Giengen Der Wald wirft mehr ab als geplant

Der Giengener Stadtwald soll auch weiterhin einen Ertrag abwerfen. Wieviel dies in den kommenden Jahren sein wird, ist allerdings ungewiss.
Der Giengener Stadtwald soll auch weiterhin einen Ertrag abwerfen. Wieviel dies in den kommenden Jahren sein wird, ist allerdings ungewiss. © Foto: Archiv
Giengen / Nadine Rau 23.07.2018
2017 sind die Bäume im Stadtwald laut dem Forstbericht trotz Trockenheit und Stürmen noch glimpflich davongekommen, 150 000 Euro wurden erwirtschaftet. Damit es so bleibt, braucht es Vielfalt.

Die fast 800 Hektar Wald sind wichtig für Giengen – als Wirtschaftsfaktor einerseits, als ein Ort für Erholung andererseits. Um seinen Zustand nicht aus den Augen zu verlieren, kommt alle zehn Jahre ein Vertreter der Forstverwaltung Baden-Württemberg und macht sich ein Bild von den Bäumen. Der Gemeinderat wird informiert und stimmt anschließend darüber ab, wie der Wald in den kommenden zehn Jahren bewirtschaftet und bepflanzt werden soll.

Borkenkäfer machen zu schaffen

Eva Korn-Allan vom Regierungspräsidium Freiburg hat sich den Stadtwald angesehen und in der jüngsten Gemeinderatssitzung die wichtigsten Punkte aufgezeigt. Der Tenor: Den Umständen entsprechend ist alles in Ordnung. Die Umstände, das sind etwa die Trockenheit, Stürme und der Borkenkäfer – das macht den Bäumen zu schaffen. Aber, so sagte es Revierleiter Fritz Bosch, der Stadtwald sei im Hinblick auf 2017 noch glimpflich davongekommen. 152 000 Euro Überschuss konnten erwirtschaftet werden, mehr als geplant.

Der Stadtwald, 145 Hektar davon sind Erholungswald und 135 Hektar Landschaftsschutzgebiet, besteht derzeit zu 37 Prozent aus Buchen. Nur 28 Prozent des Waldes seien Nadelbäume. „Aber da ist Giengen in bester Gesellschaft“, beruhigt Korn-Allan. Der Anteil soll über die konsequente Planung von Fichten und Douglasien in den nächsten Jahren wieder auf ungefähr 30 Prozent erhöht werden (siehe auch Infokasten).

Viel Fläche, die nichts einbringt

Was das Alter der Bäume angeht, herrscht im Stadtwald kein ausgeglichenes Verhältnis. „Es gibt viel Fläche, die gepflegt werden muss, aber noch kein Geld abwirft“, erklärt Korn-Allan. Deshalb würden die älteren Bäume in den kommenden zehn Jahren nur vorsichtig und langsam genutzt werden, sodass die Stadt auch langfristig ihre Erträge erzielen kann.

Außerdem haben sich die Stadträte gegen das sogenannte Alt- und Totholzkonzept entschieden – es werden also keine Baumgruppen oder Flächen explizit ausgewiesen, die nicht bewirtschaftet werden und somit als Lebensraum für etliche Pflanzen- und Tierarten dienen könnten. Stattdessen will man sogenannte Habitatbäume belassen, also Bäume, die den Reife- und Alterungsprozess bis zum Absterben durchlaufen.

Der Blick auf den Wald ging in der Gemeinderatssitzung aber nicht nur nach vorn, sondern auch zurück: Der Hiebsatz sei in den vergangenen zehn Jahren vollständig erfüllt worden, so Korn-Allan. Knapp 50 000 Erntefestmeter seien erzielt worden. Neun Prozent davon seien durch zufällige Nutzung, also Naturereignisse wie ein Sturm oder der Borkenkäfer, zu verzeichnen. Aber: „Das ist überhaupt nicht viel“, so die Expertin. Als sehr erfreulich bezeichnete sie das Betriebsergebnis: 25 Euro je Festmeter eingeschlagenes Holz seien „ein wirklich guter Wert“.

Gemischtwarenladen an Bäumen

Um in Zukunft erfolgreich wirtschaften zu können, wolle man weiterhin einen „Gemischtwarenladen“ an Bäumen im Angebot haben, auch deshalb sei es wichtig, Douglasien und Fichten anzubauen. Ahorne und Eschen seien stark verbissen, weshalb man die jagdlichen Bemühungen weiter fortsetzen müsse. Was die Bäume angeht, die schon über 60 Jahre alt sind, würden 64 Prozent der Fläche verjüngt. Die ökologischen Belange sollen überdies weiter berücksichtigt werden. „Da ist Ihr Wald in guten Händen“, versicherte sie.

Stadtrat Rubens Link (unabhängige/Grüne) betonte, dass der Wald für ihn in erster Linie für Freizeit, Erholung und Gesundheit da sei, auch Oberbürgermeister Dieter Henle sprach vom Wald als wichtigem Faktor für die Lebensqualität. Umso mehr freue er sich über Korn-Allans Lob.

Rudolf Boemer (CDU) wollte wissen, ob sich das trockene Klima auch in diesem Jahr bereits bemerkbar mache. „Die Käfer sind noch zwei bis drei Wochen früher dran“, erwiderte Korn-Allan. Anlass zur Sorge für Dr. Erwin Kleemann (Unabhängige/Grüne): „Wir könnten dieses Jahr deutlich weniger Gewinn machen.“

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