Giengen Konzertreihe „Halb 8“ auf dem Rathausplatz vor dem Aus

Wird es wohl nicht mehr geben: Die Reihe „Halb 8“ muss vom Platz vor dem Rathaus weichen, wenn der Gemeinderat dem Vorschlag der Verwaltung zustimmt, einen vom Oberlandesgericht vorgeschlagenen Vergleich zu akzeptieren.
Wird es wohl nicht mehr geben: Die Reihe „Halb 8“ muss vom Platz vor dem Rathaus weichen, wenn der Gemeinderat dem Vorschlag der Verwaltung zustimmt, einen vom Oberlandesgericht vorgeschlagenen Vergleich zu akzeptieren. © Foto: Archiv/Markus Brandhuber
Giengen / Marc Hosinner 25.05.2018
Die Stadt will nach einem Verfahren vor dem Oberlandesgericht rasch eine Alternative suchen. Ein Gastronom hatte wegen Lärms geklagt.

Beliebt über die Grenzen der Stadt hinaus: Das trifft auf die Gratis-Konzert-Reihe „Halb 8 – in Giengen spielt die Musik“ zu, die 2015 auf dem Platz vor dem Rathaus ihren Anfang nahm. Donnerstags – an acht Terminen – gab es dort Musik, die massenhaft Menschen anzog. Zwischen 600 und 700 Giengener und Gäste von außerhalb genossen im Schnitt die musikalischen Darbietungen unterschiedlicher Stilrichtungen.

Das städtische Ziel, Belebung in die Innenstadt zu bekommen, ging mit der vom Kulturamt organisierten Reihe voll auf.

24 Abende waren das bisher. Mehr werden es an dieser Stelle wohl nicht. Denn die Stadt muss einen alternativen Standort finden. Viel Zeit bleibt dazu nicht, weil die erste Band für 2018 bereits für den 29. Juni gebucht ist.

Längere Vorgeschichte

Aus heiterem Himmel kommt der Zwang zum Handeln nicht, vielmehr gibt es eine längere Vorgeschichte: Die von den Konzerten, dem Drumherum und dem Abbau ausgehende Geräuschkulisse stieß dem Betreiber des Hotel und Gasthauses Lamm offensichtlich sauer auf. Wie bereits im Oktober 2016 berichtet, hatte der Gastronom einen Rechtsanwalt eingeschaltet und ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben.

Konkrete Angaben machte der Betreiber des Hotels auf Nachfrage damals nicht, machte aber an anderer Stelle größere Umsatzeinbußen wegen Beeinträchtigungen für Gäste geltend.

Städtischerseits hatte man damals von „Kompromissen“, von „Nachjustieren“ und „ändern von Rahmenbedingungen“ gesprochen und sei bestrebt gewesen, den Abbau so schnell als möglich zu vollziehen, nachdem die Konzerte um 22 Uhr beendet waren.

Im vergangenen Jahr ging „Halb 8“ über die Bühne, im selben Jahr trafen sich die Stadt und der Betreiber des Gasthauses allerdings auch vor dem Landgericht Ellwangen. Dort wurde die Klage des Lamm-Betreibers abgewiesen.

Gegen dieses Urteil legte der Gastronom jedoch Berufung ein. In der vergangenen Woche fand die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart statt. Resultat: Das Gericht legte den Parteien nahe, einen Vergleich abzuschließen.

Lärmwerte festgelegt

„Wir werden dem Gemeinderat vorschlagen, diesem Vergleich nicht zu widersprechen“, so Oberbürgermeister Dieter Henle gestern. Das heißt: Wird der Vergleich akzeptiert, ist es mit der Musik vor dem Rathaus donnerstags vorbei. Wie Henle erklärt, seien vom Gericht Lärmwerte festgelegt worden. Tagsüber zwischen 6 und 22.30 Uhr sollten 60 Dezibel gelten – das ist in etwa so laut wie ein Gruppengespräch oder das Surren einer Nähmaschine. Maximale, kurzzeitige Spitzenwerte dürften 90 Dezibel – wie ein Lastwagen – nicht überschreiten. Zwischen 22.30 Uhr und 6 Uhr morgens lägen die Werte bei 45 Dezibel (in etwa wie der übliche Geräuschpegel in der Wohnung) und 65 Dezibel als Spitzenwert (Fernseher).

Unabhängig von den Werten – so ist es im Vergleichsvorschlag festgehalten – muss die Musikdarbietung um 21.30 Uhr beendet sein.

Andere Plätze kommen in Frage

„Wir müssen uns nun nach Alternativen umschauen. Es gibt Plätze in der Stadt, die grundsätzlich in Frage kommen. Nur müssen wir schauen, ob das logistisch und vom Umfeld her machbar ist“, so das Stadtoberhaupt, das die Entwicklung „sehr bedauert“. „Wir wollen das jetzt als Chance sehen, einen neuen Ort für die Konzerte zu finden. Denn im kommenden Jahr hätten wir wegen des geplanten Umbaus des Rathausplatzes sowieso ausweichen müssen“, so der Oberbürgermeister.

Der Hotel-Betreiber wollte gestern auf Nachfrage seinen Standpunkt nicht erläutern. Er verwies auf seinen Rechtsanwalt. Der allerdings, so wurde von der Kanzlei mitgeteilt, sei derzeit im Urlaub.

Im Vergleich geht es ausschließlich um die Reihe „Halb 8“. Andere Feste, wie der Panschertreff, sind nach Aussage von OB Henle nicht betroffen.

Termine und Bands für 2018 stehen

Wo auch immer die acht Konzerte stattfinden werden: Die Termine für die vierte Auflage von „Halb 8“ stehen, die Bands hat das städtische Kulturamt gebucht.

Den Auftakt macht – wegen der Fußball-Weltmeisterschaft – ausnahmsweise am Freitag, 29. Juni, die Band Silverballs, die mit einer Mischung aus Rock'n'Roll und Rockabilly aufwartet.

Weiter geht's – ab da immer donnerstags – am 5. Juli mit dem Trio Prosecco und Musik von den 60ern bis heute. Am 12. Juli ist IZE gebucht, die deutschsprachigen R'n'B auf die Bühne bringen. Die Groovin Bastards spielen am 26. Juli und bieten Blues, Reggae, Ska, Soul und Rock. Am 2. August tritt der Singer-Songwriter David Blair auf. Drei Stimmen, zwei Gitarren und ein Cajon: Das sind Sameday Records, die am 9. August zu hören sein werden. Eine Woche später kommen Bretthart auf die Bühne und präsentieren Rockmusik pur. Den Abschluss der Reihe für 2018 macht am 23. August die Band Goitse mit irischer Folk-Musik

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