Giengen / Nadine Rau Friedrich Battran hat seinen Schwiegersohn Sascha Asum und seinen Enkel René Asum mit seiner Leidenschaft angesteckt. Wenn der Piepser losgeht, muss die Verwandtschaft eben warten.

Dass gleich drei Generationen einer Familie bei der Feuerwehr aktiv sind, das gibt es wohl nicht allzu oft. In Giengen sind Friedrich Battran, sein Schwiegersohn Sascha Asum und sein Enkelsohn René Asum mit Leib und Seele Feuerwehrmänner und gemeinsam im Einsatz. Ein Gespräch, so ganz unter Familienmitgliedern.

Herr Battran, sind Sie schuld daran, dass Ihr Schwiegersohn und Ihr Enkel bei der Feuerwehr gelandet sind?

Friedrich Battran: Nein! Ich habe immer gesagt, fangt diesen Blödsinn nicht an (lacht).

René und Sascha Asum: Na klar warst du schuld!

Wieso denn Blödsinn?

Battran: Ach, das ist eine Sucht. Wenn man einmal dabei ist, kommt man nicht mehr davon los.

Verraten Sie doch mal kurz reihum: Seit wann sind Sie schon bei der Feuerwehr dabei?

Battran: Ich bin 62 und seit mehr als 40 Jahren bei der Feuerwehr. Seit 1979 arbeite ich hauptamtlich als Gerätewart hier.

Sascha Asum: Seit 2000 bin ich bei der Feuerwehr dabei. Bei einem Übungsabend wollte ich mir das einfach mal anschauen und ruckzuck hat man das Anmeldeformular vor sich liegen. Ein Nein wird dann nicht mehr akzeptiert (lacht). Jetzt bin ich 41 und wohne seit vier Jahren in Hohenmemmingen.

René Asum: Mit zwölf habe ich bei der Jugendfeuerwehr angefangen. Ich bin damit aufgewachsen und konnte es kaum abwarten. Jetzt bin ich 18 und wohne noch bei meinen Eltern in Hohenmemmingen.

Wenn der Piepser klingelt, können Vater und Sohn also zusammen zum Einsatz losfahren?

Sascha Asum: Wir können schon, aber ich werde immer langsamer.

René Asum: Das stimmt, ich bin meistens schneller.

Sascha Asum: Noch dazu kommt, dass ich für die Stadt im Winterdienst tätig bin. Wenn es schneit, brauche ich gar nicht mitzufahren.

Nehmen Sie uns doch mal mit auf ein Familienfest. Sie müssen ausrücken und alle drei rennen weg – gab es solche Feste schon?

Alle drei: Genügend!

Sascha Asum: Geburtstage von den Kindern, Ostern, Weihnachten, Silvester . . . Es gibt keinen Termin, bei dem wir nicht wegmussten.

Battran: Bei eurer Hochzeit hat er aber nicht getan.

Sascha Asum: Da wäre ich auch nicht gegangen.

Battran: Da wäre keiner von uns gegangen.

Da wäre Ihre Frau, Herr Asum, sicher nicht begeistert gewesen. Grundsätzlich aber ziehen Ihre Frauen mit?

Battran: Die Frauen müssen mitmachen, sonst funktioniert die ganze Sache nicht.

Sascha Asum: Meine Frau kennt es durch ihren Papa gar nicht anders. Aber sie hat immer gesagt, dass sie keinen Feuerwehrmann will. Anfangs war ich ja noch keiner (lacht).

Zum Glück hatte sie auch nichts dagegen, als ich später doch noch eingetreten bin. Manchmal lachen die Frauen aber über uns, zum Beispiel, wenn wir vom Einsatz zurückkommen, und es keinen Kuchen mehr gibt. Dann heißt es nur ,Tja, ihr wart ja im Einsatz'.

Gehen Sie sich einander nicht mal auf den Wecker? Immerhin sehen Sie Ihre Familie bei Ihrem Hobby dann auch noch ständig.

René Asum: Nein, es ist nicht so, dass wir uns auf die Nerven gehen.

Sascha Asum: Im Gegenteil. Ich bin stolz, dass mein Sohn dabei ist. Gut, anfangs hatte ich ein komisches Gefühl, vor allem bei seinen ersten Einsätzen. Aber es macht mich wirklich stolz.

Sie sprechen von den ersten Einsätzen. Erzählen Sie doch mal.

Sascha Asum: Den ersten Einsatz werde ich nie vergessen. Das war 2000, einen Monat, nachdem ich mit der Grundausbildung fertig war. In Hürben hat ein riesiger Heuhaufen gebrannt, mittags um 13.15 Uhr, das weiß ich noch.

Battran: Das war 1979, im Mai, in Hürben, im Feldlesweg. Ein Traktorbrand. Ich habe fahren dürfen.

