Giengen Industriepark A7: Planung geht weiter, Bedenken bleiben

Giengen / Nadine Rau 13.09.2018
Die Verwaltungsgemeinschaft Giengen-Hermaringen ermöglicht die weitere Planung. Mögliche Probleme wurden vorher aber noch mal angesprochen.

Bis der neue Industriepark an der A7 fertiggestellt ist, dauert es noch ein Weilchen. Vorher geht es in kleinen Schritten mit der Planung voran, im Rathaus wurde ein solcher, noch ganz am Anfang des Verfahrens, am Dienstag getan. Die Verwaltungsgemeinschaft Giengen-Hermaringen hat einstimmig der Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt und so die weitere Vorbereitung des Industrieparks möglich gemacht.

Zur Erklärung: Der Flächennutzungsplan, der seit 1993 rechtskräftig ist, stellt bislang an der Autobahn landwirtschaftliche Fläche dar. Ein Bebauungsplan kann daher erst dann aufgestellt werden, wenn dieser Plan geändert wird. Die Änderung kann parallel zum weiteren Verfahren vorangetrieben werden.

Eigentümer zum Verkauf bereit

Mit den Grundstückseigentümern der insgesamt 40 Hektar fassenden Fläche hat die Stadt nach eigenen Angaben bereits gesprochen, bis auf einen seien grundsätzlich alle bereit zu verkaufen oder äußerten den Wunsch nach Tauschflächen. Auch vertragsreife Gespräche mit möglichen Kaufinteressenten unterschiedlicher Branchen würden bereits in vollem Gange sein (siehe extra Infotext ganz unten).

Um die derzeitige Nachfrage und den absehbaren weiteren Bedarf zu decken, habe die Stadt auch weitere Flächen im gesamten Gebiet der Gemarkung Giengen untersucht, allerdings seien keine Alternativen in Frage gekommen. Das Gewerbe- und Industriegebiet Ried etwa sei ungeeignet, weil dort nur noch kleine Teilflächen unbebaut sind, die überdies nicht zur Verfügung stehen würden. Außerdem sei die Verkehrsanbindung in diesem Bereich ungeeignet.

Nun also an der Autobahn, nahe der an Hermaringen vorbeiführenden B492 und 450Meter von Hürben entfernt. Bedenken hatte der Hermaringer Gemeinderat von Anfang an geäußert, hatte sich in der ersten Sitzung sogar gegen die Pläne ausgesprochen. Mittlerweile hat Giengen auch die Unterstützung der Nachbargemeinde, die gestern ihre Vertreter zur Abstimmung nach Giengen entsandt hat. Nicht darunter war Bürgermeister Jürgen Mailänder, an seiner Stelle kam sein Stellvertreter Robert Schmid.

„Unter uns Gemeinderäten gibt es immer noch diejenigen, die hinter den Plänen ein großes Fragezeichen sehen“, sagte der Hermaringer Gemeinderat Hans-Dieter Diebold (Wählervereinigung der Arbeitnehmer) – und äußerte seine Bitten: Die Stadtverwaltung solle die Mixtur der Ansiedlungsbetriebe sorgfältig prüfen. Nur wenn tatsächlich Arbeitsplätze entstehen, sei es das auch wert, dafür so viel Fläche herzugeben.

Überdies solle Giengen seine Nachbarn in puncto Lärmschutzwand an der B492 unterstützen, auf der der Verkehr durch den Industriepark noch zunehmen würde. Zuletzt müsse Giengen die Fläche an den öffentlichen Nahverkehr anbinden, sodass die Arbeitskräfte auch ohne Pkw dorthin kommen. Weiter sei ein Kreisel direkt an der Autobahnauffahrt Richtung Würzburg statt der geplanten Ampel sinnvoll, um den vielen Verkehr in den Griff zu bekommen.

„Vieles spricht für einen Kreisel“

Oberbürgermeister Dieter Henle sicherte seine Unterstützung für die Lärmschutzwand zu. Was die Ansiedlung der Betriebe betrifft, gebe es klare Kriterien: Wie viele Arbeitsplätze, wie viel Gewerbesteuer und wie viel Einkommenssteuer kann generiert werden? Auch die Verkehrssituation würde weiter untersucht. Die vom Land signalisierte Lösung mit einer Ampel müsse noch einmal überdacht werden, „vieles spricht für einen Kreisel“, so Henle.

Stadtrat Wilhelm Oszfolk (SPD) betonte, dass Hermaringen bislang immer volle Unterstützung von Giengen erfahren habe, das wünsche er sich auch umgekehrt. Das Verkehrsproblem, sagte er weiter, sei bereits jetzt da, daher „muss eine Untersuchung stattfinden“.

Hans Waldenmeier (CDU), dem als Landwirt wegen der Pläne „zwar das Herz blutet“, regte an, dass Hermaringen und Giengen gemeinsam einen Antrag stellen sollten, dass die B492 zur mautpflichtigen Strecke wird, sobald sie vollständig ausgebaut ist. „Ich wohne ja auch so, dass ich den Verkehr erlebe. Es geht um vier Uhr morgens los und beruhigt sich erst am Abend“, so Waldenmaier, der übrigens gegen das Vorhaben ist.

Henle indes gibt sich weiterhin zuversichtlich: „Dieser Industriepark wird auf die ganze Region ausstrahlen und positive Effekte nicht nur für Giengen, sondern auch für andere Städte bringen.“ Partnerschaftlich wolle er ihn weiter voranbringen.

Wer will sich ansiedeln? Diese Kaufinteressenten werden gehandelt

Die Stadtverwaltung führt nach eigenen Angaben mittlerweile vertragsreife Gespräche mit einer Reihe von ansiedlungswilligen Firmen unterschiedlicher Branchen.

Der Bedarf ist hoch und würde sogar ausreichen, um weit mehr als die 40 Hektar (zusammengezählt wären es schon 73 Hektar) verfügbare Fläche zu füllen. Es bleibt abzuwarten, welche Unternehmen von der Stadt ausgewählt werden:

Gastronomie ohne Hotelbetrieb: 20 Arbeitskräfte, 5000 Quadratmeter Fläche - gedacht für Catering, Eventalm und Firmenveranstaltungen.

Hotel: 40 Arbeitskräfte, 15 000 Quadratmeter, mit Outlet.

Spielhalle: zwei Arbeitskräfte, 300 Quadratmeter.

Logistikbetriebe: sechs unterschiedliche Interessenten, zweimal 70, einmal 500, einmal 150, einmal 20 und einmal 35 Arbeitskräfte. Zu dreien gibt es nähere Infos: Eine Firma hat den Schwerpunkt Produktversorgung High Tech, eine betreibt Import und Export mit Lebensmitteln, eine mit dem Schwerpunkt Baustoffe (Großhandel). Insgesamt eine Fläche von rund 630 000 Quadratmetern.

Einzelhandel (Möbelhaus): 225 Arbeitskräfte, 50 000 Quadratmeter Fläche.

Zwei Tankstellen: Einmal zwei Arbeitskräfte und 2000 Quadratmeter, einmal zehn Arbeitskräfte und 15 000 Quadratmeter einschließlich Shops.

Textilien, Produktion von Stretch Tech Ware: 20 Arbeitskräfte und 15 000 Quadratmeter Fläche.

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