Planung Giengen will mehr Raum für Wohnen und Gewerbe schaffen

Nicht nur im Baugebiet Bruckersberg will die Stadt 2018 die Planungen für weitere Flächen zur Vermarktung vorantreiben.
Nicht nur im Baugebiet Bruckersberg will die Stadt 2018 die Planungen für weitere Flächen zur Vermarktung vorantreiben. © Foto: Geyer-Luftbild
Marc Hosinner 13.01.2018
Dier Stadtverwaltung ist bestrebt, ausreichend Wohn- und Gewerbegebiete zur Verfügung zu stellen und richtet zudem den Fokus auf Lebensformen für die ältere Generation in Giengen.

Alles vergriffen: Das mussten Menschen in den vergangenen Jahren erfahren, die etwa am Bruckersberg in der Giengener Südstadt ein Eigenheim bauen wollten. Für manche blieb da nur, sich auf die Warteliste setzen zu lassen.

„Wir hätten in der Tat etwas größere Einheiten planen können“, sagt Bernd Kocian, Leiter des Fachbereichs Liegenschaften im Rathaus, im Rückblick.

In der jüngsten Vergangenheit wurde dort immer nur streifenweise geplant und vermarktet. Aber nicht nur dort, auch an anderen Ecken der Stadt und in den Teilorten war die Nachfrage groß. So konnte beispielsweise in der Memminger Wanne eine rege Bautätigkeit beobachtet werden.

„Die Niedrigzinsphase und der Bauboom zeigten Wirkung: Die aktuell ausgewiesenen Baugebiete sind ganz oder fast ausverkauft. Mir ist es ein Anliegen, dass ausreichend Wohn- und Gewerbegebiete zur Verfügung gestellt werden“, sagt Oberbürgermeister Dieter Henle.

2018 werde man deshalb von Seiten des Rathauses verstärkt in den Grunderwerb und in die Planung einsteigen, um ab 2019 wieder in Giengen und allen Teilorten Bauplätze anbieten zu können. „Dazu werden wir die Möglichkeiten untersuchen und dann in die Finanzierung bringen“, so das Stadtoberhaupt.

Für die Baugebiete Bruckersberg in Giengen, Schlossblick in Burgberg und Westliches Bühlfeld in Hürben „in städtebaulich hervorragender Lage“ würden im laufenden Jahr die entsprechenden Bebauungspläne aufgestellt.

Gelder für Erschließung

Zudem seien mittelfristig Gelder zur Erschließung der Gebiete Bruckersberg, Flecken in Hohenmemmingen und Mittelfeld in Burgberg eingeplant. Am Bruckersberg erfolge die Planung für ein neues – etwas größeres Baugebiet – mit Ein- und Mehrfamilenhäusern.

Bauland bereit zu stellen, wird auch von den Fraktionen im Gemeinderat gefordert. „Die Ausweisung von attraktiven Neubaugebieten oder deren Erweiterungen ist ein Gebot der Stunde, um im Wettbewerb mit anderen Kommunen bestehen zu können“, so CDU-Fraktionschef Rudolf Boemer. Einen besonderen Stellenwert müsse aber auch die Innen-Entwicklung im Stadtgebiet und in den Teilorten eingeräumt werden. Dort würden die Chancen liegen, zukunftsfähige Wohnformen zu verwirklichen.

Notwendige Grundstücke müssen gegeben sein

Ausreichend Grundstücke vorzuhalten, wird auch von Rubens Link, Fraktionsvorsitzender von Unabhängige/Grüne gefordert: Neuansiedlungen sind nur möglich, wenn auch die notwendigen Grundstücke zur Verfügung gestellt werden. Dies gilt sowohl für Wohnen in der Kernstadt als auch in den Teilorten.“

Für Gaby Streicher, Fraktionsvorsitzende der SPD im Gemeinderat, bleibt die Erschließung von Wohngebieten – auch in den Teilorten – eine kontinuierliche Aufgabe, neben der sinnvollen Verdichtung im Innenstadtbereich . „Wir nehmen Sie gerne beim Wort, wenn Sie auch die Baugebiete in den Teilorten in die mittelfristige Planung nehmen“, sagt Streicher an die Adresse des Oberbürgermeisters.

Acht Prozent hochbetagt

Doch nicht nur das Thema, wo gewohnt werden kann, sondern auch das wie soll verstärkt in den Fokus rücken – speziell im Blick auf die ältere Generation. „Bis ins Jahr 2035 werden über acht Prozent unserer Einwohner hochbetagt sein – und 31 Prozent über 65 Jahre alt. Daher benötigen wir dringend innovative Wohn- und Versorgungsformen, die sich in den Sozialraum öffnen“, sagt Oberbürgermeister Henle.

Erhebung mit Spezialistin

Viele Senioren wünschten sich, bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden zu leben – verbunden mit regelmäßigem sozialem Kontakt auch zu jüngeren Nachbarn. Bei einer Podiumsdiskussion Mitte Oktober im Heilig-Geist-Zentrum sei die Idee einer Generationen übergreifenden Erhebung zu bevorzugten Möglichkeiten im Alter gereift. „Dazu zählen unter anderem Wohnformen, Nahversorgung, Mobilität, ehrenamtliche Unterstützungsformen, familiäre Pflege- und Unterstützungsangebote sowie die Teilhabe an Kultur- und Freizeitveranstaltungen“, sagt der Rathaus-Chef.

Auch beteiligt: Senioren

Die Erhebung werde gemeinsam mit Prof. Claudia Winkelmann, Spezialistin für interprofessionelle Gesundheitsversorgung an der DHBW Heidenheim, vorgenommen. Sowohl OB Henle als auch Winkelmann würden bereits gemeinsame Projekterfahrung aus der Gründung des „Bildungsnetzwerks Pflege und Gesundheit“ auf Landkreisebene besitzen.

Ebenfalls beteiligen werde sich der Ausschuss für Seniorenangelegenheiten – federführend sei hier Stadträtin Christine Mack. Die Befragung soll im Sommer stattfinden. Hinzu komme eine Zukunftswerkstatt im Spätherbst/Winter unter der Frage: „Wie wollen wir in Giengen selbstbestimmt leben?“