René Asum: Bei mir ist es noch nicht lange her. Das war der Brand der vielen Pakete auf der Autobahn. Ich musste nachts erst mal von Hohenmemmingen los und habe schon die ersten Autos rausfahren sehen. Ich bin auf den Tanker gesessen. Das war das letzte Auto, ich dachte, ich habe noch etwas Zeit, um zu überlegen. Aber wir sind anders gefahren und kamen als erstes Auto an. Dann geht einem die Düse.

Sascha Asum: Das war genau der Einsatz, als es geschneit und ich Winterdienst hatte.

Sind all Ihre Einsätze oft Thema in der Familie?

Sascha Asum: Bei meinen Eltern zum Beispiel ist es so, dass sie sich dafür interessieren. Aber was Einsätze betrifft, brauchen sie mich nicht zu fragen. Darüber rede ich nicht, höchstens mal mit meiner Frau.

Battran: Ich blocke ab, wenn jemand etwas wissen will. Manche Dinge darf ich auch gar nicht sagen.

Können Sie beschreiben, was Sie an der Feuerwehr reizt?

René Asum: Zum einen die Kameradschaft. Zum anderen war ich als kleines Kind schon von den Feuerwehrautos begeistert, Opa und Papa sind da dabei . . .  Noch als ich ein kleiner Stöpsel war, war klar, dass ich zur Feuerwehr gehe.

Battran: Früher war die Kameradschaft sogar noch besser. Das liegt aber auch an den vielen Einsätzen, und ein Privatleben haben wir schließlich auch noch. Da ist irgendwann eine Grenze erreicht.

Sascha Asum: Schön ist ja auch, dass man sich neben der Feuerwehr bei allen möglichen Gelegenheiten trifft. Bei mir können schon mal zwanzig Mann im Wohnzimmer stehen, um meinen Christbaum zu loben. Das gehört dazu.

Wie viel Zeit investieren Sie in Ihr Hobby?

Sascha Asum: Wir üben jeden Dienstag circa eineinhalb Stunden.

Battran: Der Rest ist nicht planbar. Rund 160 Einsätze sind es im Jahr.

Sascha Asum: Meine Frau und ich kaufen mittlerweile nur noch in Giengen ein, dass sie zu ihren Eltern laufen kann, wenn ich mal wieder mit dem Auto wegmuss.

Battran: Manchmal kann man tatsächlich schon vorher erahnen, wenn ein Einsatz kommt.

Sascha Asum: Das kann ein Außenstehender nicht glauben. Aber jedem Feuerwehrmann geht das so. Das ist manchmal wie verhext.

Wer von Ihnen kommt denn immer als Erster bei der Feuerwehr an?

Sascha Asum: Früher war ich immer einer von den Ersten, aber heute nicht mehr. Ich werde halt doch alt (lacht). Mein Sohn ist da anders, aber er wird auch noch ruhiger.

Battran: Ich höre meinen Piepser bei Nacht gar nicht jedes Mal. Obwohl er immer auf volle Lautstärke eingestellt ist. Und ich fahre auch nicht mehr so schnell. Wenn es schneit, brauche ich erst mal eine Winterjacke, ich komme nicht halbnackt wie manch anderer.

Bei vielen Einsätzen sind Sie sowieso nicht alle drei gefragt, oder?

Sascha Asum: Das stimmt. Es gibt verschiedene Schleifen und bei manchen Einsätzen bin nur ich dabei, da fehlt René noch die Ausbildung. Wenn ein Drehleiter-Einsatz ansteht, kommt er auch nicht, weil er kein Maschinist ist.

So wie Sie.

Sascha Asum: Genau. Witzig ist es deshalb auch mit meinen Kollegen. Ich arbeite bei der Stadtgärtnerei, und wir sind drei Feuerwehrmitglieder, alles Maschinisten. Wenn wir unterwegs sind, wird es lustig. Wir streiten uns: Wer fährt welches Auto? Da gibt es immer ein kleines Machtgehabe.

Battran: Deshalb drückt ihr mich auch immer weg!

Sascha Asum: Na klar. Wir wissen ganz genau, der Gerätewart ist da. Und jeder ärgert sich: Mist, ich will doch eigentlich Drehleiter fahren.

Dann sehe ich manchmal, wie er losgeht, sage ,Du, Frieder?', er dreht sich um – und in dem Moment springt schon der nächste ins Auto. Dann heißt es: Das Auto darf nicht raus. Und weg ist es.

Battran: Ach, in der Ruhe liegt die Kraft. Mittlerweile komme ich als Letzter und gehe als Erster heim.

Haben Sie zum Schluss noch eine gute Geschichte auf Lager?

Battran (überlegt): Was sollen wir noch erzählen? Blödsinn machen wir doch keinen.

Sascha Asum: Zumindest darf man nicht darüber schreiben . . .