle. Sie fand Spaß am Stricken, hat sich zunächst von ihrer Oma die wichtigsten Dinge zeigen lassen. Wo Oma nicht weiter wusste, waren Videos aus dem Internet ds nächste Mittel – „für exotischere Sachen“, wie Werner Gohle rückblickend von seiner Tochter erzählt.

Mit ihrer Begeisterung fürs Stricken ist sie im Kreis nicht alleine. Das zeigt nach mehr als zwei Jahren der Erfolg des Strickcafés, das jeden Samstag im Naturfreundehaus Hasenloch stattfinden kann. „Wir haben es durchgezogen und es hat geklappt. Manchmal kommen nur vier oder sechs, manchmal aber auch 16“, weiß Werner Gohle.

Frauen unterschiedlicher Altersklassen aus Giengen und anderen Kreisgemeinden widmen sich dann für rund drei Stunden bei Kaffee und Kuchen ihren Schals, Socken oder anderen Kleidungsstücken. Die Ideengeberin Christina Gohle kann mittlerweile wegen ihres Studiums zwar nicht mehr dabei sein, aber auch so kommen ab und an ein paar jüngere Gesichter.

„Ich kriege nicht genug davon“

Heute sitzen zehn Damen neben den anderen Kaffee trinkenden Gästen im Hasenloch an zwei Tischen und sind in ihre Strickarbeiten vertieft. Birgit Alfano ist noch recht neu, seit knapp zwei Monaten ist sie dabei. Sie arbeitet an einem sogenannten Virustuch, ein dreieckiges Schultertuch, das schon seit längerer Zeit im Trend ist. „Das ist wirklich ein Virus, ich kriege nicht genug davon“, sagt Alfano.

Je nachdem, welche Farben sie in dem Tuch ineinander verlaufen lässt, wirke es ganz anders. „Dieses hier will ich ausnahmsweise mal für mich machen, normalerweise verschenke ich immer alles“, sagt die Schnaitheimerin. Das Strickcafé ist ihre persönliche Auszeit.

„Viele Frauen bei uns sagen, dass der Samstag ihnen gehört“, erklärt eine weitere Dame, die neben Alfano sitzt. Diejenigen mit nicht mehr ganz so jungen Kindern haben es beim Hasenloch gut, weil sie ihren Nachwuchs auch einfach mitbringen und draußen auf dem Spielplatz spielen lassen können. Und auch die ganz Kleinen können mit, eine der Frauen strickt heute sogar mit Baby auf dem Arm.

Kleidchen in rosa

Am Tischende widmen sich ein paar Damen neuen Socken für die kalte Jahreszeit, eine andere näht ein Puppenkleidchen in rosa. In der Tasche neben ihr kann man weitere Ergebnisse erspähen. „Das sind alles Schühchen“, sagt die Burgbergerin und packt sie aus.

Die Damen drumherum finden eines schöner als das andere. Die einen sind blau und weiß, ein anderes Paar in einem ganz zarten Lila, ein drittes in orange mit blumenförmigen Knöpfen dran. „Die Frauen hier können alle richtig gut stricken“, schwärmt eine der Teilnehmerinnen.

Früher sei es ganz normal gewesen, dass man zu Hause Socken strickt, auch in der Schule habe man das noch gelernt, sagt sie zu ihrer Motivation. „Ich habe schon so viele Socken gestrickt und jetzt fange ich wieder an wie eine Erstklässlerin“, schimpft sie heute über sich selbst. Allerdings muss sie dabei lachen, so wie den ganzen Nachmittag über.

Irgendwer weiß immer Rat

Auch bei den anderen klappt nicht immer alles auf Anhieb. „Manchmal geht es mehr rückwärts als vorwärts“, sagen sie. Wie gut, dass immer eine Dame unter der Truppe ist, die Rat weiß. „Unsere Renate zum Beispiel, die kommt sogar zu uns nach Hause, wenn es sein muss.“ Innerhalb der Gruppe gibt es zwei Lager: Diejenigen, die alles wieder aufmachen, wenn sie einen Fehler hineingebracht haben. Und diejenigen, die das einfach lassen. Es sei schließlich Handarbeit, lautet dann die Begründung.

Auf dem Tisch liegen jede Menge Bücher und Hefte, in denen neue Muster darauf warten, umgesetzt zu werden. Jeder bringt etwas davon mit und bei Interesse kann es die eine der anderen kopieren. Das Strickcafé lebt vom Austausch, nicht nur, was das Stricken angeht.

„Man kommt hier einfach unter Leute“, erklärt sich Naturfreunde-Vorsitzender Werner Gohle den Erfolg. Wer sich nicht gleich traut, könne zunächst am Nebentisch Platz nehmen, sich das alles ein bisschen anschauen und dann entscheiden.

Die strickenden Damen gehören nicht zu den Naturfreunden

Obwohl das Strickcafé im Naturfreundehaus Hasenloch stattfindet und vom Ausschuss der Naturfreunde beschlossen worden ist, sind die strickenden Damen eine eigenständige Gruppe, die nicht Teil des Vereins sind. Zwar unterstützen sie diesen auch mal mit Kuchenspenden bei Veranstaltungen, ansonsten aber agieren sie für sich.

Wenn sie Ideen für eine Veranstaltung haben suchen sie sich einfach jemanden vom Ausschuss, der abklärt, ob sich das umsetzen lässt. Mitglieder der Naturfreunde sind auch Teil der Strickgruppe, wodurch immer ein Austausch stattfinden kann. Bisher stattgefunden hat etwa schon eine Modenschau, bei der alle Kleidungsstücke gezeigt worden sind.

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