Giengen Die eigene Geschichte an die Schule holen

Projektleiter Jakob Fischer erklärte bei der Ausstellungseröffnung, wo die deutschen Auswanderer sich in den ehemaligen Staaten der Sowjetunion niederließen.
Projektleiter Jakob Fischer erklärte bei der Ausstellungseröffnung, wo die deutschen Auswanderer sich in den ehemaligen Staaten der Sowjetunion niederließen. © Foto: Kathrin Schuler
Giengen / Kathrin Schuler 17.07.2018
Eine Ausstellung im Margarete-Steiff-Gymnasium und die Schüler beschäftigen sich derzeit mit den Spätaussiedlern

Das Thema Integration ist heute so aktuell wie lange nicht mehr. Doch neben den zahlreich geführten Diskussionen, wie und unter welchen Bedingungen die Integration einer großen Zahl neuer Mitbürger heute noch gelingen kann, vergisst man leicht: Sie ist schon einmal gelungen – und das mit großem Erfolg.

Tausende Spätaussiedler kehrten nach dem Ende der Sowjetunion nach Deutschland zurück und wurden wieder Teil der Gesellschaft.

Über deren Geschichte informiert die Wanderausstellung „Deutsche aus Russland - gestern und Heute“, die seit Freitag im Foyer des Margarete-Steiff-Gymnasiums zu sehen ist. Auf den 22 Stellwänden, die von der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland zusammengestellt wurden, wird erzählt, wie es dazu kam, dass die ersten Auswanderer im 18. Jahrhundert Deutschland verließen und was dazu führte, dass sie nach dem Ende der Sowjetunion in ihre Heimat zurückkehrten.

„Wert, erzählt zu werden“

„Ihre Geschichte ist es wert, erzählt zu werden“, sagt Schulleiter Markus Kuhn am Freitag zu den Russlanddeutschen und deren Nachfahren, die zur Eröffnung ins Margarete-Steiff-Gymnasium gekommen waren. Aus diesem Grund habe er sich auch darum bemüht, dass die Ausstellung, die im Juni bereits in Heidenheim gastierte, auch nach Giengen komme. Verbunden mit der Ausstellung ist zudem ein Projekt der Schüler, das Jakob Fischer, Organisator der Ausstellung, begleitet.

„In dem alten Bildungsplan, der für die älteren Schüler noch immer gilt, kommt das Thema gar nicht vor“, erklärte Kuhn. Den Schülern bedeute es jedoch viel, ihre eigene Geschichte auch im Unterricht zu besprechen.

Er selbst erlebe Giengener Schüler mit russlanddeutschen Vorfahren als perfekt integriert. Doch gerade deshalb sei es wichtig, die Geschichte auch heute noch zu erzählen: „Denn es wäre geradezu schädlich, wenn sie in Vergessenheit gerät – und dadurch die Vergangenheit, die man nicht kennt, verherrlicht würde, auch wenn gar nicht alles herrlich war.“

Integration kann funktionieren

„Wir alle sind Teil der Geschichte und haben hier unsere Heimat wiedergefunden“, meinte auch Maria Grafenstein von der russlanddeutschen Gesangsgruppe Melodie, die am Freitag aufgetreten ist. Man schreibe die Geschichte fort, in dem man versuche, Traditionen beizubehalten und auch in Deutschland noch fortzuführen. Um sie nicht zu vergessen, sei auch die Musik ein wichtiger Punkt.

Integration sei in einer Stadt wie Giengen mit so vielen Bürgern aus verschiedenen Ländern ein Thema von großer Bedeutung, meinte auch Oberbürgermeister Dieter Henle. Die Geschichte der Spätaussiedler sei zudem ein Beweis für eine Tatsache, die damals ebenso galt wie heute: „Integration kann gelingen.“

Mithilfe der Ausstellung, die noch bis heute Abend im Foyer des MSG zu sehen ist, sei es möglich, diesen langen Zeitraum erfolgreicher Integration näher zu betrachten und so besser zu verstehen, wie Integration auch heute funktionieren kann.

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