Augsburg/Giengen Flüchtling angegriffen: Zwei Polizisten aus Giengen verurteilt

Zwei Polizisten aus Giengen wurden in Augsburg verurteilt.
Zwei Polizisten aus Giengen wurden in Augsburg verurteilt. © Foto: Symbolfoto: Hans-Jörg Nisch/Fotolia
Augsburg/Giengen / Catrin Weykopf 09.06.2018
Zwei Polizisten aus Giengen sind vor einem Augsburger Gericht verurteilt worden. Sie hatten betrunken einen Senegalesen angegriffen.

Passiert war der Vorfall im September 2016 am Königsplatz in Augsburg. Nun fand das Gerichtsverfahren statt, über das die Augbsurger Allgemeine berichtet.

Der Haupttäter, ein 43-jähriger Polizeioberkommissar aus Giengen, wurde wegen Beleidigung und mehrerer Körperverletzungsdelikte zu einer Gefängnisstrafe von 14 Monaten - ohne Bewährung - verurteilt. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, würde der Polizist aus dem Beamtenverhältnis entfernt werden.

Ein zweiter Polizist, 40, muss wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung eine Geldstrafe von 14.400 Euro (240 Tagessätze zu je 60 Euro) bezahlen. Auch er wäre damit vorbestraft. Gegen beide Polizisten laufen außerdem dienstrechtliche Disziplinarmaßnahmen, schreibt die Augsbruger Allgemeine.

Einen abgebissenen Hamburger ins Gesicht gedrückt

Was war passiert? Eindeutig klären lässt sich dies wohl nicht, da vor Gericht unterschiedliche Versionen vorgetragen wurden. Doch so viel scheint sicher: Die zwei Angeklagten waren in einer Gruppe mit weiteren Polizeikollegen auf einer sogenannten „Gemeinschaftsveranstaltung“ unterwegs. Gemeint ist ein Ausflug. Dabei floss reichlich Alkohol.

Am späten Abend kehrte die Gruppe am McDonalds am Augsburger Königsplatz ein. Dort setzte sich der 43-jährige Angeklagte neben einen 25-jährigen Senegalesen. Als weitere Kollegen dazukamen und der Flüchtling keinen Platz machte, kam es zum ersten Vorfall: Der 43-jährige Polizist drückte dem Senegalesen einen angebissenen Hamburger ins Gesicht und beleidigte ihn verbal.

Später kam es vor dem Schnellrestaurant zu weiteren Angriffen. Der 43-jährige Polizist attackierte den Asylbewerber dabei auch körperlich. Es soll Schläge gegeben haben und der Versuch unternommen worden sein, den Mann beim Wegrennen in die Hacken zu treten.

Kollegen machen zahme Aussagen

Vor Gericht - so schildert es die Augsburger Allgemeine - habe der Polizist einige der Vorgänge anders in Erinnerung gehabt bzw. konnte sich gar nicht erinnern.

So habe er nach eigener Aussage den Senegalesen im Restaurant gefragt, ob dieser bald fertig sei. Weil der aber nicht antwortete und sich stattdessen vor dem Polizisten aufgebaut habe, sei es zum Hamburger-Vorfall gekommen. Diesen räumte der 43-Jährige vor Gericht ein.

Unklarheit herrscht über die genauen Abläufe und Vorfälle im Freien. Auch die Polizeikollegen der beiden Angeklagten konnten nicht bei der Klärung helfen - deren Aussagen seien - so schreibt die Augsburger Allgemeine - „sichtlich bemüht, die Angeklagten nicht zu belasten“. Sie versuchten offenbar, ihre Kollegen in Schutz zu nehmen oder zumindest nicht zusätzlich zu belasten. Auch der Richter bemerkte dies während der Verhandlung.

Nach dem Vorfall seien die nun verurteilten Beamten der B-Schicht der Giengener Polizei versetzt worden, schreibt die Zeitung aus Augsburg. Und weiter: Der verurteilte 43-Jährige, so sei es im Ermittlungsverfahren festgestellt worden, hege offenbar eine generelle Antipathie gegen Flüchtlinge. Auf „Facebook“ habe er ein AfD-Plakat, das sich gegen die Bundeskanzlerin und gegen Flüchtlinge richtet, geteilt.

Das Urteil gegen beide Beamte ist noch nicht rechtskräftig.

Das Opfer ist verschwunden

Der Flüchtling selbst war während der Verhandlung nicht anwesend. Seine Sicht der Dinge wurde anhand der Aussagen geschildert, die er nach dem Vorfall bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte. Der Senegalese gilt als verschwunden - laut Augsburger Allgemeinen soll er Angst davor gehabt haben, gegen einen Polizisten auszusagen.

Der angeklagte Polizist hatte sich vor dem Prozess schriftlich bei dem Senegalesen entschuldigt und eine Ausgleichszahlung von 250 Euro angeboten. Diese habe der Senegalese akzeptiert, das Geld aber an den Asylkreis der Caritas in dem Ort überweisen lassen, an dem er untergebracht ist.

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