Schaden Friedhofseingang bleibt in schwarze Plastikfolie verpackt

Giengen / Silja Kummer 07.04.2013
Das historische Tor am Eingang zum Friedhof bleibt weiterhin in schwarze Plastikfolie verpackt: Bevor die Frostperiode nicht vorbei ist, kann der bei einem Sturm entstandene Schaden nicht genauer begutachtet werden.

Bei einem heftigen Unwetter am 30. Juni des Vorjahres stürzte ein Baum auf das Gebäude am Eingang des Friedhofs. Sowohl die Dächer der als Leichen- und Pförtnerhaus gebauten Bauwerke links und rechts des Eingangs als auch der Torbogen in der Mitte sind beschädigt. Zunächst blieb der Eingang zum Friedhof – sehr zum Ärger der Besucher – bis beinahe zum Jahresende gesperrt. Dann wurde alles frostsicher verpackt und abgestützt, weshalb jetzt der Eingang, wenn auch zwischen Baugittern, benutzt werden kann.

„Wenn Wasser in die Steine eingedrungen wäre, hätte der Frost den Schaden noch vergrößern können“, sagt Franz Becker, Leiter des städtischen Eigenbetriebs Gebäudemanagement. Deshalb müssen die beschädigten Elemente verpackt bleiben, bis die Temperaturen im Plusbereich bleiben. Danach wird akribische Kleinarbeit von einem Fachmann nötig sein: Dieser muss die herausgebrochenen Quadersteine anhand des Bauplans von 1891 zuordnen, erst dann können die Einzelteile restauriert oder baugleich wieder hergestellt werden. „Ich wage nicht zu sagen, wie lange die Reparatur dauern wird“, sagt Becker. Und auch die Kosten der Wiederherstellung, die von der Versicherung übernommen werden müssen, stehen erst nach der Bestandsaufnahme fest.

Das 1894 erbaute Ensemble wurde nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekten Theophil Frey (1891) erstellt. Die Werkpläne hat der damalige Giengener Stadtbaumeister Carl Rau erarbeitet. Die Torbauten und die Ummauerung sowie sechs historische Grabsteine des Friedhofs stehen unter Denkmalschutz.

Theophil Frey hat sich bei seinem Entwurf an der Gotik orientiert und hat deshalb Spitzbögen und eine giebelartige Bekrönung des Eingangstors („Wimperg“) geplant. Die beiden kapellenartigen Gebäude links und rechts des Eingangs beherbergten das Leichen- und das Pförtnerhaus, heute befinden sich darin Toiletten und Abstellräume.

Bevor der damals neue Friedhof am Ortsausgang in Richtung Hohenmemmingen 1894 eröffnet wurde, begruben die Giengener ihre Verstorbenen nahe der Stadtkirche auf dem Gelände der heutigen Bergschule. „Der Friedhof erstreckte sich über den Park vor der Schule und den heutigen Standort des Gebäudes“, sagt Archivar Dr. Alexander Usler. Der ehemalige Friedhof blieb unverändert bestehen, bis 1929 die Bergschule erbaut wurde. Dann wurde zumindest der Teil geräumt, auf dem die Schule entstand.

Schädel und Knochen im Garten

Die dort gefundenen Überreste wurden auf den neuen Friedhof gebracht und ruhen unter einem heute noch vorhandenen, denkmalgeschützten Gedenkstein mit der Aufschrift: „Für die irdischen Reste der im alten Friedhof beerdigten und wegen Erbauung der Bergschule in den Jahren 1928-1929 hierher überführten Ahnen“.

Die Gräber im Bergschulgarten wurden hingegen womöglich nur oberflächlich beseitigt: Während des Zweiten Weltkriegs, so berichtete es ein Zeitzeuge Archivar Usler, habe man im Garten einen Löschwasserteich ausgehoben – und dabei auch Schädel und Knochen ausgegraben.

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