Giengen Hahn auf, Wasser marsch: Woher die Giengener ihr Trinkwasser bekommen

Giengen / Joelle Reimer 22.03.2018
Wie die Giengener über Tiefbrunnen, Hochbehälter und Pumpwerk ihr Trinkwasser bekommen – und warum der Wasserturm in der Südstadt 60 Jahre nach seinem Bau heute nicht viel mehr als ein Wahrzeichen ist.

Kurz den Hahn aufdrehen, und schon fließt das Trinkwasser ins Glas. Kalt oder heiß, wie man es eben gerade braucht. Kein Vergleich zu längst vergangenen Zeiten, in denen die Giengener noch zum tiefen Ziehbrunnen vor dem Rathaus laufen mussten, mit dessen Rad das Wasser in zwei Eimern wechselweise heraufgezogen werden konnte. Und so ist dieser einfache Handgriff – Wasserhahn auf, Wasserhahn zu – normalerweise auch schon alles, was der Endverbraucher heutzutage noch mit der Herkunft und Beschaffung seines Wassers zu tun hat.

Der markante Wasserturm in der Südstadt, die Hochbehälter auf dem Bruckersberg und dem Rechberg – das alles kennen die Giengener. Und auch die Frage, woher das Trinkwasser stammt, wird klar beantwortet: Stadtwerke. So weit, so gut. Aber spannend ist doch, hier mal etwas tiefer einzutauchen.

Die Wasserversorgung in Giengen. Dreh- und Angelpunkt ist das Pumpwerk Bernau.
Die Wasserversorgung in Giengen. Dreh- und Angelpunkt ist das Pumpwerk Bernau. © Foto: Grafik: Simone Künzer

Die Stadtwerke Giengen besitzen sieben eigene Tiefbrunnen, von denen rund 89 Prozent der Wasserversorgung stammt. Der Rest wird vom Zweckverband Landeswasserversorgung bezogen, und zwar für die Teilorte Hürben und Burgberg. In Sachsenhausen wird das Wasser aus einem eigenen Karstbrunnen gefördert – dieser wurde 1973 gebaut und reicht bis in eine Tiefe von 213 Metern.

Das Wasser gelangt von den jeweiligen Brunnen über das Pumpwerk Bernau unterhalb der Irpfel in ein Sammelbecken und von dort in sogenannte Hochbehälter. Die Hochbehälter Bruckersberg und Rechberg, die 1964 und 1972 gebaut wurden, besitzen zusammen ein Fassungsvermögen von rund 6000 Kubikmetern – das entspricht in etwa 50 000 Badewannen. Darüber hinaus gibt es den Hochbehälter Scheuenberg in Hohenmemmingen, der auch die Memminger Wanne und den Schießberg versorgt. Seit 1998 beziehen zudem Syrgenstein, Bachhagel und Zöschingen ihr gesamtes Trinkwasser von den Giengener Stadtwerken.

Ihren Anfang nahm die öffentliche Wasserversorgung in Giengen im Jahr 1869. Die Pumpstation an der Spitalmühle war mit einem Wasserbehälter auf dem Bruckersberg durch Hochdruckwasserleitungen verbunden. Das Wasser stammte aus der Brenz, gefiltert mit Hilfe einer Schicht von Steinen und Sand.

Verteilt wurde das Wasser über den großen Brunnen beim Rathaus, aus dem das Wasser aus vier Röhren strömte; zudem wurden drei weitere Brunnen und zahlreiche Brauhäuser versorgt. Abwasser, Farbstoffe und Chemikalien machten diesem System 1903 einen Strich durch die Rechnung: Die Brenz als Wasserversorger war passé, man machte sich auf die Suche nach Quellwasser und wurde am Westhang der Irpfel fündig – also dort, wo sich die heutige Pumpstation Bernau befindet. Seit diesem Zeitpunkt können die Giengener auf unbehandeltes und natürliches Trinkwasser ohne sonstige Aufbereitung und Chlorung zurückgreifen.

Erste Hausanschlüsse um 1905

Damals wurde das Wasser in Eisenrohren zur Pumpstation geleitet. Diese arbeitete zunächst mit einem Wasserrad im Brenzarm, bekam später eine Dampfmaschine und 1905 eine elektrisch betriebene Motorpumpe als Reserven. In dieser Zeit wurden auch die ersten Hausanschlüsse eingerichtet – 1907 zählte man 410 Anschlüsse.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg reichten die Sickerleitungen der Quellaufbrüche aus, lediglich das Wasserreservoir auf dem Bruckersberg musste 1926 vergrößert werden. Doch die Bevölkerung wuchs, nach dem Krieg zogen Flüchtlinge zu, sodass von 1954 bis 1962 vier neue Tiefbrunnen gebohrt wurden. Über das 1964 neu errichtete Pumpwerk Bernau wurde das Trinkwasser in die zentralen Behälter gefördert. Da der Druck aus dem Hochbehälter Bruckersberg in den 50er Jahren nicht mehr ausreichte, um die Wohnsiedlung in höheren Lagen zu versorgen, wurde 1957 der Wasserturm in der Südstadt auf einer damals freien Wiese gebaut – an der Stelle des vorigen Hochbehälters im Gewann Sieben Jauchert.

1981 kamen im Zuge des Baus der A 7 zwei weitere Tiefbrunnen hinzu, 1985 wurde eine neue Transportleitung von Giengen über den Schießberg zum Hochbehälter Scheuenberg in Hohenmemmingen gebaut. Und 1998 wurden schließlich die Bachtalgemeinden ans Giengener Wassernetz angeschlossen.

Apropos Schießberg: Auch das Wasser im Bergbad kommt aus dem nahegelegenen Tiefbrunnen Bernau, der keine zweieinhalb Kilometer entfernt ist.

Wasserturm oder Wahrzeichen?

Sind es in der Giengener Innenstadt die beiden Türme der Stadtkirche, die alle Dächer überragen, so ist das in der Südstadt der Wasserturm. Ein Wasserturm, der eigentlich gar kein solcher mehr ist: „Aus technischer Sicht ist er funktionslos. Er ist heute aber mit ein Wahrzeichen Giengens“, sagt Bernd Olschewski von den Stadtwerken.

Erbaut 1957, wurde er damals zur Versorgung der höher gelegenen Gebiete benötigt – 2011 wurde der Turm schließlich stillgelegt. „Für die Versorgungssicherheit hat jeder Behälter zwei Kammern, sodass bei der Wartung, Reinigung und Pflege ein Austausch und Weiterbetrieb stattfinden kann. Der Wasserturm hat nur eine Kammer, weshalb dort eine Druckerhöhungsanlage nötig war“, so Olschewski. Als eine solche dann 2011 im benachbarten Betriebsgebäude neu gebaut wurde, wurde der Wasserturm selbst endgültig überflüssig.

Der Turm ist also Baudenkmal und steht als solches seitens des Regierungspräsidiums (RP) zum Verkauf. 1240 Quadratmeter Grundstücksgröße, Kaufpreis 169 000 Euro, Klinkerfassade sanierungsbedürftig – so die Stichworte auf der Homepage des RP. „Es waren auch schon ein Café, ein Höhenrestaurant oder eine Kletterhalle im Gespräch. Aber aktuell ist die künftige Nutzung noch offen“, so Olschewski.

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