Hürben 150.000 Euro fehlen für die Sanierung der Kaltenburg

Der nächste Sanierungsabschnitt ist nicht zu übersehen: Zur Sicherung der einsturzgefährdeten östlichen Schildmauer wurde ein imposantes Gerüst aufgestellt.
Der nächste Sanierungsabschnitt ist nicht zu übersehen: Zur Sicherung der einsturzgefährdeten östlichen Schildmauer wurde ein imposantes Gerüst aufgestellt. © Foto: Dieter Reichl
Hürben / Dieter Reichl 20.02.2018
Die Kaltenburg ist fast 1000 Jahre alt, die IG Kaltenburg versucht seit 2014 den Verfall der Ruine zu verhindern. Doch die Sanierung wird teurer und komplizierter als erwartet.

Zur Freude der Interessengemeinschaft Kaltenburg findet sich ein fundierter historischer Aufsatz über das historische Gemäuer in der neuesten Veröffentlichung der Denkmalstiftung Baden-Württemberg. Dort wird unter der Rubrik „Bürger retten Denkmale“ die Geschichte der Burg nachgezeichnet, von ihrer Entstehung in der Stauferzeit des 12. Jahrhunderts über ihre architektonische Blüte um 1435, als sie mehr Schloss als Burg war, und den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs bis zum heutigen Ruinendasein.

Bekanntlich will die 2014 gegründete IG Kaltenburg dem Verfall der Ruine Einhalt gebieten. „Die Denkmalstiftung hat die Sanierung der Kaltenburg bisher beispielhaft unterstützt“, so der Vorsitzende der IG, Clemens Stahl.

In der Tat: Für die abgeschlossene Sanierung der östlichen Frontmauer half die Denkmalstiftung mit 50 000 Euro, und auch für den zweiten Bauabschnitt an der Schildmauer sowie dem ehemaligen Wohnhaus liegt ein Antrag auf finanzielle Unterstützung bei der Denkmalstiftung. Geld wird dringend benötigt: Für die vorgesehenen drei weiteren Bauabschnitte haben sich die Kosten nach aktueller Rechnung der Interessengemeinschaft auf 420 000 Euro erhöht. Dies wurde den Mitgliedern der IG in der letzten Veröffentlichung des Vereins dargelegt.

Mehrkosten von rund 20 000 Euro entstanden zuletzt durch Vorgaben der Denkmalpflege. Im Januar hatten sich im Hinblick auf die Sanierung der westlichen Schildmauer und das weitere Vorgehen Vertreter der Landesdenkmalpflege, der IG Kaltenburg, der Baufirma und des beauftragten Planungsbüros auf der Baustelle getroffen.

Notsicherung vorgenommen

Vorausgegangen war die Forderung der Denkmalpflege nach einer Kernbohrung und einer Mörtelanalyse. Dadurch bedingt konnten die Sanierungsarbeiten nicht wie geplant beginnen. Es wurde allerdings eine Notsicherung der stark einsturzgefährdeten Schildmauer vorgenommen – das beeindruckende Gerüst hierfür ist nicht zu übersehen.

Nicht nur die finanziellen, auch die bürokratischen Erfordernisse sind hoch, wie der Vorstand der IG berichtet: Für die Notsicherung war eine denkmalschutzrechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung notwendig, wie auch für alle weiteren baulichen Aktivitäten auf der Burgruine denkmalschutzrechtliche Genehmigungen notwendig werden. Dies habe die Denkmalpflege im Rahmen der Besichtigung vor Ort nochmals deutlich gemacht. Dies führt laut IG-Vorstand dazu, dass man in der nächsten Sitzung die Belastbarkeit des Ehrenamts hinterfragen müsse, weil die Umsetzung dieser Forderung für den Vorstand eine erhebliche Mehrarbeit bedeute.

Es wird also nicht einfacher auf der Ruine. Die Finanzfrage drückt weiter. Unter Berücksichtigung der beantragten Zuschüsse von Denkmalamt/Denkmalstiftung und den gewährten Spenden und Zuschüssen fehlen dem Verein derzeit noch bis zu 150 000 Euro, um die Sanierung vollständig umsetzen zu können. Daher, so die Planung, werde es voraussichtlich zu einer Teilbeauftragung bei den Sanierungsarbeiten kommen, und zwar jeweils in der Höhe, wie dem Verein die Finanzmittel zur Verfügung stehen.

Im Rahmen seiner Haushaltsberatungen hat sich auch der Gemeinderat der Stadt Giengen entschlossen, das Projekt finanziell zu unterstützen, obwohl die Ruine nicht auf Giengener Markung, sondern auf der von Niederstotzingen steht. 7000 Euro sollen fließen, im Gegenzug wird ein Nutzungskonzept für die Burg erwartet.

Tourismus-Achse stärken

Oberbürgermeister Dieter Henle sagte, das Projekt sei auch für Giengen interessant, die „Achse des Tourismus“ werde gestärkt. Ein Investitionszuschuss sei angebracht, darüber war sich auch das Gremium einig.

Die IG solle wissen, sie habe die Unterstützung der Stadt, sagte Stadtrat Rubens Link, auch wenn die Ruine nicht auf Giengener Markung liege. Stadtrat Klaus Kälble merkte dazu an, dass der Sitz des Vereins in Giengen sei. Im Moment sei es aber schwierig, ein Nutzungskonzept zu erstellen, weil man nicht wisse, was mit der Schildmauer noch komme.

Überlegungen seien aber im Entstehen. Dabei komme auch das Thema der Vernetzung ins Spiel in Form einer denkbaren Zusammenarbeit mit dem Höhlenhaus und der Burgberger Mühle. Aber das dauere halt noch.

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