Giengen Einsatz für mehr Miteinander

Egal ob Leseförderung, der Jugendsozialpreis oder der Einsatz im Waldsee: die Agendagruppen Netzwerk Verständigung, Schulsozialarbeit sowie Umwelt und Biotope können auf bemerkenswerte Projekte verweisen.
Egal ob Leseförderung, der Jugendsozialpreis oder der Einsatz im Waldsee: die Agendagruppen Netzwerk Verständigung, Schulsozialarbeit sowie Umwelt und Biotope können auf bemerkenswerte Projekte verweisen. © Foto: Fotos: Archiv
Giengen / Dieter Reichl 21.06.2018
Vor dem Gemeinderat stellten die Initiativen Schulsozialarbeit, Netzwerk Verständigung sowie Umwelt und Biotope ihre bereits laufenden Projekte sowie ihre Pläne vor.

Der Agendaprozess ist in Giengen im Gegensatz zu anderen Kommunen nach wie vor lebendig. Dies wurde jetzt wieder deutlich, als von den insgesamt sechs aktiven Gruppen jetzt die Initiativen Schulzozialarbeit, Netzwerk Verständigung sowie Umwelt und Biotope im Ratssaal ihre Arbeit präsentierten. Die anderen drei Gruppen Energie und Klimaschutz, Jakobswegle sowie Betriebe an Schulen hatten dies vor rund vier Wochen getan.

Für das Netzwerk Verständigung, so berichtete Christine Mack, stehe das „Miteinander statt Nebeneinander“ beim Leben in der Stadt im Mittelpunkt. Es gehe um Toleranz und Chancengleichheit sowie darum, die Eigenheiten des jeweils anderen kennenzulernen. Regelmäßige Treffen und Projekte der internationalen Frauengruppe, mit Kulturvereinen und Migrantenvereinigungen sollen dazu beitragen.

Offenes Ohr für Fremde

Wichtig sind der Agendagruppe auch die Lesepaten, von denen rund 15 in Sachen Lese- und Bücherfreude an fünf Grundschulen im Einsatz sind, und auch deren Fortbildung und regelmäßige Information. Einmal die Woche werden von den Paten maximal fünf Kinder betreut, so waren es im Schuljahr 2016/17 rund 50 Kinder.

Ein Schwerpunkt der vergangenen Jahre war die Arbeit im Freundeskreis Asyl, berichtete Christine Mack. 2014 gegründet, mit anfangs 80 Aktiven, habe man einiges gestemmt. „Wer als Fremder kam, fand in Giengen ein offenes Ohr.“ Unterdessen seien die meisten um- oder weggezogen oder in der Anschlussunterbringung. Für die verbliebenen Aktiven gebe es jetzt weniger Arbeit. Lob spendete Oberbürgermeister Dieter Henle: Es sei unvorstellbar, was geleistet wurde, gerate aber leider schnell in Vergessenheit. In jedem Fall rede man in Giengen nicht nur, sondern tue etwas. So habe man auch eine Koordinierungsstelle geschaffen – nur dann funktioniere es auch mit der Arbeit der Ehrenamtlichen.

Von der Arbeit der Gruppe Schulsozialarbeit und ihren zwölf bis 18 Mitgliedern berichtete Monika Danner. Elternbildung wie auch Schülerbildung sei für sie ein großes Thema, erfolgreich seien stets die Vorträge. Bislang seien 18 Elternbriefe verschickt worden, die auf einfachem Niveau Eltern zu aktuellen Themen ansprechen sollen. Einzelprojekte seien die Ausbildung von Streitlotsen an den Schulen, die Organisation von Schülertheater, und für 2018 das Sozialkompetenztrainig für Grundschüler in Rollenspielen und Gesprächsrunden. Ein Erfolg sei nicht zuletzt der jährliche Kinder- und Sozialjugendpreis, der zwischen 2003 und 2017 an 172 Kinder ging. Dies werde als „riesige Anerkennung“ empfunden, sagte Danner.

Zweiter Naturlehrpfad geplant

Einen Blick auf Umwelt und Biotope warf Dr. Karl-Heinz Müller als Sprecher seiner Agendagruppe. Aktuell gebe es zehn aktive Mitglieder. Mit Führungen, Pflanzaktionen, Pflegemaßnahmen und das Aufstellen von Infotafeln seien die Mitglieder befasst. Größtes Projekt war der erste Naturlehrpfad, 2003 begonnen, der aber aufgrund von Vandalismus restauriert werden musste. Pflegemaßnahmen gab's am Kirnberg, am Läutenberg, beim Handelshof oder am Waldsee Schmaudersgrube. Die Ausgleichsmaßnahme beim Fachmarktzentrum entwickle sich sehr gut, viele Tiere und Pflanzen seien dort, integriert in den Brenzradweg, zu beobachten. Der Gruppe sei es ein Anliegen, Zugang zur Natur offen zu halten und sie nicht abzuschotten, denn dann gebe es auch keine Identifikation damit. Natürlich komme nicht jeder überall hin, weshalb etwa die Insel beim Fachmarktzentrum nicht zu begehen ist, aber der Kontakt zur Natur soll erhalten bleiben, die Bevölkerung soll ihren Wert erkennen.

Geplant ist für das laufende Jahr ein zweiter Naturlehrpfad von Planung bis Aufbau im Umfeld des Naturfreundehauses Hasenloch mit Infos zu Tieren, Pflanzen und Forst sowie die Betreuung der bisherigen Biotope. Als Wünsche äußerte Müller die Möglichkeit, für größere Maßnahmen Mittel übertragen zu können, und als wichtiges Ziel: „Die Gewinnung vor allem jüngerer Mitglieder.“

Agendagedanke in Giengen nach wie vor lebendig

Mit der Lokalen Agenda 21 wollten Städte und Gemeinden mit Bürgern, Organisationen und der Wirtschaft nachhaltiges Handeln entwickeln. Vorbild ist ein in 1992 von damals 178 Mitgliedsstaaten der Uno verabschiedetes globales Programm, die Agenda 21. Ziel: Das Lebensumfeld der Menschen zukunftsfähig gestalten.

Bekannt wurde der Slogan „Global denken, lokal handeln.“ In vielen Orten allerdings ist dieses Projekt unterdessen eingeschlafen.

Nicht so in Giengen: Der Agendaprozess dort begann 1999 durch den Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, die Erstellung von Handlungskonzepten und die Projektbörse 2002.

Von ursprünglich 16 Agendagruppen sind heute noch sechs aktiv, zwei sind inaktiv und acht haben ihre Aktivitäten beendet oder ihre Projekte abgeschlossen.

Insgesamt sind heute noch knapp 100 Giengener Bürger – vor allem mittleren oder fortgeschrittenen Alters – in den sechs Gruppen aktiv, etwa gleich viele wie 2010.

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