Giengen Eine Woche regieren die Hexen in Giengen

Giengen / Joelle Reimer 08.02.2018
Dreimal „Panscher - Hex!“: Am Donnerstagvormittag übernahmen die Giengener Hexen das Rathaus.

Kaum etwas mehr als hundert Tage im Amt, musste Oberbürgermeister Dieter Henle am Donnerstagvormittag den Rathausschlüssel schon wieder abgeben: Bis Aschermittwoch regieren nun die Giengener Panscherhexen die Stadt. Da half dem OB weder seine Verkleidung als Herz-König-Karte noch die Unterstützung seiner Rathausmannschaft, die neben ihm als Zirkusgruppe Spalier stand. Elefanten, Giraffen, Clowns, Zauberer, Hexen und Esel – bleibt die Frage, ob dieser Auftritt wohl als erster Hinweis gedeutet werden darf, wie es ab und an im Rathaus zugeht?

Pünktlich um 10 Uhr war es so weit: „Manege frei, die Show beginnt!“ Und die Panscherhexen hatten nicht zu viel versprochen; sie prüften den OB auf Herz und Nieren. „Mal sehen, was uns das neue Oberhaupt wirklich zu bieten hat. Versprechen machen, das ist leicht. Doch ob's zum Einhalten auch reicht?“, fragten sie.

Alsbald wurden ernsthafte Töne angeschlagen. Punkt eins auf der Beschwerdenliste der Hexen: die begrenzte Parkdauer auf den innerstädtischen Parkplätzen. Mutig stellte Ordnungsamtsleiter Uwe Wannenwetsch klar: Wem die zwei Stunden nicht reichen, der soll sich mal an die Parkscheinautomaten von einst erinnern, und außerdem sei es gesund, ein paar Meter vom Auto in die Stadt zu laufen.

Und die Innenstadt? Die ist zum Heulen, monierten die Hexen. Leerstände, keine Touristen, keine Passanten – das müsse angegangen werden. Der städtische Zirkusdirektor hatte prompt eine Antwort parat: Abwarten! Konzepte lägen doch schon vor! Auf Befehl der Hexen buhte die Menge – es wurde klar: Hier ist der Geduldsfaden kurz vorm Zerreißen. Das Klagelied ging weiter, von der Innenstadt hinaus zum Bahnhof: „Das Gebäude steht zum Verkauf – das wäre doch ein klasse Heim für unseren guten Hexenverein!“, schlugen sie vor. Franz Becker trat als verschmitzt lächelnder Clown ans Mikro und freute sich, dass den Hexen ein wichtiger Fakt entgangen war – dass nämlich der zum Verkauf stehende Bahnhof bereits einen neuen Besitzer gefunden hat.

Doch einen Trumpf hatten die Hexen noch in der Hand, und der betraf sie ganz persönlich: Ärgern habe man sie wollen, mit dem Christbaum vor dem Rathaus, wegen dem kein Platz für den Narrenbaum sein sollte. – „Aber fix und schlau, wie wir halt sind, haben wir's geschaukelt, unser Kind.“ Recycling war das Zauberwort: Kugeln runter, Hexe rauf – und fertig war der Narrenbaum. Am Ende beugte sich das Stadtoberhaupt den Hexen, gab den Schlüssel ab und stürzte sich samt Zirkusgruppe in die feiernde Manege. So verlor der Herz-König zwar seine Macht, durfte aber zumindest noch als König der Herzen mitfeiern.