Giengen Fairtrade: „Viel mehr in den Köpfen als früher“

Giengen / Von Dieter Reichl 05.06.2018
Vor fünf Jahren wurde Giengen zertifiziert und kann sich seither mit dieser Auszeichnung schmücken. Sie passt für OB Dieter Henle nach wie vor zur Philosophie „nachhaltige Stadt“.

Global denken, lokal handeln – dieser Slogan steht zentral hinter der Fairtrade-Bewegung, die vor nunmehr fünf Jahren dazu führte, dass die Stadt Giengen zur damals 144. Fairtrade-Stadt in Deutschland ernannt wurde. Jetzt ließt sich Oberbürgermeister Dieter Henle von Vertretern der so genannten Steuerungsgruppe – Elisabeth Steffel, Ulrich Carle, Klaus Schlumpberger und Tabea Müller-Heger – erläutern, wie es zu diesem Titel kam und was sich seither getan hat. Dass die dahinter stehende Idee sehr gut zur Philosophie einer „nachhaltigen Stadt“ passt, die man sich in Giengen auf die Fahne geschrieben hat, daran ließ Giengens Rathauschef keinen Zweifel .

Die Fairtrade-Bewegung begann 1992, als der in Köln ansässige Verein Transfair das Ziel formulierte, benachteiligte Produzentenfamilien vor allem von Lebensmitteln in Afrika, Asien und Lateinamerika zu förden und durch fairen Handel mit entsprechenden Mindestpreisen ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Vor allem Pfadfinder aktiv

Auch in Giengen wurde die Idee aufgegriffen und der Weg hin zur Fairtrade-Stadt gegangen. Hierzu mussten neben der Gründung einer Steuerungsgruppe verschiedene Kriterien erfüllt werden, zum Beispiel ein gewisses Angebot fair gehandelter Waren in den örtlichen Geschäften. Sehr aktiv waren in der Anfangszeit die Giengener Pfadfinder, bald bestand aber ein Netzwerk, in dem auch Schulen, Vereine, die Kirchen und die Feuerwehr eingebunden waren. Als auch die Geschäftswelt und die Gastronomie mitmachten, waren alle notwendigen Kriterien erfüllt, es konnte nach einem Grundsatzbeschluss des Gemeinderats die Bewerbung für eine Fairtrade-Stadt eingereicht werden.

Vor fünf Jahren erfolgte die Verleihung der Urkunde im Rahmen einer großen Feierlichkeit im Bürgerhaus Schranne. Dass es sich bei der Bewegung um kein Strohfeuer handelte, bewies die problemlose Rezertifizierung zwei Jahre danach. Seitens der Steuerungsgruppe ist man davon überzeugt, dass der Fairtrade-Gedanke in Giengen zunehmend weiter gestreut wurde. „Das Thema ist viel mehr in den Köpfen als früher“, sagt Elisabeth Steffel. Ein entsprechendes Angebot gebe unterdessen in allen Supermärkten, viele kleinere Aktionen hätten dafür gesorgt und sollen dies auch weiterhin tun, dass der dahinter stehende Gedanke nicht in Vergessenheit gerät.

Idee im Tagesablauf verankern

„Wir versuchen, immer wieder darauf hinzuweisen“, sagt Elisabeth Steffel. Es gehe darum, die Idee im Tagesablauf zu verankern, wenn etwa bei Freizeitaktivitäten oder städtischen veranstaltung selbstverständlich fair gehandelte Produkte angeboten werden. Beispiele in der Stadt sind hierbei die Realschule, die einmal wöchentlich Produkte aus fairem Handel verkauft, oder die im Rahmen des Mensabetriebs der Bühlschule verwendet werden. Auch die Sternsingeraktion oder die von der Bühlschule initiierte Weltveränderungswoche gehöre zum Thema. „Dran bleiben, nicht einschlafen lassen“ - so die Schlussfolgerung im Rathaus. Denn, wo es besser funktionieren könnte, wäre bei Kleidung – so könnten vielleicht fair gehandelte Abi-T-Shirts verwendet oder im Rathaus bei Geschenken oder Give-Aways entsprechende Produkte verwendet werden.

Das Rathaus verschließt sich dem Thema Fairtrade keineswegs - selbstverständlich wird dort fair gehandelter Kaffee getrunken, und im Sinne eine angedachten Weihnachtsaktion für positives Parkverhalten in der kommenden Weihnachtszeit soll faire Schokolade zum Einsatz kommen.

Dass der Gedanke des fairen Handels in der Gesellschaft weiter verbreitet ist als früher, lässt sich laut Elisabeth Steffel auch daran ablesen, dass die früher mal geplante Herausgabe eines fairen Einkaufsführer wegen des unterdessen breiten Angebots als nicht mehr notwendig angesehen wird.

Fünf Jahre ist es her, dass die Steuerungsgruppe im Bürgerhaus Schranne die Urkunde erhielt, die Giengen als Fairtrade-Stadt auszeichnet. Zwei Jahre später, im Frühjahr 2015, erfolgte die Rezertifizierung. Foto: Archiv

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