Giengen Jury hat einen Favoriten für neuen Rathausplatz

Giengen / Dieter Reichl 25.01.2018
Für die geplante Umgestaltung zwischen Alter Post und Gasthaus Lamm sind jetzt vier Entwürfe ausgestellt. Aber nicht nur Experten, auch die Bürgerschaft ist gefragt.

Im kommenden Jahr soll der Rathausplatz im Bereich zwischen der Alten Post und dem Gasthaus Lamm gänzlich neu gestaltet werden. Er soll dann ein neues Herzstück der Innenstadt bilden, in dem sich die Bürger aller Generationen gut und gern aufhalten wollen, der aber auch für Veranstaltungen genutzt werden soll. Im Frühjahr 2019 ist der Baubeginn für diesen Bereich vorgesehen.

Wie dieser Platz einmal aussehen soll, dazu sollen nicht nur Fachleute eine Meinung haben. Bevor der Gemeinderat sich auf einen Entwurf festlegt, soll eine offene Meinungsbildung stattfinden. Seit gestern ist im Obergeschoss der Schranne eine kleine Ausstellung aufgebaut, in der die vier beauftragten Büros ihre Gestaltungsideen zeigen, und wo diese dank Zeichnungen, Fotos und Texterläuterungen auch gut nachvollzogen werden können. Bürger können nach Besuch der Ausstellung ihre Meinung auf ausliegenden Blättern äußern. Auch die Schulen wurden eigens angeschrieben, so dass speziell auch die Jugend zur Meinungsbildung beitragen kann.

Anspruchsvolle Aufgabe

Architekt Wolfgang Sanwald, Mitglied der Fachjury, begrüßte die offene Vorgehensweise ausdrücklich. Stadtplaner Günther Ingold sagte, man habe bewusst mittelgroße Büros aus der näheren Umgebung beauftragt, die aber vom Stadtplaner bis zum Landschaftsarchitekten eine große Bandbreite in der Architektenszene abbilden.

Die Aufgabe, einen Platz zu gestalten, sei immer anspruchsvoll, sagte Stadtplaner Ingold. Dennoch sei man mit dem Ergebnis und den eingereichten Vorschlägen sehr zufrieden, sagte OB Henle. Es habe bei allen Beteiligten eine intensive Auseinandersetzung mit diesem Stück Stadtraum stattgefunden. Sämtliche Varianten seien aus wirtschaftlicher Sicht realisierbar, auch eine erste technische Beurteilung hinsichtlich Entwässerung und Beleuchtung sei positiv ausgefallen. Der Platz sei sowohl für die Tages- wie auch die Nachtsituation durchdacht worden. Bei allen Entwürfen gab es bei unterschiedlichen Ansätzen auch gestalterisch verbindende Elemente. So bleiben die angrenzenden Gebäude mit ihren Eingängen, wie auch die bestehende Oberfläche mit der „schiefen Ebene“ der oberen Marktstraße unverändert. Architekt Sanwald verwendete hier das Bild eines „Tabletts“, dessen feine Oberfläche es zu gestalten gilt. Alle Entwürfe beinhalten den Panscherbrunnen, wenn auch nicht alle an derselben Stelle. Allen war es ein Anliegen, den Platz räumlich zur Geltung kommen zu lassen und ihn nicht übermäßig zuzustellen. „Der Fußgänger soll der Herr des Platzes bleiben“, sagte Stadtplaner Ingold.

Auch wenn die Entwürfe allesamt als qualitativ gut angesehen wurden, war sich die siebenköpfige Fachjury einstimmig einig, welcher davon den ersten Platz verdient. Es handelt sich um den Entwurf des Landschaftsarchitekturbüros Gresz und Kaiser aus Ulm.

Brunnen dominierendes Element

Dieser Entwurf sieht einen weitgehend offenen Platz vor. Das dominierende Element darauf bildet die Panscherskulptur mit einem neu gestalteten Brunnen. Dieser stellt sich in Form eines Tisches dar, und darauf, oder darin, steht die Skulptur. Das von der Skulptur ins Becken fallende Wasser fließt an der unteren Seite heraus und bildet einen kleinen, etwa sitzhohen Wasserfall. Das Wasser verschwindet dann wieder im Boden.

Die Umrandung des Brunnentisches bildet eine Sitzgelegenheit unterschiedlicher Höhe. Diese Brunnenanlage, so sieht es die Fachjury, zieht die Blicke aus allen Richtungen wie selbstverständlich auf sich. Zudem bildet der Entwurf klare Sichtachsen vom Postberg zur Marktstraße und von der Marktstraße zur Kirchgasse. Die Beleuchtung folgt der Aufweitung des Marktplatzes durch eine zweireihige, zurückgesetzte Anordnung von Lichtstelen. Die große Offenheit des Platzes lässt darüber hinaus genügend Raum für Veranstaltungen, für das Aufstellen von Buden oder einer Bühne.

Ob sich nun die Meinung der Fachjury mit derjenigen der Bürgerschaft decken wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall scheint das Interesse der Bevölkerung, wie künftig diese zentrale Stelle der Stadt aussehen soll, groß zu sein. Gestern Nachmittag war die Ausstellung erstmals geöffnet, der Andrang war rege mit Dutzenden von Besuchern.

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