Giengen / Marc Hosinner 73 Wohnungen entstehen seit 2015 an der Brenz in unmittelbarer Nähe zur Stadtmitte und damit wird auch ein ganz neues Wohnquartier geschaffen. Die letzten Einheiten des größten Vorhabens der Kreisbau werden im Herbst bezugsfertig sein. Ein Rückblick.

Der Schock saß tief, als im Januar 2012 angekündigt wurde, dass die seit mehr als 100 Jahren in Giengen verwurzelte Firma AWG, vormals bekannt als Armaturenfabrik Max Widenmann und heute mit dem Namen AWG Fittings versehen, den kompletten Standort aufgeben und nach Ballendorf ziehen wolle. Die Entscheidung, der Stadt den Rücken zu kehren, hatte nicht nur die Entlassung von 50 Mitarbeitern zur Folge. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Fußgängerzone drohte obendrein zwischen Lederstraße und Uferweg an der Brenz eine trostlose Industriebrache.

„Ich habe schnell erkannt, dass es sich dabei um eine tolle innerstädtische Lage handelt“, erinnert sich Kreisbaugeschäftsführer Wilfried Haut. Er habe die Vorteile des bis an die Brenz heranragenden Grundstücks gesehen, mit kurzen Verbindungen in die Marktstraße.

Der Kauf der Kreisbau von AWG wurde im Mai 2013 bekannt gegeben. Zudem wurde seitens des Wohnbauunternehmens erklärt, etwa 70 Wohneinheiten errichten zu wollen.

„Wie das aussehen sollte, war seinerzeit noch völlig offen. Wir haben deshalb einen Wettbewerb ausgerufen und sechs Architekturbüros beauftragt, Entwürfe anzufertigen“, so der Kreisbau-Chef im Rückblick. Das Votum des Preisgerichts für die Pläne eines Pforzheimer Architekten war einhellig.

Gänzlich unumstritten war das Vorhaben aber nicht: Nicht nur im Gemeinderat, sondern vor allem in der Nachbarschaft regte sich Widerstand. Unter anderem die Höhe wurde zum Teil als störend empfunden.

Letztlich gab’s aber grünes Licht. Der Abbruch der AWG-Produktionsstätten und Büros und die Entsorgung der Altlasten verlief ziemlich rasch. „Im März 2015 konnten wir mit dem ersten von vier Abschnitten beginnen“, so Haut.

Auf der Baustelle ging es gut voran. Lediglich zweimal kam es zu Unterbrechungen:Die erste Verzögerung gab’s gleich im Sommer 2015, als den Arbeitern hitzefrei gegeben werden musste. „Dass wir eine Baustelle wegen der Hitze nicht weiter voranbringen konnten, hatte ich so auch noch nicht erlebt“, sagt der Geschäftsführer der Kreisbau. Weil die Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius geklettert waren, konnte die Bodenplatte der Tiefgarage nicht betoniert werden.

Der zeitliche Rückstand wurde ebenso wieder aufgeholt wie Verzögerungen, die sich durch einen historischen Fund im Mai 2017 ergaben: Weil bei den Aushubarbeiten auf der Baustelle Teile eines historischen Giengener Stadtgrabens zutage traten, mussten die Bagger für gut zwei Wochen ruhen, um die Funde zu sichern.

Heftige Niederschläge sorgten um Weihnachten 2017 dafür, dass auf dem noch unbebauten Stück im Süden des Areals ein regelrechter See entstanden war. Wegen der Feiertage war aber damals sowieso nicht gearbeitet worden.

53 Wohnungen vermietet

Mittlerweile seien 53 der insgesamt 73 Wohnungen komplett fertiggestellt und auch vermietet: hauptsächlich an Paare ohne Kinder oder Senioren. „Es ist uns gelungen, Klientel auch von außerhalb nach Giengen zu holen, die auch die gute Anbindung an die Autobahn schätzen und so schnell zu Arbeitsstellen in anderen Orten kommen“, so Haut. Die Wohnungen liegen preislich sicher im oberen Drittel in Giengen: es werden zwischen 8,50 und 9,30 Euro pro Quadratmeter an Kaltmiete aufgerufen.

In den Häusern sieben, acht und neun laufe derzeit der Innenausbau. Einzugstermine in die Einheiten seien Ende Juni in Haus sieben, Mitte/Ende August in Haus acht und einen Monat später in Haus neun. „Auch hierfür haben wir schon Interessenten. Am 7. Juli bieten wir einen Tag der offenen Tür an. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir am Ende keinen Leerstand haben werden. Insgesamt haben wir eine super Lösung hinbekommen“, sagt Geschäftsführer Haut.

Kommt auch noch der fünfte Bauabschnitt?

Die ursprüngliche Planung der Kreisbau für das ehemalige AWG-Areal mit dem Gebiet „Wohnen an der Brenz“ ist mit der Fertigstellung der Häuser sieben, acht und neun abgeschlossen. Gut möglich, dass es aber einen fünften Abschnitt gibt. Möglich wäre dieser auf einem 1000 Quadratmeter umfassenden Grundstück, das 2016 in unmittelbarer Nachbarschaft erworben wurde. „Für die Zukunft haben wir das angedacht. Wir haben Planungen im Kopf“, so Kreisbau-Geschäftsführer Wilfried Haut. moh